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Allgemeines

Tore für die Urenkel bringen richtig Spaß

Kreisoberligist SC Opel hält sich im Privatspiel gegen die Eintracht-Profis beim 2:12 deutlich besser als vor acht Jahren +++ 1400 Zuschauer

von Philipp Durillo · 23.10.2014, 14:00 Uhr · 0 Leser
Die Spieler vom SC Opel konnten gegen Eintracht Frankfurt gleich zweimal jubeln. Foto: Dziemballa.
Die Spieler vom SC Opel konnten gegen Eintracht Frankfurt gleich zweimal jubeln. Foto: Dziemballa.
RÜSSELSHEIM. Wettertechnisch stehen Privatspiele zwischen Opel Rüsselsheim und den Bundesligaprofis der Frankfurter Eintracht unter keinem guten Stern, in Sachen Unterhaltung aber auf jeden Fall: Kamen vor acht Jahren im Stadion am Sommerdamm bei Dauerregen gut 3500 Fußballfans beim 1:18 aus heimischer Sicht auf ihre Kosten, konnten sich am gestrigen Dienstag rund 1400 Zuschauer bei empfindlicher Kühle, leichtem Regen und heftigen Windböen an 14 Treffern erfreuen. Trotz der 2:12 (1:7)-Niederlage hatten auch die achtklassigen SCO-Amateure zumindest zwei Mal richtig Spaß.

Und Mehmet Arslan (25.) sowie Marius Röse (82.) werden wohl ihren Urenkeln noch davon erzählen, dass sie mit Timo Hildebrand einen siebenmaligen Ex-Nationaltorwart überwunden hatten. Nur bei Jochen Szabo könnte die Laune etwas im Eimer gewesen sein, nachdem er seinen eigenen Keeper Goekhan Arici auf klassische Weise zum 1:6 bezwungen hatte (32.).

Hildebrand sieht nicht gut aus

Dass sich der Sport-Club insgesamt deutlich besser hielt als im Jubiläumsspiel anlässlich des 100. Vereinsgeburtstages vor acht Jahren, lag nur bedingt daran, dass der 35-jährige Hildebrand speziell beim 1:4 durch Arslan – der Opel-Stürmer hatte nach einem Laufduell mit Marco Russ den Ball im kurzen Eck versenkt – nicht gut aussah. Eintracht-Trainer Thomas Schaaf hatte nach der morgendlichen Übungseinheit mit Russ, Timothy Chandler und Stefan Aigner nur drei seiner Profis von Beginn an aufgeboten, die für die sonntägliche 1:3-Pleite in Paderborn mitverantwortlich waren. Nach der Pause kamen dann noch Bastian Oczipka und Slobodan Medojevic hinzu. Ansonsten durften mehrheitlich Akteure ran, die zuletzt wenig Anteile bekamen oder verletzt waren. So etwa Sturmtalent Sonny Kittel, dem die Berücksichtigung sichtbar gut tat und von dem man am ehesten den Eindruck hatte, dass er dieses ungleiche Kräftemessen als persönliche Chance verstand.

Drei Minuten länger als anno 2006 dauerte es, bis der Torbann durch Martin Lanigs Kopfball gebrochen war (5.). Nach 15 Minuten sah es dann zwar schlechter aus als 2006 (0:4), was SCO-Trainer Jörg Nowka mächtig ärgerte: „Wenn man nur 45 Minuten spielt, muss von Beginn an alles reinhauen.“ In der Folgezeit indes ließen die SGE-Cracks im Rüsselsheimer Strafraum ein ums andere Mal die letzte Konsequenz vermissen oder scheiterten an Keeper Arici. Nach einer 14-minütigen Torflaute staubte dann der aufgerückte Abwehrrecke Alexander Madlung nach einer Ecke zum 1:5 ab (29.).

Nach Wiederanstoß, der aufgrund des noch nicht postierten neuen SCO-Schlussmanns wiederholt werden musste, hielten die neun frischen Rüsselsheimer Kräfte elf Minuten lang dicht. Gegen Marc Stenderas Schlenzer in den Winkel zum 1:8 war kein Kraut gewachsen. Nachdem Lanig in Unterzahl – Johannes Flum hatte nach einer Stunde leicht angeschlagen passen müssen – das Ergebnis in den zweistelligen Bereich gehoben hatte (67.) und Klinger hernach binnen weniger Minuten drei Glanzparaden zeigte, schien erst der zweite SCO-Treffer durch Röses Abstauber – Hildebrand hatte prallen lassen – den Bundesligisten noch einmal angestachelt zu haben (82.). Der eingewechselte Slobodan Medojevic und Vaclav Kadlec machten in der Endphase noch das Dutzend voll.

Da der Eintracht-Bus nur wenige Meter neben der Tribüne stand, dürfte der plötzlich einsetzende Starkregen die Profis nicht groß gestört haben. Und auch die vielen jungen und alten SGE-Fans hielt das Wetter nicht davon ab, nach Spielschluss noch auf Autogrammjagd zu gehen.

SCO:Arici; Becker, Mitka, Bongiorno, Holtz, Hartmann, Gehringer, Rosin, Meschke (17. Szabo), Arslan, Demirarslan; 2. Hz: Klinger; Witte, Szabo, Machill, Deutzer, Hommel, Brunner, Karabulut, Paetsch, Roese, Gehringer.

SGE: Hildebrand;Russ (46. Oczipka), Kadlec, Lanig, Aigner, Madlung, Flum (67. Medojevic), Stendera, Chandler, Kittel, Kinsombi.

Tore: 0:1 Lanig (5.), 0:2 Kittel (6.), 0:3 Kadlec (9.), 0:4 Stendera (15.), 1:4 Arslan (25.), 1:5 Madklung (29.), 1:6 Szabo (32./ET), 1:7 Kittel (35.), 1:8 Stendera (56.), 1:9 Aigner (58.), 1:10 Lanig (67.), 2:10 Röse (82.), 2:11 Medojevic (86.), 2:12 Kadlec (88.).- Zuschauer: 1400.-Schiedsrichter: Radl (Biebesheim).

Stimmen zum Spiel

Jörg Nowka (SCO-Trainer):Bemerkenswert, vor so einer Kulisse zu spielen. Das ist auch ein Riesenerlebnis als Trainer, was die Eintracht-Spieler da so zaubern. Und wer hätte gedacht, dass wir zwei Tore schießen?

Mehmet Arslan (SCO-Spieler und Torschütze): Ein geiles Gefühl! Unbeschreiblich, vor so vielen Zuschauern ein Tor zu schießen. Ich habe einfach auf rechts unten gezielt und getroffen.

Goekhan Arici (SCO-Torwart):Es ist klar, dass wir unterlegen sind, aber ein 1:7 zur Halbzeit ist zu viel. Vier Gegentore hätten es zur Halbzeit auch getan. Ich habe alles aus mir herausgeholt. Als ich merke, der Ball kommt in meine Richtung und ich kriege den – das hat gepusht. Ich würde gerne öfter vor so einer Kulisse spielen.

Yannic Hartmann (SCO-Spieler): Wir hatten auch gute Aktionen nach vorne, das hätte ich nicht gedacht. Aber die ersten 15 Minuten haben wir verpennt. Drei von den Toren hätten nicht sein müssen.

Jürgen Gelis (SCO-Vorsitzender):Ein wunderschöner Dienstag! Als Fußballer ist das natürlich ein Highlight. Über die zwei Tore werden sich die Jungs noch lange unterhalten.

Haris Seferovic (Eintracht-Stürmer):Ich hätte natürlich gerne gespielt. Aber der Trainer hat das so entschieden, dass ich eine Pause mache und damit war es gut.

Bruno Hübner (Eintracht-Sportdirektor): Wir machen das gerne, bei den Klubs in der Umgebung Fußball zu spielen. Da können wir uns unseren Fans zeigen, die sonst vielleicht nicht ins Stadion kommen können. Das ist für uns eine gute Trainingseinheit und gut für die Spieler, die sonst weniger zum Einsatz kommen.

Mirko Radl (Schiedsrichter): Das ist mal was anderes, so ein Spiel zu pfeifen. Die Profis sind auch total locker, mit denen kann man auch mal flachsen.

Robert Neubauer (Kreisfußballwart und Sportamtsleiter): Eine schöne Veranstaltung vor einer für das Wetter und den Zeitpunkt ordentlichen Kulisse. Und dass der SC Opel auch noch getroffen hat, ist besonders schön. Natürlich wäre es toll, wenn wir in diesem Stadion, das die äußeren Voraussetzungen für die Oberliga mitbringt, auch wieder öfter eine Rüsselsheimer Mannschaft sehen würden.