Schiedsrichter Björn Taube im Einsatz in einem U19-Bezirksligaspiel
Schiedsrichter Björn Taube im Einsatz in einem U19-Bezirksligaspiel – Foto: Negüzel

Björn Taube verweist auch mal den eigenen Bruder aus dem Innenraum

Der 31 Jahre alte Referee spricht im Interview über sein größtes Spiel, den lustigsten Spruch und den VAR im Profibereich.

FuPa startet im Ruhrgebiet eine Interview-Serie mit unseren Männern an der Pfeife, denn verrückte Typen und bekannte Gesichter gibt es in den Kreisen natürlich auch unter den Schiedsrichtern. Diesmal erklärt Björn Taube, warum er Schiedsrichter wurde, was ihn am Amateurfußball nervt oder wer seiner Meinung nach der beste Schiedsrichter der Welt ist.

Wieso bist du Schiedsrichter geworden? Ich habe bereits zu meiner aktiven Zeit als Spieler oft Spiele geleitet, bei denen der angesetzte Schiedsrichter nicht erschienen ist. Die Trainer waren zufrieden mit meinen Leistungen – also habe ich mich entschlossen, Schiedsrichter zu werden. Was war das beste und größte Spiel, das du bisher gepfiffen hast? 2018 war ich als Schiedsrichter-Assistent beim Kreispokalfinale zwischen dem SV Wanne 11 und Westfalia Herne mit dabei. Es waren 1300 Zuschauer vor Ort, die Stimmung überragend. Ich hatte wirklich Gänsehaut. Auch das Spiel hat vieles geboten: drei Platzverweise und eine Entscheidung erst in der Verlängerung. Dieses Spiel war für mich ein echtes Highlight. Das Spiel wurde von FuPa gefilmt.
Im besagten Kreispokalfinale stand Björn Taube (re.) an der Linie
Im besagten Kreispokalfinale stand Björn Taube (re.) an der Linie – Foto: Negüzel
Bereitest du dich auf die Spiele in irgendeiner Weise vor? Schaut man im Vorfeld, ob Spieler in dieser Saison einen Platzverweis erhalten haben? Definitiv. Ich schaue mir die Tabellensituation an und werfe auch einen Blick in die Fairnesstabelle. Vor jedem Spiel spreche ich kurz mit den Trainern. Vor dem Anpfiff, in der Kabine, höre ich Musik und bereite mich vor. Erinnerst du dich an ein besonders kurioses Ereignis oder an eine spezielle Fair-Play-Aktion? Ich habe einst bei einem C-Jugend-Spiel meinen eigenen Bruder, der als Trainer aktiv war, aus dem Innenraum verweisen müssen. Hattest du schon mal Angst auf dem Platz? Nein, Gott sei Dank. Ich bin gerne auf dem Platz. Natürlich ist man stets ein bisschen angespannt – und hofft, dass das Spiel ruhig über die Bühne geht.

Was nervt dich als Schiedsrichter auf oder neben dem Platz am meisten? Fehlende Wertschätzung und fehlender Respekt. Wir, also alle Beteiligten, sollten uns immer auf Augenhöhe begegnen, mit Respekt und Höflichkeit. Der Ton macht die Musik. Werden Schiedsrichter im Amateurfußball angemessen entlohnt? Ich persönlich finde die Bezahlung in Ordnung. Es ist schwer, darüber endgültig zu urteilen, besonders in den unteren Klassen. Die Vereine müssen schließlich auch überleben, obwohl die Zuschauerzahlen nicht sehr hoch sind. Der beste Spruch, der an dich gerichtet wurde, bei dem du selbst lachen musstest? „Hey Schiri, du läufst mehr als unser Mittelfeld. Möchtest du in der nächsten Woche mal zum Training kommen?“ Wie bewertest du den VAR im Profibereich? Auf der einen Seite werden natürlich richtige Entscheidungen getroffen – und das zählt. Auf der anderen Seite leiden die Emotionen besonders im Stadion darunter. Ich kann Befürworter und Gegner gleichermaßen verstehen. Welche Regel würdest du ändern? Keine – obwohl die Handspielregel in ihrer aktuellen Auslegung schwierig zu vermitteln ist und deshalb oft für Diskussionen sorgt. Wer ist oder war der beste Schiedsrichter der Welt? Ich finde, Deniz Aytekin ist ein toller Schiedsrichter. Er hat eine starke, sympathische Persönlichkeit und sucht in vielen Szenen das direkte Gespräch mit den Spielern.
342 Aufrufe26.3.2021, 07:51 Uhr
redAutor

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