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Vereinsnachrichten

Welchem Bezirksligisten gelingt der Ausstieg aus der Achterbahn?

von Werner Hornig (BZ) · 15.08.2023, 11:27 Uhr · 0 Leser
Sorgenfreie Saison? Laurenz Hiller (VfR Bad Bellingen, vorne) gegen Marco Buscemi (SG FC Wehr-Brennet)  | Foto: Gerd Gründl
Sorgenfreie Saison? Laurenz Hiller (VfR Bad Bellingen, vorne) gegen Marco Buscemi (SG FC Wehr-Brennet) | Foto: Gerd Gründl

Die Fußball-Bezirksligisten stehen vor dem Auftakt in die neue Runde. Manche Teams streben in die Top Fünf. Andere sehnen sich einfach nur nach einer entspannten Saison.

Erneut umfasst die Bezirksliga 16 Teams. Was hat sich bei den Vereinen getan? Welche Ansätze zur Weiterentwicklung sehen die Trainer? Ein Überblick.

FC Erzingen
Die Klettgauer haben sich nach dem Abstieg aus der Landesliga - den sie bei einer nachträglichen Rettung bei günstigem Ausgang der Aufstiegsspiele auch freiwillig angetreten hätten - neu aufgestellt. 16 Neuzugänge und 18 Abgänge zeugen von einem gewaltigen Umbruch beim FCE. Auch auf der Trainerbank wurde gewechselt: Nach dem Rückzug von Michele Masi fanden die Verantwortlichen in Sandro Marchi den Nachfolger für Klaus Gallmann. Diesem steht mit Antonio Gentile ein Erzinger Urgestein zur Seite.

SG Mettingen/Krenkingen
Die Fußstapfen, in die Philip Brandl als neuer Chefcoach bei der SG Mettingen/Krenkingen tritt, sind sicherlich nicht klein. Denn als Nachfolger von Georg Isele, der fünf Jahre extrem erfolgreiche Arbeit ablieferte und die Mannschaft seit dem Aufstieg dreimal in Folge auf Rang drei der Bezirksliga führte, sind auch Brandl nicht verborgen geblieben. Die Erwartungshaltung, die auch von den Trainerkollegen der Staffel geschürt wird, dämpft der 36-Jährige jedoch: "Personell haben wir derzeit einige Probleme", sagt Brandl, der bis 2022 fünf Jahre Trainer beim FC Hochrhein war. Nach einer schöpferischen Pause im vergangenen Fußballjahr ist Brandl wieder voller Tatendrang und freut sich auf die Aufgabe bei Mettingen/Krenkingen - dort hat er schließlich als Kind schon gelebt.

TuS Binzen
TuS-Coach Karl-Frieder Sütterlin hat registriert, dass viele Bezirksliga-Trainer die Binzener auf den Favoritenschild heben. "Wir nehmen die Rolle als Mitfavorit an", sagt er. "Aber es gibt noch andere Mannschaften, die ganz vorne landen möchten." Nach Rang vier in der Vorsaison als Aufsteiger "wollen wir dieses Jahr auf jeden Fall besser abschneiden". Zwar gab es die internen Abgänge der Routiniers Guido Perrone und Frank Malzacher (Trainer der Reserve), doch führt Sütterlin derzeit 27 Spieler auf seiner Liste: "Es wird sicher Härtefälle geben." Längere Zeit fehlen werden die Zugänge Jason Christian und Tobias Lerch (beide Kreuzbandriss) sowie David Bosek (Aufbau). Der Coach hofft derweil auf eine bessere Trainingsbeteiligung als im Vorjahr.

FC Wittlingen
Auch die Schützlinge von Fabio Muto, der im Juli seine Trainer-B-Lizenz erworben hat, wollen oben mitspielen, ohne den Aufstieg als offizielles Saisonziel zu verkünden. "Mehr Punkte als letzte Saison, da waren es 51, und unter den ersten fünf Teams zu landen, ist unser Ziel", sagt der Wittlinger Coach, der von seiner Truppe begeistert ist: "Ich fahre nach dem Training des Öfteren mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause." Zwar schmerzen insbesondere die Abgänge der drei Keller-Brüder (zum FC Hauingen), jedoch haben sich hoffnungsvolle Neuzugänge wie Manuel Gruber oder Anes Mujakic schnell in das Wittlinger Gebilde eingefügt. Große Hoffnung setzt Muto zudem auf Torjäger Richard Geyland, der immer mehr Verantwortung innerhalb der Mannschaft übernimmt.

SV Buch
In den vergangenen vier Spielzeiten platzierten sich die Bucher stets unter den Top Sechs. Doch zeigen sie sich gewohnt bescheiden, und so sagt Trainer Daniel Pietzke vor der neuen Saison: "Wer Meister wird, ist mir relativ egal, Hauptsache wir haben nichts mit dem Abstieg zu tun." Kompensieren muss die Mannschaft den fußballerischen Abschied zweier Routiniers: Denys Martini und Mario Winkler haben ihre Laufbahn beendet. Doch hat der Kader auch Zuwachs Erhalten, und zwar durch sechs Neuzugänge aus den A-Junioren. "Unser Plan ist, diese Jungs zu integrieren", so Pietzke.

SF Schliengen
Nach dem letztlich souveränen Ligaerhalt als Neuling und Rang sieben hebt Sportfreunde-Coach Alexander Schöpflin warnend den Zeigefinger: "Es dürfte ein spannendes zweites Jahr bei uns geben." Die Schliengener müssen mit Lucca Sielaff (studienbedingter Umzug) und Florian Kessler (SV Ballrechten-Dottingen) zwei Leistungsträger mit zusammen 22 Toren und 23 Vorlagen ersetzen. "Ich hoffe auf unser Kollektiv. Das war und ist weiterhin unsere Stärke", sagt Schöpflin, "die Jungs verstehen sich außerordentlich gut." Er weiß jedoch auch, wo der Schuh drückt: "Unser Abwehrverhalten muss deutlich besser werden. 71 Gegentore sind deutlich zu viel." Zudem verlangt der SF-Trainer, dass seine Spieler offensiv wie defensiv "etwas kaltschnäuziger werden".

VfR Bad Bellingen
"Nein, so eine Runde wie die letzte will ich nicht mehr erleben", sagt Trainer Peter Johann. Nach der Achterbahnfahrt hofft er, den VfR in ruhigeres Fahrwasser lotsen zu können. "Unser Anspruch sollte es sein, unter den ersten Fünf zu landen", dazu gehöre aber "viel Glück und eine möglichst verletzungsfreie Saison". Die Zugänge Jakob Hugenschmidt (FC Auggen), Oguz Ozan (FSV Rheinfelden), Andreas Rügert (TuS Efringen-Kirchen), Max Scheurer (SV Weil) und Samuel Spreter (FV Lörrach-Brombach II) erhöhen die Kaderqualität spürbar. "Letztendlich aber bekommt die Mannschaft das, was sie sich auf dem Platz verdient", betont Johann. Wohl erst im kommenden Jahr wieder zur Verfügung stehen wird der langzeitverletzte Sportchef Kai Schillinger.

SG FC Wehr-Brennet
Von einer "super Vorbereitung" spricht SG-Trainer Urs Keser. Insbesondere das Auftreten gegen höherklassige Clubs mit dem Sieg gegen Landesligist FSV Rheinfelden und dem Remis gegen Verbandsligist FV Lörrach-Brombach schüren die Hoffnung, "wir wollen nach zwei Jahren Achterbahnfahrt eine sorgenfreie Saison erleben". Wehr-Brennet verfügt über eine gute Mischung aus Routiniers und einer jungen Garde mit Potenzial. "Kian Andree aus unserer Jugend zeigt starke Ansätze", lobt Keser, der auch Neuzugang Alexander Herbst (FC Wittlingen) hervorhebt. "Er ist ein Knipser, den wir lange Zeit nicht hatten." Trotzdem wolle er seine Spielphilosophie nicht auf einen Strafraumspieler ausrichten. "Da müssen wir einen guten Mittelweg finden."

FC Schönau
Bei den Wiesentälern sind die Trainer Burak Asik und Ismail Demirci um Stabilität bemüht. "Insbesondere im Defensivverhalten müssen wir uns steigern", sagt Asik, "73 Gegentreffer wie in der letzten Saison dürfen wir uns nicht mehr erlauben." Zwar haben die Schönauer keine Abgänge zu vermelden, allerdings auch nur drei Zugänge aus der eigenen Jugend. "Wenn alle Mann bei uns an Bord sind, haben wir eine stabile Truppe", sagt Asik. Dies dürfte jedoch erfahrungsgemäß schwierig werden, denn viele Akteure studieren in der Ferne und stehen nicht jedes Wochenende zur Verfügung. "Wir können es halt nicht ändern", so Asik, "müssen mit den Jungs planen, die am Spieltag auf dem Platz stehen. Und in diese haben wir auch vollstes Vertrauen."

SV Herten
In den hiesigen Ligen noch relativ unbekannt, hat Bülent Güzel sich in der Schweiz insbesondere im Nachwuchs des FC Basel und FC Concordia Basel einen Namen gemacht. Die Trainerstation in Herten "ist meine erste überhaupt auf deutschem Boden", sagt der 49-Jährige, der den Auftakt gegen Laufenburg II urlaubsbedingt verpassen wird. Die Liga sei für Güzel "absolutes Neuland". Nicht nur deshalb freue er sich "auf eine neue Herausforderung" und wolle erstmal "alles auf mich zukommen lassen". Nach "sehr guten" Gesprächen mit dem SVH sei sein Entschluss, sich "auf dieses Abenteuer" einzulassen, relativ schnell gefallen. In der Saison wolle man "eine gute Entwicklung nehmen" und "nichts mit dem Abstieg zu tun haben", so Güzel.

TuS Efringen-Kirchen
Vom Abstiegskampf will man beim TuS nichts mehr wissen. Trainer Werner Gottschling, seit April im Amt, sieht "trotzdem noch einige Baustellen". Ihm ist bewusst, dass die Hauptarbeit in der Defensive liegt. Mit 86 Gegentoren stellten die Efringen-Kirchener nach den Absteigern FC Hochrhein und RW Weilheim die schwächste Abwehr der Liga. "Da benötigen wir viel Stabilität." Neben dem Fundament der Vorsaison "sollen sich die neuen, jungen Spieler schnell integrieren". Inwiefern sich die meist 18- und 19-Jährigen in ihrer ersten Aktivenrunde bewähren werden, dahinter steht ein Fragezeichen. Deshalb sei es schwierig, "irgendwelche Prognosen abzugeben", sagt Gottschling, der mit der Vorbereitung und Trainingsbeteiligung zufrieden war.

SV 08 Laufenburg II
Nach 14 Jahren als Spieler, Co-Trainer und Chefcoach beim FC 08 Bad Säckingen hat Clemens Bauer eine neue Herausforderung gesucht. Und die hat er im Reserveteam des SV 08 Laufenburg gefunden. Der Klassenerhalt, den die zweite Mannschaft als Aufsteiger in einem äußerst engen Saisonfinale erreicht hat, "ist auch unser erklärtes Ziel für die kommende Runde", gibt sich der 42 Jahre alte Lehrer keinen Illusionen hin. Für Bauer gilt "nach dem Umbruch ein neues Team zu formen", mehrere Leistungsträger haben den Verein verlassen. Ihre zweite Mannschaft haben die Laufenburger neu als U23 konzipiert, in der Bezirksliga sollen junge Spieler weiterentwickelt werden. Und Bauer hat schon gemerkt, "dass die Jungs alle hochmotiviert sind".

SV Jestetten
Dem Abstieg ist der SVJ in der vergangenen Runde nur knapp entgangen, die aus Sicht des Bezirks Hochrhein günstige Konstellation in den übergeordneten Ligen verschaffte dem Drittletzten letztlich eine weitere Saison in der Bezirksliga. Für diese Runde ist das Jestetter Ziel klar: Unter dem neuen Coach Salvador Ortiz peilt der Club den Ligaverbleib an.

„Nehme das zur Kenntnis“: Sascha Müller, Trainer TuS Lörrach-Stetten  | Foto: Matthias Konzok
„Nehme das zur Kenntnis“: Sascha Müller, Trainer TuS Lörrach-Stetten | Foto: Matthias Konzok


TuS Lörrach-Stetten
Nach acht Jahren ist der TuS ins Bezirksoberhaus zurückgekehrt. Dass die Stettener von vielen Bezirksliga-Trainern als Geheimfavorit gesehen werden, ficht Sascha Müller nicht an. "Ich nehme das zur Kenntnis", sagt der Coach trocken. Seine Einschätzung lautet, "dass wir nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben werden. So selbstbewusst sind wir". Unter den 25 Spielern befinden sich nicht nur die Zugänge Buba Ceesay, Nikolai Tarassenko (beide SV Weil), Amin El-Ghazi (FV Lörrach-Brombach), Maurizio Ingrassia (TuS Binzen) und Sanel Covic (SpVg Porz), sondern auch mehrere Aufstiegsspieler mit höherklassiger Erfahrung. Härtefälle sind wohl vorprogrammiert. "Mich freut es als Trainer, wenn ich die Qual der Wahl habe", sagt Müller.

FC Schlüchttal
Michael Gallmann hat ein klares Ziel: Der FC Schlüchttal soll sein Image als Fahrstuhlmannschaft ablegen. Daher peile man unbedingt den zwölften Rang, der unabhängig aller Konstellationen in den höheren Klassen den Verbleib in der Bezirksliga garantieren würde. "Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben, ist das durchaus machbar", sagt der Trainer. Mit Nico Reichardt (35 Tore in der Kreisliga A) und Marvin Kalt (28 Tore) hat der Aufsteiger besonders in der Offensive viel Qualität. Die Abwehr verstärken und Stabilität verleihen soll Neuzugang Nico Knödel vom FC Erzingen.

SV Blau-Weiss Murg
Nach sieben Jahren ist Murg zurück in der Bezirksliga. Jedoch ist die Sommerpause für das Team der Trainer Alija Kapidzija und Giuseppe Stabile nach den Aufstiegsspielen gegen den FC Hauingen kurz gewesen. "Ich hoffe, dass sich die Spieler in dieser kurzen Zeit gut regenerieren konnten", sagt Stabile, der "die Euphorie des Aufstiegs" in den ersten Spielen mitnehmen will. Dem Auftakt blickt er mit "etwas Sorgen" entgegen. Der Abgang von Jason Cerimi (31 Treffer) zum FSV Rheinfelden hinterließ eine Lücke. Zudem fehlen zum Start die verletzten Francesco Lo Presti (22 Tore) und Kapidzija (15 Tore). Das müsse man "irgendwie kompensieren". Aber Stabile ist zuversichtlich. Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft "ist eine unserer großen Stärken".