
Ein Zyniker würde sagen: „Es war im vergangenen Jahrtausend, als der Zuffenhäuser Fußball hinter dem VfB und den Kickers als dritte Kraft in Stuttgart galt.“ In der Saison 1998/99 war seinerzeit der FV Zuffenhausen auf dem besten Wege – zumindest in der ersten Saisonhälfte – den Sprung in die Oberliga zu schaffen, der damals dritthöchsten Spielklasse in Deutschland. Doch der erhoffte Aufstieg wurde verspielt. Fortan ging es mit dem Fußballsport in Stuttgarts drittgrößtem Stadtbezirk tendenziell immer weiter abwärts. Der Tiefpunkt war in der vergangenen Saison erreicht. Der TV 89 Zuffenhausen stieg in die Kreisliga ab, der SSV Zuffenhausen entging diesem Schicksal erst am allerletzten Spieltag, an dem er den Klassenverbleib in der Bezirksliga schaffte. Im Kampf um das sportliche Überleben setzen beide Zuffenhäuser Clubs auf dieselbe Karte – Bodenständigkeit und Jugendarbeit. Was allerdings sowohl eine Chance als auch eine Gefahr in sich birgt.
Dass es überhaupt dazu kam, dass sich die zwei Vereine in dieser misslichen Lage befinden, hat eine Reihe von Gründen. Der wichtigste ist der Mangel an finanziellen Mitteln. „So bitter es ist: Es steht und fällt alles mit dem Geld, das ein Verein zur Verfügung hat“, sagt Christian Bauer, Sportlicher Leiter des TV 89. Fußball-Profis kassieren Millionensummen. Und was den Profi-Sport diktiert, das setzt sich in kleinerer Dimension auch in den Amateurligen durch. Inzwischen hat es sich eingebürgert, dass Spieler oder Jugendspieler selbst in den untersten Ligen ihren sportlichen Einsatz doch bitteschön vergütet haben wollen. Was wiederum Kosten bedeutet, die ein Club ohne fremde Unterstützung kaum stemmen kann. „Wir hatten einen Sponsor, aber der hat sein Engagement zurückgeschraubt“, sagt Bauer. „Daraufhin haben uns etliche Spieler verlassen – mehr, als wir vermutet hatten.“
Worauf der TV 89 beschloss, aus der Not eine Tugend zu machen. „Wir wollten uns nicht mehr von Spielern erpressen lassen, sondern haben auf die gesetzt, die gerne für den TV 89 spielen wollen“, sagt Bauer. Der Club schloss die Lücken mit Jugendspielern aus den eigenen Reihen und nahm dabei auch den Abstieg in Kauf. „Wenn wir wieder Bezirksliga spielen könnten, wäre das wunderbar“, sagt Bauer. „Aber nicht mit allen Mitteln. Wir werden aus dem, was wir haben, das Beste machen.“ Dabei profitiert der TV 89 davon, dass alle Jugenden besetzt sind und sowohl die A-Junioren als auch die B-Junioren in der Bezirksstaffel spielen. Im Kader der Aktiven, die im September in die Saison 2016/2017 starten, stehen inzwischen sechs Spieler aus der eigenen A-Jugend des Vereins. Doch Bauer weiß: „Wir können mit den finanzstarken Clubs nicht mithalten“, sagt der Sportliche Leiter. Was im Klartext bedeutet, dass ein talentierter Akteur schnell abgeworben werden kann, wenn ein anderer Verein dem Kicker ein entsprechendes Salär auf den Tisch blättert. Dabei bleibt dem TV 89 nur ein Mittel, um dem entgegenzuwirken. „Wir setzen einfach auf ein entsprechendes Umfeld und das Vereinsleben“, sagt der Sportliche Leiter.
Der Kader des TV 89 Zuffenhausen in der Übersicht.
Dieses Prinzip hat sich auch der SSV Zuffenhausen auf die Fahnen geschrieben. Allerdings musste sich der SSV im Gegensatz zum Lokalrivalen auch noch mit einem ganz anderen Problem herumschlagen. Bei dem Großverein, der aus der Verschmelzung mehrerer Zuffenhäuser Clubs hervorgegangen ist, hatte sich lange nicht das zusammengefügt, was eigentlich zusammengehört. „Offiziell waren wir der SSV, intern waren hier die TSV’ler und dort die FV’ler“, sagt SSV-Abteilungsleiter Stefan Hachenbruch. Das war sowohl hinter den Kulissen als auch auf dem Sportplatz der Fall. In den Spielzeiten seit der Fusion agierten die drei SSV-Aktiventeams weitgehend unabhängig voneinander – ehe der drohende Absturz in die Kreisliga A zumindest einen Zweckverband erzeugte, mit dessen Hilfe schließlich der Klassenverbleib geschafft wurde. Diese Parallelgesellschaft soll nun endlich Geschichte sein. „Wir haben den Schnitt gemacht – vielleicht ein Jahr zu spät“, sagt Hachenbruch. Dieser Schnitt gilt sowohl für die Funktionärsriege der SSV-Fußballer als auch für die Mannschaft. Hachenbruch, zu Beginn der SSV-Ära noch laut eigener Aussage „letzter Mohikaner“, wird inzwischen von Patrick Weiß unterstützt, der den Posten des Spielleiters übernommen hat. Zudem wurde Georg Gehrmann, zuvor beim SV Rot, als neuer Jugendleiter ins Boot geholt. Während also die Zahl der Ehrenamtlichen wächst, wurde bei den Sportlern eher reduziert. Aus den drei SSV-Teams sind zwei geworden, wobei in der ersten Mannschaft derzeit fünf Spieler stehen, die aus der eigenen A-Jugend des Clubs stammen.
Aber: Geld gibt es auch bei den Zuffenhäusern von der Hirschsprungallee nicht zu verdienen. Nicht nur, weil die Mittel fehlen, sondern weil der SSV ebenfalls auf bestimmte Prinzipien pocht. „Wenn es nur noch um Geld geht, hat das nichts mehr mit Amateursport zu tun“, sagt Hachenbruch. „Unser Ziel wird sein, die Bezirksliga mit einem normalen Budget zu halten, um unseren Jugendspielern eine Perspektive zu bieten.“ Wie der TV 89 stellt auch der SSV in allen Jugend-Altersstufen Mannschaften. Allerdings treten die SSV-Teams durchweg in niedereren Spielklassen an als die des TV 89 Zuffenhausen.
Der Kader des SSV Zuffenhausen in der Übersicht.
Damit ergibt sich wiederum die Konstellation, dass zwei Vereine mit ähnlicher Zielsetzung um die Gunst von potenziellen Nachwuchskickern im Stadtbezirk buhlen. Und dies im Schatten von anderen Clubs in erreichbarer Nähe, die teilweise mit mehr Geld, der besseren sportlichen Perspektive oder der professioneller geführten Jugendabteilung werben können. Deshalb sieht Stefan Hachenbruch auf lange Sicht für seinen Verein und den Lokalrivalen nur eine Chance: „Irgendwann kommen wir nicht darum herum, zusammenzuarbeiten“, prophezeit der SSV-Abteilungsleiter, der sich vor allem in Sachen Jugendfußball eine Kooperation vorstellen kann.
Sondierungsgespräche hat es jedenfalls schon gegeben. Die wurden inzwischen aber erst einmal auf Eis gelegt. „Bis vor kurzem habe ich noch gedacht, dass man sich ruhig zusammensetzen kann“, erklärt Christian Bauer. „Aber dann kam die Wechselgeschichte.“ Denn in der Sommerpause hatten nach Bauers Auskunft etwa 35 Jugendspieler, einige Jugendtrainer sowie der Jugendleiter Markus Kurzweg ihre Zelte beim SSV abgebrochen und sich dem TV 89 angeschlossen. „Die schicke ich natürlich nicht weg“, sagt der Sportliche Leiter des TV Zuffenhausen. „Aber dadurch sind von einer Spielgemeinschaft mit dem SSV erst einmal ganz weit weg.“
Die SSV-Verantwortlichen halten dagegen trotz des Wechsels an ihrer generellen Gesprächsbereitschaft fest. „Da muss man einfach ein bisschen weiter denken“, sagt SSV-Spielleiter Patrick Weiß. „Denn wenn man sich überlegt, wie es hier auf der Schlotwiese in zehn Jahren aussehen soll, dann kann man eigentlich nur sagen: Geht zusammen.“
Persönliche Daten
Trainerstationen
S S U N T P PpS Gesamt-Statistik - 16/17 SSV Zuffenhausen II-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
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