Alle Kids immer am Ball: Funino soll den Fußball bei den ganz Kleinen altersgerechter machen - viele Vereinsverantwortliche sind noch nicht ganz überzeugt.
Alle Kids immer am Ball: Funino soll den Fußball bei den ganz Kleinen altersgerechter machen - viele Vereinsverantwortliche sind noch nicht ganz überzeugt. – Foto: Hoefle

Funino-Pflicht im Kinderfußball: Umstrittene Reform - „Wie soll ich das den Eltern verkaufen?“

Umfrage zur Umstellung im Kleinfeld

Zwei Tore, ein Spielfeld: Das soll bei den kleinsten bald Geschichte sein. Der DFB will den Kinderfußball radikal reformieren. Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Franziska Raabs-Gast Jugendleiterin beim TSV Grasbrunn „Wir werden die Reform in Grasbrunn umsetzen müssen, aber ich weiß noch nicht, wie ich das den Trainern und Eltern verkaufen soll. Funino eignet sich hervorragend als Trainingsform. Aber als wöchentlicher Punktspielmodus? Da habe ich Zweifel, ob das funktionieren wird. Wenn ich eine Trainingsgruppe mit 20 Kindern habe und zu einem Funino-Turnier fahre, dann brauche ich ja fünf Leute um alle Mannschaften zu betreuen. Und solche Turniere sind auch bei Trainern nicht jedermanns Sache; da werden die jugendlichen Helfer aus der A- und B-Jugend eher nicht Schlange stehen. Ein Problem ist auch der harte Schnitt, wenn es dann in die D-Jugend aufs Großfeld geht. Ich fürchte, da hat bei der Reform leider niemand dran gedacht.“
Franziska Raabs-Gast Jugendleiterin beim TSV Grasbrunn „Wir werden die Reform in Grasbrunn umsetzen müssen, aber ich weiß noch nicht, wie ich das den Trainern und Eltern verkaufen soll. Funino eignet sich hervorragend als Trainingsform. Aber als wöchentlicher Punktspielmodus? Da habe ich Zweifel, ob das funktionieren wird. Wenn ich eine Trainingsgruppe mit 20 Kindern habe und zu einem Funino-Turnier fahre, dann brauche ich ja fünf Leute um alle Mannschaften zu betreuen. Und solche Turniere sind auch bei Trainern nicht jedermanns Sache; da werden die jugendlichen Helfer aus der A- und B-Jugend eher nicht Schlange stehen. Ein Problem ist auch der harte Schnitt, wenn es dann in die D-Jugend aufs Großfeld geht. Ich fürchte, da hat bei der Reform leider niemand dran gedacht.“ – Foto: TSV Grasbrunn

Dariusch Bensinger Jugendleiter beim FC Unterföhring „Wir spielen in der G- und F-Jugend bereits Funino, daher bedeuten die Reformen keine große Umstellung für uns. Ich finde, dass die neuen Spielformen altersgerechter sind, weil die Kinder dadurch mehr Ballkontakte und mehr Einsatzzeit bekommen. Generell ist es wichtig, dass der ganze Verein und die Trainer dahinter stehen, denn sie müssen das vorleben. Ein Thema ist sicher der Teamzusammenhalt, der natürlich schwieriger aufrecht zu erhalten ist, wenn man viele kleine Mannschaften hat. Wenn wir zum Beispiel mit 15 Kindern für fünf Teams zu einem Turnier fahren, dann achten wir darauf, dass wir dort trotzdem immer wieder alle zusammenkommen. Außerdem kann man den Teamzusammenhalt auch durch Events neben dem Fußball stärken.“ ps/Fotos: Archiv
Dariusch Bensinger Jugendleiter beim FC Unterföhring „Wir spielen in der G- und F-Jugend bereits Funino, daher bedeuten die Reformen keine große Umstellung für uns. Ich finde, dass die neuen Spielformen altersgerechter sind, weil die Kinder dadurch mehr Ballkontakte und mehr Einsatzzeit bekommen. Generell ist es wichtig, dass der ganze Verein und die Trainer dahinter stehen, denn sie müssen das vorleben. Ein Thema ist sicher der Teamzusammenhalt, der natürlich schwieriger aufrecht zu erhalten ist, wenn man viele kleine Mannschaften hat. Wenn wir zum Beispiel mit 15 Kindern für fünf Teams zu einem Turnier fahren, dann achten wir darauf, dass wir dort trotzdem immer wieder alle zusammenkommen. Außerdem kann man den Teamzusammenhalt auch durch Events neben dem Fußball stärken.“ ps/Fotos: Archiv – Foto: FC Unterföhring

Dominik Achilles Jugendleiter beim Kirchheimer SC „Bei uns im Verein werden die Reformen im Kinderfußball keine allzu großen Umstellungen bedeuten, weil wir vieles davon schon praktizieren. Nur unsere F1-Mannschaft nimmt noch am regulären Ligabetrieb teil, ansonsten haben wir die jungen Jahrgänge auf Funino umgestellt. Für uns erscheint es plausibel, dass die Kinder dadurch in allen Bereichen besser gefördert werden als beim Sieben-gegen-Sieben. Sie haben mehr Ballkontakte, sie gewinnen öfter, und jeder im Team schießt Tore – nicht nur die ein oder zwei Besten. Gerade diese Erfolgserlebnisse sind für Kinder wichtig. Wir fangen dann in der E-Jugend an, auf größere Tore zu spielen – und das wollen die Kinder auch. Aber vorher sind die Spielformen auf Minitore meiner Meinung nach sinnvoller.“
Dominik Achilles Jugendleiter beim Kirchheimer SC „Bei uns im Verein werden die Reformen im Kinderfußball keine allzu großen Umstellungen bedeuten, weil wir vieles davon schon praktizieren. Nur unsere F1-Mannschaft nimmt noch am regulären Ligabetrieb teil, ansonsten haben wir die jungen Jahrgänge auf Funino umgestellt. Für uns erscheint es plausibel, dass die Kinder dadurch in allen Bereichen besser gefördert werden als beim Sieben-gegen-Sieben. Sie haben mehr Ballkontakte, sie gewinnen öfter, und jeder im Team schießt Tore – nicht nur die ein oder zwei Besten. Gerade diese Erfolgserlebnisse sind für Kinder wichtig. Wir fangen dann in der E-Jugend an, auf größere Tore zu spielen – und das wollen die Kinder auch. Aber vorher sind die Spielformen auf Minitore meiner Meinung nach sinnvoller.“ – Foto: Kirchheimer SC

Thomas Englert Kleinfeld-Koordinator beim TSV Feldkirchen „Wir haben die neuen Spielformen in Feldkirchen noch nicht groß ausprobiert. Prinzipiell sind wir aber offen für Neuerungen. Wenn ich zum Beispiel zurückdenke, wie ich selbst noch Kleinfeld gespielt habe, dann war das auf einem halben Großfeld und mit Abseits – das wäre heute undenkbar. Die Reform, die der DFB jetzt beschließen wird, ist für den Kinderfußball ein Riesenumbruch. Gerade für etwas schlechtere Spieler bringt es sicher Vorteile mit sich, weil sie öfter den Ball kriegen. Zugleich werden aber auch einige Dinge verloren gehen. Ein großer Nachteil ist sicher die Ausbildung der Torhüter. Und ich befürchte, dass auch das Mannschaftsgefüge und der Zusammenhalt etwas verloren gehen, wenn es keine festen Teams mehr gibt.“
Thomas Englert Kleinfeld-Koordinator beim TSV Feldkirchen „Wir haben die neuen Spielformen in Feldkirchen noch nicht groß ausprobiert. Prinzipiell sind wir aber offen für Neuerungen. Wenn ich zum Beispiel zurückdenke, wie ich selbst noch Kleinfeld gespielt habe, dann war das auf einem halben Großfeld und mit Abseits – das wäre heute undenkbar. Die Reform, die der DFB jetzt beschließen wird, ist für den Kinderfußball ein Riesenumbruch. Gerade für etwas schlechtere Spieler bringt es sicher Vorteile mit sich, weil sie öfter den Ball kriegen. Zugleich werden aber auch einige Dinge verloren gehen. Ein großer Nachteil ist sicher die Ausbildung der Torhüter. Und ich befürchte, dass auch das Mannschaftsgefüge und der Zusammenhalt etwas verloren gehen, wenn es keine festen Teams mehr gibt.“ – Foto: TSV Feldkirchen

Aufrufe: 010.3.2022, 09:38 Uhr
Patrik StäblerAutor