Das BFV-Nachwuchsleistungszentrum des ASV Cham spricht sich gegen eine Fortführung der Saison im Jugendbereich aus.
Das BFV-Nachwuchsleistungszentrum des ASV Cham spricht sich gegen eine Fortführung der Saison im Jugendbereich aus. – Foto: Groitl

NLZ Cham ist gegen eine Saisonfortführung im Jugendbereich

Wechselphase und Jahrgangsstufenübergang essenziell +++ Konsens aller BFV-NLZs angestrebt

Im Herrenbereich wurde bereits für eine Fortsetzung der aktuellen Saison nach der Corona-Pause gestimmt. Im Jugendbereich steht der Bayerische Fußball-Verband (BFV) aktuell noch im Sondierungsprozess. Zur Unterstützung der handelnden Entscheidungsträger hat sich das BFV-Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des ASV Cham klar positioniert und versucht nun einen bayernweiten Grundkonsens aller BFV-NLZs zu initiieren.

Während bereits in anderen Sportarten wie Handball, Basketball und Volleyball eine Entscheidung über die Wertung der aktuellen Jugendsaison aufgrund der Corona-Pause getroffen wurde, steckt der Bayerische Fußball-Verband (BFV) aufgrund der komplexen Situation im Jugendbereich sowie des diversen Meinungsbilds aktuell noch in Beratungen. Aus diesem Grund hat sich das BFV-NLZ Cham um NLZ-Leiter Gerhard Peintinger und Koordinator Andreas Klebl entschlossen den Bayerischen Fußball-Verband bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen und versucht mit den anderen BFV-NLZs einen gemeinschaftlichen Vorschlag zur Fortsetzung des Spieltriebs im Jugendbereich zu finden. „Es wird keine für alle Parteien optimale Musterlösung geben und jede Position wird Abstriche machen müssen“, stellt Chams NLZ-Leiter Gerhard Peintinger klar.

Die BFV-NLZs sind Amateurvereine am Übergang zwischen Basis- und Spitzenförderung im Jugendbereich. „Deshalb können wir die Interessen sowohl des Amateur- als auch des Profifußballs nachvollziehen und wollen eine Brücke zwischen beiden Lagern schlagen“, begründet Peintinger die Initiative der Chamer. Dabei entwarfen die ASV-Verantwortlichen aufbauend auf die vergangene Videokonferenz der Verbandsligisten ein stringentes Konzept, in welchem die Faktoren „Planbarkeit“ und „Gerechtigkeit“ als Entscheidungsgrundlage zur Fortsetzung des Spielbetriebs die oberste Priorität einnehmen. Der Planbarkeits- und Gerechtigkeitsaspekt hat sowohl im Profibereich als auch im gesamten bayerischen Jugendbereich eine hohe Bedeutung und kann in beiden Lagern Anwendung finden.

Planungssicherheit in den Bereichen, wo eine Planbarkeit möglich ist

Eine Saisonfortführung ist in unseren Augen sportlich nur fair, wenn diese mit derselben Altersklasse und demselben Kader zu Ende gespielt wird. Dies ist im Jugendbereich jedoch nahezu unmöglich“, erklärt der Koordinator des Chamer BFV-NLZ Andreas Klebl. U19-Spieler, die bereits im Herrenbereich einen Amateurvertrag unterschrieben haben, stehen ab Juli nicht mehr zur Verfügung. Ebenso etwaige Trainerbesetzungen. „Hier sticht Arbeitsrecht das Sportrecht“, so Klebl. Zudem wechseln einige Spieler aus dem BFV-NLZ Cham zu Profivereinen, denen man die Chance nicht verbauen möchte. Auch Kaderfluktuationen aufgrund von schulischen Veränderungen, Studien- oder Berufsbeginn seien kaum aufzuhalten und machen eine faire Wettbewerbsfortsetzung unmöglich. Schließlich macht die Ungewissheit des Wiederbeginns den ASV-Verantwortlichen Sorgen. „Im Worst Case dauert es bis April oder Mai 2021, bis beispielsweise der Jahrgang 2006 die aktuelle U14-Saison fertigspielen kann. Im August 2021 wird der Jahrgang 2006 laut BFV-Jugendordnung der U16 zugeordnet. Somit würden diese Spieler mit der U15-Bayernliga eine der wichtigsten Entwicklungsstufen überspringen“, stellt der A-Lizenzinhaber heraus. Aus diesen Gründen plädieren die ASV-Verantwortlichen zur vernünftigen und seriösen Planung der kommenden Saison für eine reguläre Durchführung der passrechtlichen Wechselphase vom 1. Juni bis 15. Juli 2020 und einen geordneten Übergang der Jahrgänge in die nächsthöhere Altersklasse zum 1. August 2020. „Alle Vereine wollten Planungssicherheit in den Bereichen, wo derzeit eine Planbarkeit möglich ist“, lautet das Credo der ASV-Funktionäre.

Gerechtigkeit bedeutet, dass keiner benachteiligt werden darf

Natürlich haben die Chamer auch ein Konzept ausgearbeitet, wie sie sich die Wertung der aktuellen Saison vorstellen. Jedoch merkt Klebl an: „Das ‚Wie‘ ist in unseren Augen sekundär. Hier gibt es verschiedenen denkbare Modelle mit Vor- und Nachteilen. Unser Ausgangspunkt ist das ‚Was‘.“ Für ein höchstes Maß an Gerechtigkeit sei wichtig, dass die bisher erbrachte Leistung im Aufstiegsfall gewertet, aber auch die Chance auf den Ligaerhalt im Abstiegskampf gewährleistet werden muss. „Es wäre unfair eine Mannschaft absteigen zu lassen und ihr somit die Chance auf den Klassenerhalt zu entreißen, obwohl teilweise noch nicht einmal die Hälfte der Saison gespielt wurde“, bezieht Peintinger klar Stellung. Aus diesem Grund spricht sich das BFV-NLZ Cham für eine Quotientenwertung der aktuellen Saison – wie im Handball bereits angewendet – mit einem Aufsteiger und keinem Absteiger aus. Mit der Quotientenwertung wird die Tabellenplatzierung aus den bisher erbrachten Leistungen gebildet, indem die erreichten Punkte durch die Anzahl der Spiele geteilt werden. „Gerechtigkeit bedeutet für uns, dass niemand generell benachteiligt werden darf, wohlwissend, dass es auch Härtefälle geben wird“, verdeutlicht Klebl. NLZ-Leiter Peintinger fügt hinzu: „Dieses Konzept wäre ohne Weiteres auch für den Seniorenbereich übertragbar.

Gesamtkonsens aller BFV-NLZs in Bayern initiiert

Um ein möglichst allgemeines und flächendeckendes Gesamtbild zu bekommen, haben sich Peintinger und Klebl in der letzten Woche mit allen weiteren 17 bayerischen Nachwuchsleistungszentren kurzgeschlossen. Obwohl bisher die Stellungnahme von zwei BFV-NLZs noch aussteht, war der Grundkonsens bei den übrigen 15 Vereinen einstimmig. Ausnahmslos alle NLZ-Vertreter haben sich für den Punkt Planbarkeit samt einer regulären Durchführung der Wechselphase sowie für einen geordneten Altersklassenübergang ausgesprochen. Auch die gerechte Wertung der aktuellen Saison nach dem Quotientenmodell mit einem Aufsteiger und keinem Abstieg befürwortete die überwältigende Mehrheit aller BFV-NLZs. Im nächsten Schritt wird der erzielte Grundkonsens aller bayerischen Nachwuchsleistungszentren beim Verband eingereicht, den man durch dieses bayernweit einhellige Meinungsbild bei seiner Entscheidungsfindung unterstützen will.

Aufrufe: 01.5.2020, 10:54 Uhr
cavAutor

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