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Aus der Bundesliga in die Bezirksliga: Stephan Salgers neue Fußballwelt

von Lars Brepols · 17.02.2026, 14:41 Uhr · 0 Leser
Zweikampf um den Ball: Stephan Salger (r.), hier im Trikot des 1. FC Köln II, und der Ex-Dürener Kevin Goden.
Zweikampf um den Ball: Stephan Salger (r.), hier im Trikot des 1. FC Köln II, und der Ex-Dürener Kevin Goden. – Foto: Manfred Heyne

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Der Ex-Profi trägt seit dieser Saison das Trikot des TuS Langerwehe. Den Schritt in den Amateurbereich bereut der gebürtige Dürener keineswegs. Zum 1. FC Düren hat der 35-Jährige eine klare Meinung.

132 Spiele in der zweiten Bundesliga, 21 Partien im DFB-Pokal und 172 Einsätze in der dritten Liga: Der gebürtige Dürener Stephan Salger hat in seiner langen Profikarriere einige große Stadien erlebt und mit vielen bekannten Fußballern zusammengespielt – etwa mit Ilkay Gündogan und Torhüter Oliver Baumann in der deutschen U21-Nationalmannschaft. Im vergangenen Sommer hat der inzwischen 35-Jährige seine Profilaufbahn beendet. Seit dieser Saison ist er nun als spielender Co-Trainer für den Bezirksligisten TuS Langerwehe im Einsatz.

In Interview mit Lars Brepols blickt Salger, der derzeit ein Duales Studium zum Stadtinspektor-Anwärter bei der Stadt Aachen absolviert, auf die ereignisreiche Zeit als Profi zurück. Außerdem spricht er über seine ersten Erfahrungen im Amateurbereich sowie Verbindungen zum Nachbarverein 1. FC Düren.

Herr Salger, Sie haben jüngst Ihre erste Hinrunde im Amateurfußball beendet. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Stephan Salger: Es ist schon eine ganz andere Welt, mit ganz neuen Blickwinkeln. Unfassbar viele Leute bringen hier extrem viel Engagement und Leidenschaft ein. Der Amateurfußball ist aber weit weg vom Profigeschäft.

Was war für Sie der größte Unterschied im Vergleich zum Profibereich?

Salger: Prinzipiell natürlich das ganze Drumherum – wobei das hier für die Liga wirklich auf einem hohen Niveau betrieben wird.

Langerwehe ist ja auch ein Traditionsverein…

Salger: Definitiv. Die Jungs sind teilweise echt talentiert und ordentlich geschult. Aber beim Spielverständnis, bei der Spielkomplexität, bei der Einschätzung von Situationen – da liegen die ganz großen Welten zwischen Profi- und Amateurbereich. Da merkt man schon, warum es bei vielen nicht für eine Profikarriere gereicht hat.

Trotzdem haben Sie offenbar Spaß, oder?

Salger: Es macht wirklich sehr viel Spaß. Dieses Kabinenleben zum Beispiel – das hat man im Profibereich so nicht. Dieses dumme Gequatsche gibt es zwar im Profibereich auch, aber hier ist es noch mal anders.

Vermissen Sie den Profifußball trotzdem?

Salger: Tatsächlich überhaupt nicht. Wahrscheinlich, weil ich noch zu nah dran bin. Ich bin bewusst noch mal zum FC zurückgegangen, um das Ganze etwas ausklingen zu lassen – auch mit dem Hintergrund, dass ich wieder nach Hause und parallel meine zweite Karriere planen wollte. Der Profibereich ist eine sehr extreme Ellbogengesellschaft. Mit dem Weg, den ich jetzt eingeschlagen habe, bin ich deutlich zufriedener und entspannter.

Sie haben sich vor allem wegen Ihres Bruders für den TuS entschieden.

Salger: Genau. Die Verbindung zu meinem Bruder ist natürlich da, und wir verstehen uns auch einigermaßen gut, sodass das funktioniert (lacht). Es gab auch Gespräche mit anderen Vereinen, die höher spielen. Aber aufgrund meiner beruflichen Situation habe ich mich für Langerwehe entschieden. Dass das in der Bezirksliga für mich dann doch so intensiv werden würde, hätte ich allerdings nicht gedacht.

Was meinen Sie konkret?

Salger: Vor allem den zeitlichen Aufwand: In der Vorbereitung dreimal Training plus Spiel – das ist dann doch mehr, als ich erwartet hatte. Und vom Niveau her wusste ich überhaupt nicht, was auf mich zukommt. Das war eine absolute Wundertüte. Ich war dann positiv überrascht. Ich hätte mir manches auch anders gewünscht, aber insgesamt ist alles völlig in Ordnung.

Das Niveau ist also höher als erwartet?

Salger: Ja, tatsächlich. Ich bin positiv überrascht von der individuellen Spielstärke. Viele Spieler aus der Mittelrhein- oder Landesliga kommen in die Bezirksliga, weil sie das besser mit dem Beruf kombinieren können und der Aufwand hier etwas geringer ist. Wenn ich sehe, wer bei uns und generell in der Liga schon höher gespielt hat, dann häufen sich da einige, die echt was vorzuweisen haben. Das merkt man in den Spielen deutlich – das ist wirklich nicht ohne.

Sie sind inzwischen nicht mehr nur Spieler, sondern auch Co-Trainer. Hat sich Ihr Blick aufs Spiel dadurch verändert?

Salger: Es war klar, dass ich in irgendeiner Form mitbestimmen möchte. Dass das in einer Doppelfunktion als Spielertrainer nicht ideal ist, war auch klar. Als Co habe ich jetzt die Möglichkeit, deutlich intensiver mit den Jungs zu arbeiten und sie zu verbessern. Ich glaube, wir haben da eine vernünftige Lösung gefunden, die auch zwischenmenschlich gut funktioniert.

Aber Ihre Rolle auf dem Platz ist jetzt eine andere.

Salger: Im Spiel eigentlich nicht. Klar habe ich vielleicht etwas mehr Mitspracherecht als ein normaler Kapitän, wenn es darum geht zu sagen: „Pass auf, wir müssen etwas verändern.“ Das würde ein Kapitän auch machen, aber mein Gewicht ist durch mein Standing vielleicht noch mal höher. Ich war ja bei den Amateuren des FC Führungsspieler, bei 1860 München zweiter Kapitän. Es ist also nicht großartig anders. Klar hängt jetzt der Trainertitel dran, aber das war’s dann auch.

Im Gegensatz zu manchen anderen Ex-Profis scheinen Sie Ihr Engagement ernst zu nehmen – Sie haben zwölf von 15 möglichen Ligaspielen absolviert. Wie blicken Sie auf Ihre eigene Leistung?

Salger: Mir ist wichtiger, dass wir uns als Mannschaft weiterentwickelt und unsere anfänglichen Probleme bis Ende Herbst gut in den Griff bekommen haben, weil wir die richtigen Schlüsse gezogen haben. Wenn ich mich zu etwas bekenne, dann ist klar: Das ziehe ich auch voll durch. Mein Studium ist sehr intensiv, deshalb habe ich mit den Verantwortlichen hier gesprochen, dass ich in den Klausurphasen etwas kürzertreten muss.

Der TuS hatte vor der Saison das Ziel „oben mitspielen“ ausgegeben. Nach der Hinrunde steht Langerwehe auf Platz neun – da ist also noch Luft nach oben.

Salger: Die anfänglichen Probleme hingen auch damit zusammen, dass wir nicht die Kaderbreite und nicht die hohe Trainingsbeteiligung hatten, die wir uns gewünscht hätten. Im Laufe der Saison haben wir uns aber so entwickelt, dass wir kontinuierlich unsere Punkte eingefahren haben. Die Liga ist extrem eng. Wir haben nur sieben Punkte Rückstand auf den Dritten.

Der TSV Düren ist an der Spitze enteilt. Ist dieser Mannschaft der Aufstieg noch zu nehmen?

Salger: Gehen wir es mal mathematisch durch: Wenn die noch fünf Spiele gewinnen, sind sie mehr oder weniger durch. Sie hatten in der Hinrunde einen unglaublichen Lauf und haben sehr konstant gepunktet. Es würde mich schon sehr wundern, wenn da noch etwas passiert. Sie haben die Qualität, sind aber nicht die Übermannschaft, als die sie die Punkte erscheinen lassen.

Was muss beim TuS in der Rückrunde besser laufen?

Salger: Wir haben noch mal drei Jungs dazubekommen. Die Vorbereitung läuft gut, die Trainingsbeteiligung ist sehr hoch, die Einheiten sind gut. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg, wollen uns weiter festigen und an das anknüpfen, was wir am Ende der Hinrunde gezeigt haben. Wir haben mit einigen Spielern bereits verlängert, von denen wir überzeugt sind. Deshalb bin ich sicher, dass wir eine gute Rückrunde spielen können – und das dann mit in die neue Saison nehmen.

Dann auch über den Sommer hinaus mit Stephan Salger im Team?

Salger: Darüber haben wir konkret noch nicht gesprochen.

Können Sie es sich denn vorstellen?

Salger: Ausschließen will ich es nicht. Ein paar private Dinge müssen aber noch geklärt werden.

Der Nachbarverein 1. FC Düren hätte Sie als ehemaligen GFC-Jugendspieler sicherlich auch gerne im Kader. Hatten Sie Kontakt zum FCD?

Salger: Mit meinem Wechsel zum FC war das Thema damals erst mal durch. Danach gab es mal ein loses Gespräch. Bei den Dürenern war im vergangenen Sommer noch vieles sehr schwammig, was ihre Perspektive anging. Und man muss sagen: Mittelrheinliga ist vom Aufwand her noch mal etwas ganz anderes. Ich wusste nicht, was beruflich auf mich zukommt, und habe dieses Thema deshalb eher abgeblockt.

Als gebürtiger Dürener haben Sie den turbulenten Weg des FCD sicher verfolgt. Wie bewerten Sie die Entwicklung von außen?

Salger: Ich bekomme natürlich mit, dass lokale Vereine und Spieler eine Abneigung gegen dieses Konstrukt haben. Ich muss aber sagen: Aus meiner Sicht, ohne tiefe Wurzeln in diesen kleineren Vereinen zu haben, war das die einzige Möglichkeit, einen vernünftigen Fußballstandort in Düren aufzubauen. Du hattest in Niederau über Jahre eine super Jugendarbeit, aus der sich die NLZs in Köln und Leverkusen regelmäßig bedient haben. Und du hattest mit dem GFC und 99 Vereine, die Oberliga gespielt haben. Aus dieser Kombination einen großen Verein wie den 1. FC Düren zu formen, war für mich das einzig Sinnvolle.

Unter dem Strich ist das Projekt aber erst einmal krachend gescheitert.

Salger: Wie sie es dann im Detail gestaltet haben, dafür waren die damals handelnden Personen verantwortlich. Die grundsätzliche Intention dahinter fand ich aber für den Standort Düren absolut richtig.

Wird es in Düren noch einmal Profifußball geben?

Salger: Leider Gottes ist das auf diesem Niveau eine Frage des Geldes. Ich kann es mir nur sehr schwer vorstellen. Die Infrastruktur ist einfach nicht ausreichend. Man hat ja gesehen, welcher Aufwand nötig war, um das Stadion halbwegs regionalligatauglich zu machen – von Dritter Liga ganz zu schweigen. Das ist noch einmal ein riesiger Schritt.

Sie haben in Ihrer langen Profikarriere in deutlich größeren Stadien gespielt, vor allem in der 2. Liga. In der Bundesliga stehen „nur“ fünf Einsätze zu Buche. Warum sind es nicht mehr geworden?

Salger: Unter dem Strich kann ich rückblickend sagen, dass es von der Qualität her einfach nicht gereicht hat, um dauerhaft Bundesligaspieler zu sein. Ich hatte nicht dieses Top-Niveau, bei dem man sagen kann: „Der muss Bundesliga spielen.“ Vielleicht hätte ich in einer anderen Konstellation mitschwimmen können – etwa beim FC in einer gefestigten Bundesligamannschaft oder mit einem Aufstieg aus der 2. Liga. Bei mir war es aber so, dass ich meine ersten Spiele in Köln im Abstiegskampf gemacht habe. Rückblickend muss ich sagen: Ich war mental gar nicht bereit für diesen Abstiegskampf.

Dabei standen Sie damals im ersten Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern in der Startelf und durften 90 Minuten durchspielen.

Salger: Genau. Am zweiten Spieltag in Bremen habe ich dann aber gemerkt: Jetzt müssen wir langsam mal punkten, und Bremen war damals echt eine gute Mannschaft. Da wusste man auch, wie die Mechanismen im Fußball funktionieren: Es muss etwas Positives passieren, damit ich drinbleibe. Sonst bin ich das schwächste Glied, das aussortiert wird. Dieser Gedanke hat mich in meiner Leistung sehr eingeschränkt. Deshalb ist es im Nachhinein auch okay, dass es nur fünf Bundesligaspiele waren – insgesamt eigentlich acht, wenn man den DFB-Pokal dazuzählt. Ich habe dann über die 3. Liga meinen Weg gemacht und später in Bielefeld Wahnsinniges erlebt.

Mit der Arminia sind Sie dreimal aufgestiegen.

Salger: Der erste Aufstieg kam echt überraschend. Dann dieser bittere Abstieg über die Relegation in der 120. Minute – das hat wahnsinnig wehgetan. Danach der direkte Wiederaufstieg mit dem DFB-Pokal-Halbfinale, das war eine Wahnsinnssaison mit einer richtig guten Truppe. Dann hatten wir endlich mal eine ruhige Saison – ich meine, wir sind Zehnter geworden. Und am Ende hat es sogar noch einmal für den Aufstieg in die Bundesliga gereicht.

Beim FC haben Sie fast alle Jugendmannschaften durchlaufen, später noch einmal für die U23 gespielt. Wer ist Ihr Herzensverein – die Arminia oder der FC?

Salger: Der FC war natürlich mein Kindheitsverein. Ich schaue immer, was dort passiert. Aber die Verbindung nach Bielefeld ist noch mal einen Tick intensiver. Dort kenne ich gefühlt noch alle Mitarbeiter.

Welches Profispiel oder welcher Moment wird Ihnen ewig in Erinnerung bleiben?

Salger: Die Aufstiege waren immer sehr besonders. Der bittere Abstieg ist als Negativereignis natürlich extrem prägend gewesen. Ansonsten bleibt das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Wolfsburg in Erinnerung. Wir waren völlig chancenlos, es war relativ schnell entschieden. Aber das Stadion hatte eine ganz besondere Atmosphäre. Wir wurden ab der 60. Minute beim Stand von 0:3 minutenlang mit Standing Ovations gefeiert. Ich glaube, die Wolfsburger wussten gar nicht, was da los ist. Auch nach dem Spiel ging das noch lange weiter. Das war schon cool.

Konnten Sie solche Kulissen genießen oder war das eher zusätzlicher Druck?

Salger: Man blendet die Kulisse relativ schnell aus. In Negativphasen merkt man, wenn das Stadion unruhig wird. Genauso kannst du dich von der Euphorie pushen lassen. Grundsätzlich bin ich aber immer sehr bei mir geblieben und konnte gut damit umgehen.

Jetzt spielen Sie in der Bezirksliga vor vielleicht 100 Zuschauern. Vermissen Sie diese großen Kulissen nicht?

Salger: Ich würde mich natürlich freuen, wenn deutlich mehr Leute kommen würden. Dann müsste man sich auch nicht jeden blöden Kommentar von einigen Zuschauern so direkt anhören (lacht). In einem vollen Stadion geht so etwas in der Masse unter – das war immer sehr angenehm. Bisher vermisse ich die große Kulisse aber tatsächlich noch nicht richtig. Das wird sicher irgendwann kommen.

Zur Person:

Der gebürtige Dürener Stephan Salger wuchs in Mariaweiler auf und lebt inzwischen mit seiner Familie in Birgel. Der heute 35-Jährige ist Vater einer einjährigen Tochter.

Erste fußballerische Erfahrungen sammelte Salger im Trikot des GFC Düren 99. Als Zwölfjähriger wechselte der Abwehrspezialist zum großen Nachbarn 1. FC Köln und durchlief dort alle Jugendteams. Über die zweite Mannschaft schaffte er den Sprung in den Profikader und absolvierte in seiner Premierensaison fünf Bundesligapartien.

Zur Weiterentwicklung wurde der flexible Abwehrspieler an den VfL Osnabrück ausgeliehen, ehe er 2012 ablösefrei zu Arminia Bielefeld wechselte. Dort avancierte er zum Stammspieler, stieg mit der Arminia zweimal von der 3. Liga in die 2. Bundesliga auf und war Teil der Mannschaft, die 2020 den Sprung in die Bundesliga schaffte.

Im Anschluss wechselte Salger zum Drittligisten 1860 München. Zwei Jahre später kehrte er zu seinem Jugendclub zurück. Nach drei Spielzeiten mit der Kölner Reserve in der Regionalliga West beendete der Dürener im vergangenen Sommer seine Profilaufbahn und folgte dem Ruf seines Bruders Björn, der beim Bezirksligisten TuS Langerwehe als Sportdirektor die Fäden in der Hand hält. Als spielender Co-Trainer absolvierte Salger in der Hinserie zwölf Ligaspiele. (lb)

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