
Pfungstadt. Die Ziele sind bescheiden geworden. Sehr bescheiden. „Wir versuchen, kleine Schritte zu machen. Ein Punkt, das wäre schon mal was“, sagt Cornelia Jegler, „denn es ist alles nicht so einfach“. Die 27-Jährige spricht damit die Lage bei den Fußballerinnen des TSV Pfungstadt an, deren Spielertrainerin sie ist. Und mit denen sie abgeschlagen am Tabellenende der Hessenliga steht.
Null Punkte, 3:49 Tore – so lautet die ernüchternde Bilanz des TSV, bei dem irgendwie der Wurm drin ist aktuell. Dabei hatte die Saison mit einem Sieg (1:0 im Hessenpokal gegen den TSV Nieder-Ramstadt) begonnen. Doch danach wurde es schwierig. Unmittelbar vor dem Punktspielauftakt gingen der Verein und Trainer Murad Simsek getrennte Wege. Die erste Partie gaben die Pfungstädterinnen so kampflos ab. Alle anderen Partien verlor der TSV dann auf dem Platz, teils klar. Was wiederum verdeutlicht, was Jegler mit „nicht so einfach“, meint.
Die 27-Jährige wiederum sprang im Sommer in die Bresche. Aus der Spielerin wurde auch die Trainerin, gemeinsam mit Harald Exner – der Coach hat unter anderem beim FC Alsbach und Waldhof Mannheim gearbeitet – leitet Jegler die Geschicke der TSV-Frauen. Sportlich eine anspruchsvolle Aufgabe. „Der Kader verlor im Sommer an Qualität und Quantität“, sagt die Spielertrainerin, die beim TSV auch die U14-Juniorinnen coacht. Dem mittlerweile einzigen Nachwuchsteam bei den Pfungstädter Fußballerinnen. U12 und U16 gibt es aktuell beim Hessenligisten nicht. Was wiederum bezeichnend ist, so Jegler. Denn generell, so ihre Feststellung, sinke das Interesse.
Auch die Teilnahme in der Verbandsliga stand im Raum
So war es auch knifflig, neue Spielerinnen nach Pfungstadt zu lotsen. Vor diesem Hintergrund entschied sich der TSV vor der Saison, in der Hessenliga anzutreten. Auch die Teilnahme in der Verbandsliga stand zur Wahl. „Das wäre sicherlich einfacher geworden. Aber in der Hessenliga spielen zu können, ist für potenzielle Neuzugänge deutlich attraktiver“, begründet Jegler. Pfungstadt ging das Risiko ein und muss nun feststellen, nicht stark genug für die Klasse zu sein. Zumal die Konkurrenz ganz andere Möglichkeiten habe.
Umso mehr ist die Moral der TSV-Frauen – der Kern des Teams besteht aus 14 Frauen im Alter zwischen 17 Jahren und Anfang 30, es wird dreimal die Woche trainiert – zu bewundern. Woche für Woche stellen sie sich der Herausforderung. Stets im Wissen, dass es wohl wieder nichts wird. Aber stets mit der Hoffnung, es könnte ja doch mal klappen. „Sicher, die vielen Gegentore frusten schon. Aber oft spiegelt das Ergebnis auch unsere Leistung nicht wider. Wir haben wie oft Pech im Abschluss“, sagt Jegler, die seit zehn Jahren beim TSV ist.
Jegler: "Hätte zwei Treffer machen müssen"
Etwa am vergangenen Wochenende beim 0:5 gegen Eintracht Frankfurt IV. „Allein ich hätte zwei Treffer machen müssen“, merkt die Spielertrainerin an: „Hätte ich bei der ersten Chance getroffen, hätte es 1:0 für uns gestanden – und wer weiß, wie das Spiel dann gelaufen wäre.“ Es wäre übrigens die erste Pfungstädter Führung überhaupt gewesen in dieser Hessenliga-Saison. Bekanntlich kam es anders, und der TSV musste wieder einmal eine Niederlage einstecken und wegstecken.
Vielleicht läuft es am Samstag (17 Uhr) gegen den FSV Wetzlar II im letzten Spiel der Gruppenphase ja besser. Mal lange ein 0:0 halten und spät zum 1:0-Sieg treffen – so oder so ähnlich könnte Jegler sich den Spielverlauf vorstellen. Danach geht es in die Abstiegsrunde. Spätestens dann soll es klappen beim TSV. Denn das macht die Spielertrainerin deutlich: „Wir geben nicht auf und haben immer noch unseren Spaß.“ Beachtlich dieser Mut, diese Beharrlichkeit, dieser Einsatz. Irgendwann wird dies belohnt werden. Mit einem Sieg. Als Gewinner dürfen sich die Pfungstädterinnen bei dieser Moral aber schon jetzt fühlen.