
Denn zu einer erfolgreichen Fußballmannschaft gehören zunächst immer elf Spieler und mittlerweile durch mehr Auswechslungen möglich sogar 16. Aber ein Stück weit beruhigter sind die Fans, die Teamgefährten und wohl auch die Trainer, wenn der Mann mit der Rückennummer 3 die Deckung zusammenhält.
PORTRÄT von H. Gerlach // FC Einheit Rudolstadt
Dabei ist der 34-Jährige, im sächsischen Wurzen geborene Matthias Kühne noch nicht so sehr lange Mitglied der Rudolstädter Oberligamannschaft. Corona wollte es, dass er seine Premiere im Einheit-Dress im leider verlorenen Landespokalspiel am 20.06.21 bei der SG DJK Struth feierte. Dabei hatte Kühne bereits im November in Rudolstadt trainiert und war im Januar offiziell als Neuzugang gemeldet worden.
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Dass er mit knapp sechs Jahren zum Fußball beim LSV Südwest Leipzig in seinem damaligen Wohnort kam, ist seinem Vater zu verdanken. Auch in anderen Vereinen wie dem VfK BW Leipzig, VfB und dem FC Sachsen war er im Nachwuchs aktiv, wobei er vom Sportgymnasium der Messestadt geprägt wurde. Mit Detlef Schößler, einem ehemaligen Magdeburger, hatte er einen Trainer, der seiner Entwicklung bei den A-Junioren sehr gut tat.
Doch in Leipzig ging es, was den Übergang in den Profibereich betraf, für Matthias Kühne nicht weiter. „Damals gab es RB noch nicht. Aber ich habe zur heutigen Lok (damals VfB) und zu Chemie (damals Sachsen) auch heute noch sehr gute Verbindungen“, erzählt er.
Kühne, seit 2006 im Besitz des Abiturs, wollte aber Profi werden und wechselte nach einem Probetraining in die 3. Liga zum SV 07 Elversberg. Er habe damals "sehr schnell eine Entscheidung treffen müssen“, erinnert er sich und sagt, dass es nicht so leicht gewesen sei, aus dem gewohnten Umfeld herausgerissen zu werden. Drei Jahre später ging es zum SV Babelsberg 03, der ebenfalls in der 3. Liga zuhause war. Nach zwei Jahren dann eine erneute Veränderung. Für drei Jahre hieß die sportliche Adresse dann MSV Duisburg.
Dann stand der FC Carl Zeiss Jena „auf der Matte“. Sein Urteil über dies Jahre fällt so aus: „Die fünfeinhalb Jahre hier waren sowohl sportlich als auch privat eine sehr schöne und prägende Zeit. Ich habe alles Positive und Negative, das gehört auch dazu, mitgemacht. Ich bin 2016/17 hierher gekommen und mit der Mannschaft nach den Aufstiegsspielen gegen Viktoria Köln in die 3. Liga aufgestiegen. Die Begegnung am 1. Juni 2017 in Jena war eine der schönsten für mich. Auch an den DFB-Pokal gegen Bayern München erinnere ich mich gern, selbst wenn wir 0:5 verloren haben.“
Doch dann riss er sich 2019 das Kreuzband. Danach sei es bergab gegangen, sagt er und man spürt die Enttäuschung aus diesem Satz. Die ist aber gleich wieder verklungen, wenn er über die Hochzeit 2017 in den Dornburger Schlössern und die Geburt der zweiten Tochter 2020 unterhalb der Kernberge spricht. „Ich werde immer mit Jena und den Kindern – das erste Mädchen in der Kühne ist schon vor fünf Jahren zur Welt gekommen – verbunden sein.“
Was zeichnet nun Matthias Kühne, den seine Mannschaftskameraden „Matze“ rufen, aus? Das ist seine Antwort: „Ich war nie das größte Talent, aber durch meinen Willen und meine Motivation, die mich immer angetrieben haben, konnte ich das ausgleichen. Als Gegenspieler bin ich immer unangenehm gewesen und habe mich nie abschütteln lassen. In alle den Jahren war ich immer in der Lage, meine Leistung solide abzurufen. Alle Trainer konnten sich stets auf mich verlassen. Ich bin im Großen und Ganzen im Reinen mit mir. Leider hat es die Situation nicht hergegeben, in der 2. Liga zu spielen.“
2020 beendete er seine Profikarriere nach 121 Dritt- und 122 Regionalligaspielen beim FC Carl Zeiss Jena. Eine Entscheidung, die ihm wahrlich nicht leicht gefallen ist. Er habe jedoch überlegt, wie es für ihn ohne Berufsausbildung nun weitergehen könnte. „Ich habe mich für das Studium eines Grundschullehrers in Leipzig entschieden. Dabei habe ich bei der Auswahl, die es zwischen Leipzig und Erfurt gab, Leipzig gewählt. Leider war ein solches Studium in Jena nicht möglich.“
Kühne hat lange überlegt, warum er lieber in der Grundschule als in der Sekundarstufe I unterrichten will. Dazu führte er auch Gespräche mit Freunden, die ihn einmütig auch in seiner schulischen Orientierung bestätigt haben. Seine Erkenntnisse bringt er so auf den Punkt: „Ich denke, es passt gut zu mir, mit jüngeren Kindern zu arbeiten. Das empfinde ich außerdem als dankbarer, weil man in der Erziehung noch einiges erreichen kann und Schüler, weil sie lesen, schreiben und rechnen lernen wollen, eine andere Motivation haben.“
Mittlerweile befindet sich Matthias Kühne im 3. Studiensemester. Bisher stand die Theorie im Vordergrund. Umso mehr freut er sich auf die ersten Praktika in der Schule, die demnächst anstehen. Im achten Semester will er das Studium abschließen und dann das Referendariat beginnen. Durch Corona war bislang alles online. Erst vor knapp zwei Woche hatte er erstmals eine Präsenzveranstaltung in der Messestadt.
Die knapp bemessene Freizeit verbringt der Rudolstädter Neuzugang vor allem mit der Familie.
Dass er nach Rudolstadt ging, hat vor allem damit zu tun, dass er viele seiner Mitspieler wie Florian Giebel, Maximilian Schlegel. Tom Krahnert Julian Zarschler oder Tommy Barth aus seiner Jenaer Zeit kannte. So fiel ihm die Entscheidung nicht schwer, als er im November einen Anruf von Trainer Holger Jähnisch bekam. „Ich wollte gern noch spielen. Zwar nicht mehr professionell, aber durchaus auf der Amateurebene.“
Dass der angehende Grundschullehrer rasch zu einer Stütze im Jähnisch-Team wurde, war angesichts seiner sportlichen Biographie zu erwarten. Das trifft sicher auch auf seinen künftigen beruflichen Status als Pädagoge zu. Die Kinder dürfen sich auf den Grundschullehrer Matthias Kühne freuen.