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Allgemeines

Von dämlich bis unnötig alles dabei

Nach acht Spielen: Erster Sünder ist gesperrt

von TAGEBLATT/Alexander Schulz/Jan Bröhan · 01.10.2015, 22:48 Uhr · 0 Leser
Er ist der Erste: Alexander Schulz, TAGEBLATT-Volontär und in den Diensten des SV Bliedersdorf, ist nach fünf Gelben Karten gesperrt.
Er ist der Erste: Alexander Schulz, TAGEBLATT-Volontär und in den Diensten des SV Bliedersdorf, ist nach fünf Gelben Karten gesperrt.
Seit dieser Saison gibt es auch in der Fußball-Kreisliga eine Sperre nach der fünften Gelben Karte. Mir ist die zweifelhafte Ehre des ersten gesperrten Sünders im Landkreis Stade zuteil geworden. Dass ich beim SV Bliedersdorf, eher in der Defensive agiere, erklärt vielleicht einiges – aber leider nicht alles. Von der verdienten bis zur ziemlich dämlichen Karte war alles dabei.

Erste Gelbe Karte gegen Hedendorf: Für meinen ersten Eintrag in die Sünderkartei der Kreisliga Stade brauchte ich zwei Spiele. Gegen die VSV Hedendorf/Neukloster II war es dann aber soweit. Im Rückblick war es eine ziemlich überflüssige – um nicht zu sagen dämliche Karte. Es stand nach knapp 70 Minuten 2:0 und der Gegner war schon mausetot. Ich ließ es mir trotzdem nicht nehmen, mich im Nirvana des Mittelfeldes in einen Zweikampf zu stürzen und dabei so heftig am Trikot des Gegners zu zerren, dass es vermutlich von Größe M auf XL angewachsen ist. Der Schiedsrichter zeigte mir ohne Umschweife die Karte, die ich mir so hart erarbeitet hatte. Kategorie: völlig unnötig.

Zweite Karte gegen Horneburg: Meine zweite Gelbe Karte der Saison sicherte ich mir im hitzigen Derby am dritten Spieltag gegen Horneburg. Bei uns lief überhaupt nichts zusammen an diesem Tag. Der Coach umschrieb es wenig blumig: „Ihr spielt, als hättet ihr die Hosen voll!“ Recht hatte er. Irgendwie stand es kurz vor Schluss aber trotzdem 1:1 und alle hatten sich schon auf eine Punkteteilung eingestellt. Dann kam mein glorreicher Moment: Kurz vor dem eigenen Sechzehner zeigte ich wenig Verständnis für schöne Dribblings und fällte meinen Gegenspieler. Die zweite Gelbe der Saison war die Folge. Ich brachte natürlich sofort das obligatorische „Der hätte schon viel früher liegen müssen!“, aber auch das half nichts und es kam noch schlimmer. Der gefoulte Horneburger schlenzte den fälligen Freistoß in unser Tor. Mit 1:2 verloren wir das Derby. Kategorie: ziemlich bitter.

Dritte Karte gegen Hagen: Nach Horneburg folgten tatsächlich zwei Spiele ohne Verwarnungen. Am siebten Spieltag in Hagen – der sechste war ausgefallen – folgte Karte Nummer drei. Diese Karte lässt sich nicht so einfach beschreiben. Ein Mitspieler wurde von einem Hagener – gelinde gesagt – rustikal abgeräumt. Ich war – gelinde gesagt – leicht erbost über das überzogene Einsteigen des Gegenspielers. Das ließ ich ihn wissen und zeigte bei meinem Einsatz für meinen am Boden liegenden Mitspieler wohl derart viel Engagement, dass der Schiedsrichter mir begeistert den Gelben Karton zeigte. Kategorie: Die Mannschaftskasse klingelt.

Vierte Karte gegen Deinste: Nach fünf Minuten eine Gelbe Karte zu sehen, kann schon vorkommen. Zwei Minuten später die warnenden Worte „Eine Aktion noch, dann gehen Sie runter“ zu hören, zeugt nicht unbedingt von einem entspannten Auftritt. Vorab: Die Ampelkarte blieb aus. Die vierte Gelbe Karte war schlicht einem übermotivierten Auftritt geschuldet. Welches Insekt mich an diesem Tag gegen Deinste auch immer gestochen hatte, es brachte mich völlig aus dem Tritt. An der Mittellinie einen Gegenspieler derart böse – wenn auch nicht beabsichtigt – zu treffen und dann noch zu lamentieren, war kein ruhmreicher Auftritt. Kategorie: völlig verdient.

Fünfte Karte gegen Bargstedt: Nach acht Spielen war es dann soweit. Glorreich und feierlich holte ich mir für einen Spruch die fünfte Gelbe ab. Ich war nie ein Kind von Traurigkeit auf dem Feld, aber nach acht Spielen eine Gelbsperre aufgebrummt zu bekommen, das ist eine Leistung. Natürlich keine, auf die ich besonders stolz bin. Zur Karte gegen Bargstedt muss nicht viel gesagt werden. Eine kleine Bemerkung über das fußballerische Talent eines Gegenspielers, gerade so laut, dass der Schiedsrichter sie hören konnte, reichte aus. Wieder ein Grund zur Freude für unseren Mannschaftskassenwart. Kategorie: völlig überflüssig.

Jans Anpfiff



Es gibt Fußballer im Landkreis Stade, die schneller waren im Sammeln von fünf Gelben Karten als unser TAGEBLATT-Volontär Alexander Schulz in Diensten des SV Bliedersdorf. Beispielsweise Ole Bruns vom Landesligisten TuS Harsefeld. Wie fleißig der Mittelfeldspieler war, erfuhren die TuS-Verantwortlichen erst vorm vergangenen Spieltag, dem achten, als der Gesperrte auch im Computersystem gesperrt war – sprich: Als nicht spielberechtigter Spieler konnte er nicht im Spielberichtsbogen eingetragen werden.

In der Landesliga gelten dieselben Regeln bezüglich der Gelben, Gelb-Roten und Roten Karten wie in der Bundesliga; schon in der dritten Saison. In der Bezirksliga wurde die Regel in der vergangenen Saison eingeführt. Nun folgte die Kreisliga. Dass der Niedersächsische Fußballverband (NFV) die Regeln des DFB runterbricht und übernimmt ist richtig und war in den jeweiligen Ligen nur wenig umstritten. Das hat mit eigenem Anspruchsdenken zu tun. Warum sollte ein Kreisligaspieler anders bestraft werden als ein Profi? Wahrscheinlich wird die Karten-Regel ab der nächsten Saison ebenso in der 1. Kreisklasse eingeführt. Wäre konsequent. Auch hier sollte das Anspruchsdenken so weit reichen.

Zweifelhaft wird es dann ab der 2. bis runter zur 5. Kreisklasse. In Spielklassen, in denen aus nachvollziebaren Gründen durch Sonderregeln beispielsweise ausgewechselte Spieler wieder eingewechselt werden dürfen, ergibt es wenig Sinn, Gelbsünder zu sperren.

Fragwürdig ist dagegen die Weigerung des Hamburger Fußballverbandes (HFV), sich professioneller zu präsentieren. Hier werden nicht mal in der Oberliga Spieler für ein Spiel gesperrt, die in einem Spiel die Gelb-Rote Karte sehen. Dass das keinen Sinn ergibt, weil die Karten fast bedeutungslos sind, sagt auch René Klawon, Teammanager des Buxtehuder SV.