Mit Hans Wiesenbacher verliert der ASV Neustadt einen Mann, für den der Fußballplatz quasi das zweite Zuhause darstellte.
Mit Hans Wiesenbacher verliert der ASV Neustadt einen Mann, für den der Fußballplatz quasi das zweite Zuhause darstellte. – Foto: ASV Neustadt - Vorstandschaft

ASV-Urgestein Hans Wiesenbacher verstorben

Der ASV Neustadt/WN trauert um einen Mann, der sich mehrere Jahrzehnte für seinen Verein leidenschaftlich engagierte.

Hans Wiesenbacher lebt nicht mehr. Mit großer Bestürzung hat die Fußballerfamilie des ASV Neustadt davon Kenntnis erhalten, dass ihr Urgestein im Alter von 70 Jahren verstorben ist. Mit „Wiese“, wie er in Fußballerkreisen genannt wurde, verliert der Verein vom Neustädter Felixberg eine Institution, die über 60 Jahre lang mit großem, unbezahlbarem Engagement in vielen Positionen tätig war. Der Gedanke, Hans Wiesenbacher nicht mehr auf dem ASV-Fußballplatz anzutreffen, so schreibt der ASV auf seiner Homepage, sei für alle ASVler unvorstellbar und mache unendlich traurig.
„Ohne den Wiese läuft gar nichts“, so war immer wieder aus dem Munde der Mitglieder des Neustädter Traditionsvereins zu hören. In der Tat war der Verstorbene - seit 1. Juni 1959 Mitglied des ASV - Jahrzehnte lang quasi "Mädchen für alles“ und hielt seinem Verein, trotz einer rasanten sportlichen Talfahrt, stets die Treue. Ja, er hielt die Fußballabteilung sogar am Leben.

Seine Fußballerkarriere startete „Wiese“ in der Schülermannschaft der Felixelf, wo er mit bekannten Namen wie Helmut Stelzer oder Albert Bulligan zusammen spielte, die ebenfalls beim ASV unvergessen sind. Es folgte das Aufrücken in die Jugendmannschaft, danach verstärkte er die Reserve der Bezirksligamannschaft. Im Jahre 1972 unternahm Wiesenbacher die ersten Schritte als Trainer, stellte er sich doch als Nachwuchstrainer zur Verfügung. 1975 übernahm er die Schüler, dann die C-Jugend, später auch die D-, B- und A-Jugend. Die Arbeit mit Heranwachsenden machte ihm immer Spaß. So brachte „der Hans“ vielen Kindern das Fußballer-Einmaleins bei, zeigte und übte mit ihnen, wie man den Ball stoppt, eine Flanke schlägt oder zu einem Kopfball ansetzt. So war es nicht verwunderlich, dass viele Jahre ein Großteil der Aktiven, die in der ersten Mannschaft kickten, durch seine Hände gegangen waren.

Ausgelastet schien der Verstorbene nie zu sein. So übte er viele viele Jahre zusätzlich das Amt des Platzwarts aus. Fritz Franke hatte ihn damals angelernt, erinnerte er sich einmal an seine Anfänge zurück. Irgendwann war dann der zeitaufwendige Posten schließlich an ihm hängengeblieben. Doch das störte Wiesenbacher nicht, der nicht selten sieben Tage in der Woche auf dem ASV-Gelände anzutreffen war. Er sorgte mit Leidenschaft dafür, dass die Anlage mitten im Felixwald stets gut Schuss war. Rasenpflege, mähen und im Sommer häufig bewässern, Löcher auffüllen, das große Areal sauber halten, auch das Reinigen der Duschen und Umkleideräume gehörten zu seinem Aufgabenbereich. "Ohne solche Leute könnte ein Verein nicht existieren", würdigte ASV-Vorsitzender Juan Vilas nicht nur einmal das große Engagement von Hans Wiesenbacher.

Sollten diese viel Zeit beanspruchenden Tätigkeiten nicht schon ausreichen? Keineswegs, Wiesenbacher war viele Jahre auch noch Ballwart und für die Trikotwäsche verantwortlich. Woche für Woche reinigte er die Hemden, Hosen und Stutzen der ersten Mannschaft, der damals noch existierenden Damen-Bezirksligaelf und der ASV-Jugendteams. Sorgfältig legte er die Trikots zusammen, verstaute sie ordentlich in die Koffer oder Schränke, damit beim nächsten Spiel alles am richtigen Platz war. Ja, wenn es sein musste, griff er sogar auch zu Nadel und Faden. Wiesenbacher war nahezu jeden Tag drei bis fünf Stunden auf dem Sportplatz anzutreffen. Und wenn am Wochenende Spielbetrieb herrschte, dann auch noch länger. Dann wurden die Linien gezogen, die Tornetze hergerichtet und die Bälle aufgepumpt.

Natürlich übernahm Hans Wiesenbacher auch Führungspositionen bei seinem Verein des Herzens. So wirkte er als 2. Vorstand des Gesamtvereins, als Fußballabteilungsleiter und zuletzt als Ausschussmitglied. Ein wenig wehmütig stellte er nach sechzig Jahren Mitgliedschaft und 40 Jahren aktiver Arbeit Ende 2019 sein Amt als Fußballboss zur Verfügung, weil er aufgrund des Stillstands im Jugendbereich eine fehlende Perspektive festgestellt hatte. Bis zuletzt freute er sich ganz besonders darüber, wenn ehemalige Jugendspieler von anderen Vereinen zurück zum ASV fanden.

Für seine Verdienste und außerordentlichen Leistungen um den Fußballsport wurden Hans Wiesenbacher auch mehrere Auszeichnungen zu Teil. So ehrten ihn die Stadt Neustadt an der Waldnaab und der Bayerische Landessportverband, von dem er die nur selten verliehene Verdienstnadel in Gold mit großem Kreuz erhielt. Und der Bayerische Fußballverband zeichnete ihn mit Verbandsehrenmedaille in Silber aus.

„Wir sind alle schockiert und zutiefst betroffen“, schreibt der ASV Neustadt in einem Nachruf auf einen Mann, der tiefe Spuren hinterlässt und dessen überwältigendes Engagement für seinen Verein in Worten gar nicht genügend gewürdigt werden kann. „Wiese“ wird ohne Zweifel fehlen, nicht nur beim ASV, sondern auch bei den vielen, die ihn schätzten und für die er wegen seiner Leidenschaft für den Fußball im Allgemeinen und dem ASV im Besonderen ein Vorbild darstellte.
1260 Aufrufe1.2.2021, 11:20 Uhr
Werner SchaupertAutor

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