Aus SVL-Sicht stand das Spiel unter keinen guten Voraussetzungen: nicht nur, dass Hellas in der letzten Woche mit einem 5:0-Erfolg in Birk aufhorchen ließ, sondern vor allem die angespannte Personalsituation ließ einige Bedenken im Vorhinein als nicht unbegründet erscheinen. So galt es die in der letzten Woche so gut harmonierende Doppelsechs aus Aaron Calopresti und Max Engelberth verletzungsbedingt zu ersetzen. Für diese beiden starteten der wieder genesene Stefan Güldenring und Henrik Schäfer, welcher seine Rotsperre aus dem Spiel gegen Neunkirchen/Seelscheid abgesessen hatte. Auch Linksaußen Niko Bönisch war grippegeschwächt nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, sodass für ihn Michel Gutt in die Startaufstellung rückte. Den Platz des ebenfalls erkrankten Mittelstürmers Patrick Himmeröder nahm derweil Kevin Kurth ein.
Hellas musste seinerseits im Vergleich zur Vorwoche zwei mal umstellen: für Paul Müller und Theodosios Drossidis kamen Reda El-Kounach und Muharrem Sahin neu ins Team. Außerdem fehlt Spielmacher Ilias Spirakos weiterhin mit einem Muskelfaserriss.
Zu Beginn der Partie versuchten die Gastgeber gleich das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, scheiterten aber in Person von Fahim Momand gleich doppelt aus aussichtsreicher Schussposition. Nach einigen Minuten des Abtastens nahm der SVL schließlich auch offensiv am Spiel teil und gab durch Lars Vogel einen gefährlichen Volley-Weitschuss ab, der von Schlussmann Christian Gruhlke toll pariert werden konnte (14.). Doch nur wenige Minuten später war dieser geschlagen: nach schöner Kombination über Schäfer, Vogel und Kurth gelangte der Ball zum über außen durchgebrochenen Gutt, dessen Flanke von seinem schwächeren linken Fuß abrutschte, somit unberechenbar für Gruhlke wurde und zum 0:1 im langen Eck einschlug (21.).
Was folgte waren die zu erwartenden wütenden Angriffe der Hellenen: in der 29. Minute scheiterte Andreas Minas noch aus spitzem Winkel, bevor er in der 38. Minute nach toller Vorarbeit von Evangelos Apostolidis den Ausgleich erzielen konnte.
Bis zur Pause passierte in der Folge nicht mehr viel, die beiden Mannschaften schienen mit einem 1:1 nach 45 Minuten gut leben zu können.
Der zweite Durchgang begann erneut mit einer Druckphase der Troisdorfer, die allerdings keine zwingenden Torchancen kreieren konnten. Viel mehr war die Leuscheider Hundhausen-Elf ab der 60. Minute die tonangebende Mannschaft und verstand es immer häufiger über ihre Außenspieler Aschot Amirjan und Michel Gutt Gefahr zu erzeugen. So auch, als Henrik Schäfer über links durchzubrechen vermochte und den Ball mustergültig querlegte- den Torschrei bereits auf den Lippen, trat Kurth allerdings über den Ball. Auch Gutt vergab nach schöner Flanke Kurths noch eine hochkarätige Chance, als er nur das Außennetz traf. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich der Leuscheider Führungstreffer bereits deutlich ab und so war es nach feinem Zuspiel Vogels Kevin Kurth in seiner neuen Rolle als Mittelstürmer vorbehalten, seinen Gegenspieler Almir Hajdarovic aussteigen zu lassen und trocken mit links zur 2:1-Führung zu verwandeln.
Wer nun allerdings dachte, dass dies die Entscheidung bedeutete, sah sich getäuscht. Kurths Treffer war lediglich der Auftakt einer irren und nervenaufreibenden Schlussphase.
Hellas konnte nach der Leuscheider Führung gleich wieder Druck entfachen. Ein hoher Ball nach dem anderen segelte in Richtung Gästetor. Aus einer dieser Flanken entstand schließlich ein Eckball, in dessen Folge der eingewechselte Igor Cholodenko völlig freistehend per Kopf den Ausgleich erzielen konnte (83.).
Was in den verbleibenden zehn Spielminuten passierte, war an Dramatik kaum zu überbieten. Aussichtsreiche Chancen gab es hüben wie drüben, die erste vergab der Troisdorfer Dennis Herkenrath, der frei vor dem Tor zu hoch zielte (85.). Im Gegenzug war wieder Kurth frei durch, wendete den selben Trick wie bei seinem Treffer an, hatte erneut freie Schussbahn und zielte schließlich knapp am rechten Pfosten vorbei (87.). Eine maßgenaue Flanke Gutts landete auf dem Kopf Schäfers, der nur Zentimeter neben das Kreuzeck zielte (89.). Einen Konter der Gastgeber unterband Torwart Lukas Hörster per Kopf 25 Meter vor dem eigenen Tor (90.+1) und einen Konter des SVL unterband Dimitros Boidanidis am rechten Strafraumeck per Foul.
"Der Lars knallt den jetzt rein und dann hauen wir hier ganz schnell ab" war nun aus Richtung der Leuscheider Bank zu vernehmen. Auf Grund einer Behandlungsunterbrechung dauerte es schier endlose zwei Minuten, bis Freistoßspezialist Lars Vogel endlich zur Tat schreiten durfte. Resultat? Gesagt- getan! Das Geschoss aus gut 20 Metern fiel genau im richtigen Moment wie ein Stein vom Himmel in die Torwartecke (90.+3). Der Leuscheider Jubel kannte keine Grenzen, der verletzte Benedikt Busch rannte mit Sportdirektor Jörg Quadflieg auf den Schultern quietschfidel über den Platz und die grün-weiße Jubeltraube begann sich erst aufzulösen, als sich das Gerücht verbreitete, dass der gut leitende Schiedsrichter Eduard Gaffke das Spiel noch immer nicht beendet hatte. Noch 60 Sekunden lang galt es für das Team von der oberen Sieg, den hellenischen Sturmlauf zu überstehen, bevor schließlich doch noch der Schlusspfiff ertönte.
Ein tolles Fußballspiel und ein wahrer Krimi, der am Ende den auf Grund der größeren Anzahl an Torchancen wohl verdienten Sieger fand.
In der nächsten Woche steht für den SVL ein weiteres Kellerduell gegen den Vorletzten Fortuna Müllekoven an, Hellas Troisdorf reist zum Aufsteiger nach Hangelar.
Hellas: Gruhlke- Psillakis (ab 57. Lalles), Hajdarovic, Apostolidis (C), Boidanidis- El Kounach (ab 77. Herkenrath), Sahin- Khabza, Simeonidis, Minas (ab 67. Cholodenko)- Momand
Leuscheid: L.Hörster- Scheibner, Breuer, Springer, Barth- Güldenring, Schäfer- Amirjan, Vogel, Gutt- Kurth