
USINGEN . Torhüter gelten oft als besondere Typen – nicht erst seit Oliver Kahn. Von der Leistung des Mannes zwischen den Pfosten kann der Ausgang eines Spiels abhängen. Am vergangenen Sonntag entschied Usingens Torwart Patrick Wehner in der Kreisoberliga beim 2:1-Sieg gegen die FSG Weilnau/Weilrod/Steinfischbach die Partie mit tollen Paraden quasi alleine. Wegen seiner herausragenden Leistung ist er unser „Sportler der Woche“.
Dabei müsste der 23-jährige eigentlich Frust schieben. Denn vor drei Jahren war der Friedrichsdorfer von seinem Heimatverein SV Seulberg aus der A-Liga an die Muckenäcker gekommen, um in der Verbandsliga zu spielen. UTSG-Spielausschussboss Olaf Best hatte den 1,85 Meter großen Schlussmann mit optimalem Torwart-Training überzeugt („Ich wollte mich unbedingt verbessern“) und gemeinsam hatte man sich zum Ziel gesetzt, Wehner als neue Nummer eins im Tor aufzubauen.
Warum hat das bisher nicht geklappt und warum steht der Wirtschaftsinformatik-Student seit Saisonbeginn in der zweiten Mannschaft auf der Torlinie? Usingens Spielertrainer Marcel Kopp bescheinigt seinem Schützling große Kollegialität und ist froh über die wichtige Option in der Rückhand: „Seine Stunde hat noch nicht geschlagen, aber wir wissen, was wir an ihm haben.“
Die Rolle eines ungeduldigen, genervten Ersatztorwarts, der wegen Nichtberücksichtigung Unruhe in die Mannschaft bringt, ist überhaupt nicht Wehners Ding. Bereits in der Seulberger B-Jugend zeichnete sich der Bayern-Fan dadurch aus, dass Konkurrenzkampf im Tor bei ihm leistungsfördernd wirkte und ihm die Rolle zwischen den Pfosten auf den Leib geschneidert war. „Ich mag es, hinter dem Ball herzuhechten und zu fliegen“, schildert Wehner seine Lieblingsbeschäftigung. Nie aufzuhören zu lernen, dieses Motto gilt für ihn nicht nur im Hörsaal, sondern auch für die Weiterentwicklung beim Herauslaufen und Mitspielen als Torwart. Mit der gegenwärtigen Rolle des Stammkeepers in der „Zweiten“ hat er sich abgefunden und will unter allen Umständen seinen Beitrag zum Klassenerhalt in der Kreisoberliga leisten.
Für mögliche Aufgaben in der Verbandsliga ist er aber gerüstet. „Bei ihm gibt es keine Hektik, denn er glaubt an sich und bleibt unbekümmert“, sagt Kopp. Positives Wesen und eine zuversichtliche Grundhaltung stehen auf dem Platz unbändigem Ehrgeiz gegenüber. Da ist der Wille, den Ball zu halten, auch wenn die Fetzen fliegen: „Als Torwart muss man einen Schlag weghaben und das ist meiner.“ Bei der UTSG hat Wehner sowohl mit dem Abstieg aus der Verbandsliga als auch dem Wiederaufstieg bereits Höhen und Tiefen erlebt, Den Kreispokalsieg 2014, ausgerechnet in Seulberg errungen, zählt er zu seinen wichtigsten sportlichen Erinnerungen. Für die Zukunft nennt er mit verschmitztem Lächeln nur einen Wunsch: „Ich möchte meinen Spitznamen Fast-zu Null-Wehner umändern in Zu-Null-Wehner.“