2026-04-10T07:15:08.667Z

Allgemeines

Aus der ALAD wird die ALIS: viel mehr als nur Antidoping

Neue „Agence Luxembourgeoise pour l’Intégrité dans le Sport“ wurde am 1.April der Öffentlichkeit vorgestellt

von Paul Krier · Heute, 11:55 Uhr · 0 Leser
ALIS-Direktor Loïc Hoscheit erklärte die neuen Zuständigkeitsbereiche der ALIS ausführlich
ALIS-Direktor Loïc Hoscheit erklärte die neuen Zuständigkeitsbereiche der ALIS ausführlich – Foto: paul@lsn.sarl

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Im Beisein von Sportministerin Hansen wurde Anfang April in der „Coque“ auf Kirchberg die ALIS vorgestellt, die Nachfolgeagentur der einstigen Antidopingbehörde ALAD. Die Kompetenzen der neuen Agentur wurden stark erweitert. Neben dem bislang bekannten Antidoping ist sie künftig ebenfalls für Safeguarding und Integrität im Sport zuständig.

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Sportministerin Martine Hansen war bei der ALIS-Vorstellung anwesend
Sportministerin Martine Hansen war bei der ALIS-Vorstellung anwesend – Foto: paul@lsn.sarl

Nach einer kurzen Ansprache von ALIS-Vizepräsidentin Marie-Paule Hoffmann trat Sportministerin Martine Hansen an das Rednerpult, um den Willen zu unterstreichen, einen Sport zu garantieren, der sicher und transparent sei. Sie betonte, dass die Anforderungen an die Integrität von Seiten internationaler Verbände immer größer würden. Weiter verwies sie auf die nationale Ethikkommission im Sport, die unabhängig von der neuen ALIS funktioniert.

Das Logo der ALIS
Das Logo der ALIS – Foto: paul@lsn.sarl

Antidoping

Den „plat de résistance“ präsentierte ALIS-Direktor Loïc Hoscheit. Der ehemalige Handballspieler verwies beim Antidoping mit Sorge auf die Enhanced Games, die Ende Mai zum ersten mal ausgetragen werden und stellte die Frage, welchen Einfluss diese auf den sauberen Sport und auf viele Sportler haben werden. Man müsse das Grundrecht verteidigen, dass Sportler dopingfreien Sport betreiben können.

Besonders aufmerksam wurden anwesende Fußballberichterstatter, als Hoscheit über die mittlerweile sehr wenn nicht sogar übergenauen Testmethoden sprach. Er erwähnte einen Fall, in dem nachgewiesen wurde, dass ein bestimmter Kunstrasen einen positiven Dopingbefund verursacht hatte. Gerne würden auf der Kehrseite solche Fälle von Sportlern als Ursachen für positive Dopingtests angeführt. „Die Antidoping-Arbeit ist und bleibt eine Kernmission der ALIS und ist und bleibt wichtig für die Zukunft eines sauberen und integren Sports“ hob der ALIS-Direktor während seiner Präsentation hervor.

Safeguarding

Die neuen Themen, die aus der ALAD die ALIS werden ließen, wurden detailliert erklärt. Ein Schlüsselpunkt ist das sog. Safeguarding, d.h. ein proaktiver Prozess, um Kinder und junge Leute vor Missbrauch, Ausnutzung und Mobbing zu schützen, in diesem Fall im Sport. Die Bandbreite ist umfassend. Es geht um physische und verbale Gewalt, die nicht mehr toleriert werden kann, aber auch z.B. um sexuelle Belästigung und Rassismus.

„Jede Form von Diskriminierung - Mobbing, Bullying, persönlich oder physisch, sei dies aufgrund einer sexuellen Orientierung, einfach des Geschlechts, eines Migrationshintergrunds oder einer anderen Hautfarbe - fällt unter den Bereich des Safeguarding“ erläuterte Loïc Hoscheit auf Nachfrage hin.

Erst 28,6 Prozent aller Sportverbände würden aktuell über Strukturen verfügen, über die man solche Probleme melden kann. Laut Hoscheit wäre diese Zahl bei Vereinen vermutlich noch viel niedriger. Das Ziel sei aber, dass man auf hundert Prozent komme. Um gemeldete Fälle aufzuarbeiten verfügt die ALIS über ein Netzwerk an Profis u.a. aus den Bereichen Medizin und Recht. Bei sehr schlimmen Fällen sieht man sich in der Pflicht, diese der Justiz zu melden.

Zahlreiche Verbandsvertreter waren der Einladung der ALIS gefolgt
Zahlreiche Verbandsvertreter waren der Einladung der ALIS gefolgt – Foto: paul@lsn.sarl

Wettkampfmanipulation

Ein weiteres schier unüberschaubares Thema ist das möglicher Wettkampfmanipulationen. Der ALIS-Direktor zitierte eine Zahl, die die UNO 2023 veröffentlichte und die dies verdeutlicht: der weltweite Umsatz von Sportwetten wird auf rund 1,7 Billionen US-Dollar geschätzt! Hoscheit verwies darauf, dass die „Loterie Nationale“ der einzige zugelassene Wettanbieter in Luxemburg sei. Z.T. illegale Wetten auf die BGL Ligue oder auf andere Luxemburger Sportwettbewerbe seien aber auf vielen anderen Webseiten im Großherzogtum frei zugänglich.

Bei vielen solcher Anbieter wisse man nicht ob und wenn, wo sie eine Lizenz als Wettanbieter hätten. Illegale Sportwetten würden auf internationaler Ebene auch für Geldwäsche missbraucht, die ALIS könne alarmieren, aber alleine nicht viel unternehmen. Wie schwer das Problem wiegt, lieferte der Verweis auf Interpol, wo es eine eigene Taskforce zum sog. „match fixing“, der Ergebnisabsprache, gibt. Es wurde von Sportverbänden berichtet, die von Wettanbietern aktiv angeworben wurden, um ihnen Daten zu verkaufen.

Tun di Bari (l.) und Nicolas Schockmel vertraten die FLF
Tun di Bari (l.) und Nicolas Schockmel vertraten die FLF – Foto: paul@lsn.sarl

Ab welchem Punkt eine Spielmanipulation beginnt wollte die FuPa-Redaktion von Hoscheit wissen. Dieser meinte auf eine entsprechende, konkrete Frage: „Falls sich herausstellen sollte, dass z.B. Spielabbrüche willkürlich herauf provoziert wurden, um der Integrität der betroffenen Partie und damit des Wettbewerbs zu schaden, dann verstößt dies selbstverständlich gegen alle Grundprinzipien von Ethik und Gerechtigkeit im Wettbewerb (…) Wenn man mit solchen Tricks beginnt, sind das vergleichsweise kleine Kompromittierungen der Ethik, aber so fängt es an. (…) Wenn man da genau hinschauen und herausfinden würde, dass dies mit Absicht passiert, dann verstößt das selbstverständlich gegen die Ethik.“

Präsentationsvideo der ALIS

Die Website der ALIS bietet neben zahlreichen Informationen Formulare, über die man auch anonym Verfehlungen melden kann, sei dies einen Dopingverdacht, Probleme im Safeguarding oder eventuelle Spielmanipulationen.