
MAINZ. Die 73. Spielminute im Fußball-Bundesliga-Spiel zwischen Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg am 28. Spieltag: Dante verliert gegen Chicharito fair den Ball und bleibt verletzt am Boden liegen. Leverkusen spielt weiter und erzielt daraufhin das vorentscheidende 2:0. Das Tor zieht wütende Proteste der Wolfsburger nach sich, die der Meinung sind, Leverkusen hätte den Ball unbedingt ins Seitenaus spielen müssen, um eine Behandlung Dantes zu ermöglichen. Die einen geben den Wolfsburgern Recht, andere wiederum können die Entscheidung der Leverkusener Spieler nachvollziehen. Doch wie beurteilen Vereine aus den Mainzer Amateurligen solche Situationen?
Für Wolfgang Görlich, Trainer des Bezirksligisten TSV Zornheim, steht fest: ,,Fair-Play wird bei uns großgeschrieben, schließlich sind wir im Amateurbereich. Da gehört es sich einfach so, dass der Ball in einer solchen Szene ins Aus gespielt wird. Auch wenn es gerade um die Meisterschaft oder gegen den Abstieg geht." Die Sorge, dass dies von Vereinen genutzt wird, um Zeit zu schinden, hat Görlich kaum. ,,Ich gehe davon aus, dass das keiner tut in unseren Klassen. Sonst dürfte man ja gar nichts mehr glauben."
Leverkusens Entscheidung, den Ball nicht ins Aus zu spielen, kann Görlich trotzdem etwas verstehen: ,,In der Bundesliga geht es schließlich um Millionen und auch um Arbeitsplätze. Da kann ich es zumindest nachvollziehen, dass alle Mittel ausgeschöpft werden und der Fair-Play-Gedanke mal auf der Strecke bleibt."
Nicht immer einfachAnders als sein Trainerkollege, hat Bert Balte vom Landesligisten SVW Mainz durchaus den Eindruck, dass das Liegenbleiben nach einem Zweikampf auch als taktisches Mittel missbraucht wird, um Zeit zu schinden oder einen Konter zu unterbinden. ,,Ob man den Ball ins Aus spielt oder nicht, muss glaube ich von Situation zu Situation entschieden werden."
Besonders wenn es um Meisterschaften oder Auf- und Abstiege geht, sei dies aber nicht immer einfach. ,,Das ist ein zweischneidiges Schwert und da kann auch der Zeitpunkt des Spiels eine Rolle spielen", meint Balte. Und im Zweifelsfall sei schließlich der Schiedsrichter da, um das Spiel zu unterbrechen.
Dass der Fair-Play-Gedanke an oberster Stelle stehen sollte, sehen auch Norman Loos, Angreifer beim VfB Bodenheim, und Marco Ritz, Verteidiger von TuS Marienborn, so. ,,Besser man spielt den Ball einmal zu viel ins Aus, als einmal zu wenig", sagt der 26-jährige Loos, der erzählt, dass es dazu keiner Anweisung des Trainers bedarf.
,,Ich glaube, das haben Fußballer von klein auf verinnerlicht." Und wenn ein Spieler nicht sieht, dass ein Gegner am Boden liegt? ,,Dann machen einem die Mitspieler schon aufmerksam darauf." Das bestätigt auch Marco Ritz, der jedoch eine Ausnahme nennt: ,,Wenn der Gegner das nicht macht, spielt man selbst in einer solchen Situation eben auch weiter." Auch im Frauenfußball wird zum Großteil der Ball in einer solchen Szene ins Aus gespielt. Das bestätigt Meike Weber vom Zweitligisten TSV Schott Mainz. Doch auch für Weber gibt es eine Ausnahme: ,,Wenn eine Gegnerin ständig nur auf dem Boden liegt, sage ich meinen Mitspielerinnen auch mal, dass sie weiterspielen sollen."