2026-06-03T09:07:03.210Z

Relegation

Aufstieg in die Oberliga! Wittlich im Freudentaumel

Im letzten Spiel der Relegationsrunde machte der Rheinlandliga-Vize gegen den Südwest-Zweiten Jahn Zeiskam mit einem 3:2 alles klar. VIDEOINTERVIEWS

von Andreas Arens · Heute, 14:30 Uhr · 0 Leser
Tor für Wittlich: Gerade hat Maximilian Uhlig das 2:1 für Rot-Weiss erzielt.
Tor für Wittlich: Gerade hat Maximilian Uhlig das 2:1 für Rot-Weiss erzielt. – Foto: Sebastian Schwarz

Nach dem Abpfiff gab es für die Rot-Weißen kein Halten mehr. Nach einer Saison mit Aufs und Abs, in der man zwischenzeitlich schon das große Ziel aus den Augen zu verlieren schien, steht der ersehnte Aufstieg in die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. Die starken Gäste von Jahn Zeiskam forderten den Säubrennern alles ab und gingen kurz vor der Pause sogar in Führung. Das bessere Ende hatte aber Rot-Weiss. Der eingewechselte Meliani Saim traf kurz vor Schluss zum entscheidenden 3:2 (87.)

Der Zuschauerandrang am Bürgerwehr war enorm und erinnerte an die ersten Spiele des SV Wittlich 1992 in der damals noch drittklassigen Oberliga Südwest. Es knisterte nur so vor Spannung, zumal der Regionalverband im Vorfeld noch für Unsicherheit gesorgt hatte: Nach Annahme von Rot-Weiss hätte ein Remis bis einschließlich zum 4:4 für den Aufstieg gereicht – sowohl Wittlich als auch Zeiskam hatten ihre vorherige Partie gegen den FSV Jägersburg mit 5:0 gewonnen. Die Säubrenner hatten auswärts gewonnen und wähnten sich aufgrund der vor der Aufstiegsrunde verschickten Regularien im Vorteil. Darin hieß es, dass bei Punkt- und Torgleichheit die auswärts erzielten Treffer im Direktvergleich doppelt zählen. Lothar Renz, der Spielleiter des Verbands, relativierte aber in einer Mail an den TV am Sonntagmorgen, dass sich der „Direktvergleich“ nur auf die beiden infrage kommenden Mannschaften beziehen könne und demnach Zeiskam bei einem Unentschieden mit Toren aufsteigen würde. Wittlichs sportlicher Leiter Salvatore Augello kündigte auf FuPa-Anfrage an, im Fall eines Remis den Klageweg zu beschreiten.

Mohammad Rashidi, Torschütze für RW Wittlich

Mit dem Wirrwarr kam Zeiskam ganz offensichtlich zunächst besser zurecht. Immer wieder gelangen den von rund 150 Fans unterstützten Südpfälzern gefährliche Umschaltaktionen. Schon nach fünf Minuten war die Wittlicher Abwehr ausgehebelt, aber Gabriel Harig klärte im letzten Moment gegen den pfeilschnellen Marvin Benefo (5.). Auch nach Standards war Zeiskam einem Treffer nahe – wie Aaron Danke Garcia, der nach einer Ecke knapp vorbeiköpfte (22.).

Maximilian Uhlig, Torschütze für RW Wittlich

Wittlich kam nur mühsam ins Spiel. Wenn sich Mohammad Ra­shidi mal über links gegen Benefo durchsetzen konnte, brannte es aber im Strafraum des TB Jahn: So köpfte Christopher Bibaku in der 25. Minute nur um Zentimeter vorbei. Die Gäste agierten ballsicherer, spritziger und zwingender. Erst Ende des ersten Durchgangs wurde es erneut gefährlich im Strafraum der Zeiskamer: Rashidi setzte sich gut durch, Alex Klein kam am langen Pfosten aber nicht mehr an den Ball (42.).

Der Liveticker zum Nachlesen

Die verdiente Führung gelang dem Vizemeister der Verbandsliga Südwest fünf Minuten vor der Pause: Einen Pass in die Tiefe von Jean-Rene Aghajanyan schob Florian Simon über die Linie. Doch die Antwort der Hausherren folgte postwendend: Nach einem zunächst geblockten Freistoß von Gabriel Harig traf Ra­shidi ins rechte untere Eck (45.+2).

Yusuf Emre Kasal, Trainer von RW Wittlich

Ähnlich wie im ersten Durchgang startete Zeiskam auch in die zweite Hälfte besser und wirkte leichtfüßiger. Nach knapp einer Stunde ging aber Rot-Weiss in Führung. Nach Flanke von Rashidi hielt Maximilian Uhlig in der Mitte den Fuß hin und traf ins lange Eck (59.).

Philipp Berhard, Torwart von RW Wittlich

Zeiskam versuchte alles, hatte durch Jannis Fetzner eine große Chance, doch Philipp Berhard im Tor der Gastgeber klärte bravourös im Eins-gegen-eins (76.). Wittlich boten sich zunehmend Kontersituationen, doch zu viel Hektik verhinderte erfolgreiche Abschlüsse. Marcel Meinzer ließ Zeiskam im Anschluss an einen zu kurz abgewehrten Freistoß wieder jubeln (82.). Wittlich warf alles nach vorne – und dem eingewechselten Meliani Saim gelang nach Querpass von Ralf Rizvani das 3:2 (87.). Mit allem, was sie hatten, brachten die Wittlicher den Vorsprung über die Zeit.

Meliani Saim, Torschütze für RW Wittlich

Große Freude herrschte hinterher nicht nur bei Rot-Weiss, sondern sicher auch bei Spielleiter Lothar Renz, dessen mangelnde Kommunikation fast noch ein juristisches Nachspiel gehabt hätte. Für Yusuf Emre Kasal, seit Anfang des Jahres Trainer der Wittlicher, war es ein sehr emotionaler Erfolg – nach dem Tod seines Vaters und dem Neustart an der Lieser. „Die Spieler haben mich alle dabei unterstützt. Ich habe nur versucht, ihnen etwas zurückzugeben. Dass uns das gelungen ist, darüber bin ich extrem glücklich.“

Gabriel Harig, Verteidiger von RW Wittlich

SV Rot-Weiss Wittlich – TB Jahn Zeiskam 3:2 (1:1)

SV Rot-Weiss Wittlich: Philipp Berhard - Gabriel Harig, Ayman Habbouchi, Alexander Klein, Anton Moroz, Ömer Kahyaoglu (90. Julian Schmitz), Ralf Rizvani (88. Mounir Bouziane), Timo Wollny, Mohammad Rashidi (88. Lennart Poth), Maximilian Uhlig (77. Meliani Saim), Christopher Bibaku.
TB Jahn Zeiskam: Milan Cedryc Gebhardt - Marvin Benefo, Aaron Denk Gracia, Joe-Luca Fuhr, Nico Kruppenbacher (71. Nico Nagel), Leon Ohlinger (87. Martin Musulin), Florian Simon, Josip Saravanja (87. Nikola Jakovljevic), Jean-René Aghajanyan (62. Marcel Meinzer), Jonas Schäfer, Jannis Fetzner.
Schiedsrichter: Sahin Dündar (Bexbach) – Zuschauer: 2000
Tore: 0:1 Florian Simon (42.), 1:1 Mohammad Rashidi (45.+2), 2:1 Maximilian Uhlig (59.), 2:2 Marcel Meinzer (82.), 3:2 Meliani Saim (87.)