Freud und Leid liegen manchmal so eng beisammen. Während die Uttenweiler Fabian Maurer (links) und Alexander Bux (hinten) über den Abstieg verständlicherweise traurig sind, packt Jonas Brotbeck das Glück mit beiden Händen und greift beherzt zu: Auf Foto: Karl-Heinz Bodon
Freud und Leid liegen manchmal so eng beisammen. Während die Uttenweiler Fabian Maurer (links) und Alexander Bux (hinten) über den Abstieg verständlicherweise traurig sind, packt Jonas Brotbeck das Glück mit beiden Händen und greift beherzt zu: Auf Foto: Karl-Heinz Bodon

Uttenweiler verliert das Relegationsspiel

Relegation zur Landesliga: SV Uttenweiler - TSG Ehingen 2:5 (2:2) - Alle Videohighlights gibt es auf Fupa.tv

Bad Saulgau / sz - Der SV Uttenweiler muss in der kommenden Saison wieder in der Fußball-Bezirksliga ran. Die Mannschaft um Spielertrainer Christian Sameisla hat am Sonntagnachmittag das Relegationsspiel in Neufra/D. gegen die TSG Ehingen mit 2:5 (2:2) verloren. Vor 3100 Zuschauern waren die Ehinger an diesem Nachmittag nicht nur die glücklichere Mannschaft, sondern das Team mit der wohl größeren Willensstärke, das mehr investierte und sich weniger Fehler leistete.

Das Spiel beginnt wegen des großen Zuschauerandrangs 15 Minuten später, 3100 Zuschauer pilgern an diesem Nachmittag nach Neufra ins Waldstadion und wollen sich das Derby nicht entgehen lassen. Der SV Uttenweiler erwischt den besseren Start: Nach einer Ecke von Sameisla über die Abwehr kommt Alexander Bux frei zum Kopfball, doch der Ball geht am Tor vorbei (6.). Gerade als die TSG Ehingen im Begriff ist, die Kontrolle über das Spiel zu übernehmen, kommt das 1:0 für den (Noch-)Landesligisten aus Uttenweiler. Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld von Christian Sameisla kommt Philipp Steudle relativ unmotiviert aus dem Ehinger Tor, obwohl Johannes Jäggle, auf den der Ball kommt, noch einen Bewacher hat. Jäggle ist schneller am Ball und köpft den Ball über Steudle hinweg ins nun leere Tor - 1:0 (14.).

Doch die TSG Ehingen wehrt sich, hat mehr vom Spiel. Doch schlussendlich braucht sie einen Lapsus im Spielaufbau der Uttenweiler. Ein Abschlag von Keckeisen verunglückt, kommt zu scharf auf Lukas Maurer, der den Ball nicht kontrollieren kann, ein Ehinger jagt den Ball über die Abwehr hinweg, am langen Pfosten kommt Gombold frei zum Kopfball, der Ball trudelt parallel zur Torlinie, fällt Jan Deiss vor die Füße, der aus kurzer Distanz den Ball über die Linie drückt - 1:1 (21.). Doch Uttenweiler schlägt zurück, fast aus dem Nichts fällt das 2:1. Christian Sameisla sieht, dass Philip Steudle zu weit vor dem Tor steht und trifft über den Torhüter hinweg zum 2:1 (27.). Doch an diesem Nachmittag ist jeder Schuss ein Treffer: Langer Ball der TSG über die Abwehr hinweg, am langen Pfosten steht Gombold blank und der Ehinger Goalgetter lässt sich die Chance nicht entgehen, Flugkopfball ins kurze Eck - 2:2 (36.). Bei diesem Stand geht es in die Pause, auch wenn die TSG Ehingen zu diesem Zeitpunkt am Drücker ist.

Diese Tendenz setzt sich im zweiten Abschnitt fort. Uttenweiler hat nichts mehr zuzusetzen. Uttenweiler wankt, weil zum einen die Kräfte sichtbar schwinden - früh hat Manuel Maurer einen ersten Krampf infolge dessen er sogar raus muss - und zum anderen scheinen einige Spieler ihre Nerven angesichts der großen Kulisse nicht ganz im Zaum zu haben, die Mannschaft spielt wieder mal zu passiv. Und: Natürlich ist Uttenweiler anzumerken, dass die Mannschaft seit Wochen personell auf der letzten Rille geht. Auch der eingewechselte Felix Kötzle vermag dem Spiel keine Impulse mehr zu geben. Ganz anders die TSG Ehingen, die immer wieder angetrieben vom Paolo Soumplas und Narciso Filho nach vorne kommt.

Besonders ab der 60. Minute brennt die TSG ein Feuerwerk ab. Zunächst schlägt Soumplas einen Freistoß von linksaußen in die Mitte, Keckeisen taucht unter dem Ball durch, das Leder senkt sich an den Pfosten (64.), der Abpraller kommt über mehrere Stationen zu Patrick Mrochen, der draufhält und die Unterkante der Latte trifft, von wo der Ball wieder ins Feld springt (64). Dann jagt Soumplas einen Freistoß ans Außennetz (66.), sieben Minuten später passiert der Anfang vom Ende: Nach einer Situation im Strafraum kommt der Ball in 25 Metern Torentfernung zu Mrochen, der wieder draufhält. Der Ball fährt fast mittig ins Tor ein, ist aber so hart, dass Keckeisen wohl kein Vorwurf zu machen ist (73.). Den endgültigen Todesstoß gibt es als Dornfried den durchgebrochenen Mrochen am Eindringen in den Strafraum hindert, den Fuß stehen lässt, Elfmeter. Narciso Filhgo lässt Keckeisen keine Chance - 2:4 (80.). Uttenweiler wirkt jetzt bemührt, die beste Chance hat der wieder mal fleißige Jäggle, jagt das Leder über den Kasten. Den Endstand markiert Brotbeck per Foulelfmeter, Keckeisen hatte den eingewechselten Schulz gelegt - auch egal (90. +5).

Christian Sameisla, Spielertrainer des SV Uttenweiler: In der ersten Halbzeit haben wir das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten, dann machen wir zwei Fehler, verteilen zweimal Geschenke, die jeweils den Ausgleich bringen. Insgesamt machen wir einfach zu wenig im zweiten Abschnitt. Scheinbar sind einige mit der Kulisse nicht klargekommen. Glück hatten wir schon in der Aktion, in der Ehingen zweimal Aluminium trifft. Spielerisch hatten manche Spieler heute einfach nicht die Qualität bei uns. Der Elfmeter war aus meiner Sicht keiner. Ehingen hat sich aber das Glück auch verdient.

Stefan Schädle, Abteilungsleiter des SV Uttenweiler: Natürlich sind wir jetzt ein bisschen traurig. Trotzdem werden wir heute noch im Sportheim zusammensitzen und etwas trinken und vielleicht auch ein bisschen feiern. Die vergangenen Wochen haben doch sehr an unseren Kräften gezehrt, so sehr, dass der eine oder andere Spieler in der vergangenen Woche das Training abbrechen musste. Und trotz Abstiegs: Es war eine geile Saison, wir hatten einige schöne Auswärtsfahrten, haben neue Stadien kennengelernt. Neue Gegner. Klar hätten wir gerne noch so eine Saison erlebt.

Dietmar Gösele, stellvertretender Abteilungsleiter des SV Uttenweiler: Wir haben es versäumt in der ersten Halbzeit nachzulegen, aber haben die TSG Ehingen mit zwei Fehlern jeweils zum Ausgleich eingeladen. In der zweiten Halbzeit war das von uns zu wenig. Es sind wohl einige auch nicht mit der Kulisse klar gekommen. Trotzdem haben wir eine tolle Saison gespielt. Aber wer hätte in der Vorrunde noch an uns geglaubt? Ehingen hat letztendlich verdient gewonnen, die TSG steigt verdient auf.

Udo Rampelt, Trainer der TSG Ehingen: In den ersten zehn, 15 Minuten waren wir nicht richtig da, auch hat man in der Anfangsphase Uttenweilers Landesliga-Erfahrung gemerkt, gerade auch vom Tempo her. Aber in der zweiten Halbzeit wollten wir den Sieg unbedingt, notfalls mit Brachialgewalt wie beim Schuss von Patrick Mrochen zum 3:2. Das Tor von Patrick war der Knotenlöser. (mac)

SV Uttenweiler: Keckeisen - Hugger (82. S. Traub), C. Weber, M. Maurer (66. Kötzle), L. Maurer - Dornfried, D. Weber, Ruff, Bux - Sameisla, Jäggle

TSG Ehingen: Steudle P. - Post - Soukup, Brotbeck - Hadamitzky (33. M. Steudle), Müller, Mrochen, Filho, Soumpalas - Deiss, Gombold (87. Degen).

Tore: 1:0 Johannes Jäggle (14.), 1:1 Jan Deiss (21.), 2:1 Christian Sameisla (27.), 2:2 Valentin Gombold (36.), 2:3 Patrick Mrochen (73.), 2:4 Narciso Filho (80./FE), 2:5 Jonas Brotbeck (90. +5/FE)

Schiedsrichter: Michael Haas (Balingen). - Zuschauer: 3100 (gesamt).

Alle Highlights und Tore gibt es hier:
FuPa.tv: SV Uttenweiler - TSG Ehingen

Aufrufe: 018.6.2017, 21:49 Uhr
Schwäbische Zeitung / Von Marc DittmannAutor