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Interview

Special Olympics: „die sozialen Kontakte sind wichtig“

Die Special Olympics-Fußballer wollen wieder zu den Weltspielen

von Paul Krier · 03.02.2024, 15:00 Uhr · 0 Leser
Die Fußball der Special Olympics sowie des Heims aus Betzdorf vor ihrem Spiel
Die Fußball der Special Olympics sowie des Heims aus Betzdorf vor ihrem Spiel – Foto: paul@lsn.sarl

Das Fußball-Team der Special Olympics wird von einigen in Luxemburg durchaus bekannten Persönlichkeiten aus dem Fußball betreut. Der ehemalige Wiltzer Spieler Luc „Dupp“ Melchior ist einer von ihnen, George Fernandes und José Marin sind weitere geläufige Namen. FuPa hatte sich letzte Woche mit den Trainer Oliver Schons und eben Luc Melchior unterhalte. Wie in jedem Verein fallen auch bei Special Olympics viele administrative Arbeiten an, wie man erklärte und weswegen man froh ist, sich auf ein großes Betreuerteam verlassen zu können.

Wieviele Spieler betreut ihr im Special Olympics Fußballkader?

Oliver Schons (OS): Wir haben insgesamt zwischen 30 und 35 Spieler im Kader. In die Halle kommen eigentlich mehr zu den Trainingseinheiten und Spielen als draußen. Dort sind es dann so zwischen 20 und 25 Spieler, die pro Einheit teilnehmen.


Wie findet man euch, wenn man vorher noch nicht bei euch dabei war?

Luc Melchior (LM): Man findet uns über unsere Special Olympics-Website, selber mache ich aber auch viel Werbung über das Internet. Das sehen viele Leute, die mich dann entweder direkt kontaktieren oder halt über die Website an uns herantreten. Über unsere eigens für Special Olympics Fußball eingerichtete E-Mail-Adresse kommen regelmäßig Anfragen von Menschen, die gerne zu einem Schnuppertraining vorbeikommen wollen.

Wir schauen uns diese Personen in zwei, drei Einheiten an und wenn es passt, können sie sich einschreiben und von dem Moment an sind sie mit an Bord. In letzter Zeit haben wir viel Zulauf. Es wird irgendwann der Punkt kommen, an dem wir uns eine Obergrenze an Spielern setzen müssen. Wir sind drei oder vier Trainer und mit über dreißig Spielern bedeutet dies viel Arbeit.


Wie werden die Kriterien dafür festgelegt?

LM: Das Benehmen ist ein wichtiger Faktor. Es gab solche Fälle, bei denen das nicht klappte. In letzter Zeit haben wir aber eigentlich niemanden mehr, der Unruhe in der Mannschaft stiftete. Die Betroffenen wurden ein paar mal vorgewarnt und wenn sie ihr Verhalten nicht änderten, wurden sie nach Hause geschickt. Momentan herrscht wirklich eine Harmonie im Team.


Könnt ihr die verschiedenen Grade an Behinderungen für einen Außenstehenden erklären?

LM: Im Großen und Ganzen ist Special Olympics für Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung da oder mit mehrfachen Behinderungen. Es gibt z.B. Personen bei uns, die eine solche geistige Beeinträchtigung haben, zusätzlich zu körperlichen Einschränkungen.

Es sind aber ebenfalls viele sozial schwächere Menschen bei uns, die nie eine richtige Bildung erhielten und die dadurch den Status einer behinderten Person erhielten, um besser durch ihr Leben zu kommen. Sie erhalten auch staatliche Unterstützung.

OS: Diese kommen oft aus einem sozial schwächeren Umfeld, konnten aber durch staatliche Maßnahmen aufgefangen werden, indem sie diesen Status erhielten. Sie profitieren von Sozialplänen und haben Zugang zu Arbeitsplätzen. Das geht von bis: einer unserer Spieler arbeitet z.B. bei einem Buchhalter und darf Auto fahren, hat aber eine leichte Beeinträchtigung eines Armes und der Motorik.

Trainer und Interview-Partner Luc Melchior (l.) und Oliver Schons (M.) sowie Trainer George Fernandes
Trainer und Interview-Partner Luc Melchior (l.) und Oliver Schons (M.) sowie Trainer George Fernandes – Foto: paul@lsn.sarl

Gibt es noch andere Fußballmannschaften wie eure und wenn ja, welche?

LM: In Luxemburg gibt es neben uns aktuell nur noch den FC Betzdorf, der zum Institut St. Joseph gehört. Sie betreiben nach drei Jahren erst seit Kurzem wieder eine Mannschaft. Dies kam durch unsere Einladung zum Turnier im Airdome der FLF und ich habe von der Gelegenheit profitiert, sie auch zu einem Freundschaftsspiel in der Halle einzuladen.

Abgesehen von Betzdorf gibt es aber keine anderen Heime, die eine Fußballmannschaft betreiben. Es gibt zwar Jugendhäuser, in denen sozial schwache Menschen betreut werden, diese trifft man auf Turnieren, doch sie spielen nicht regelmäßig.


Wie oft fahrt ihr für Spiele oder Turniere ins Ausland?

LM: Im Dezember und Januar hatten wir ein ziemlich volles Programm. Wir waren vier Tage in Brüssel bei einem Turnier mit Vertretern aus acht verschiedenen Ländern. Zwei Wochen später waren wir in Hannover (d.Red: FuPa berichtete), doch in den nächsten zwei Monaten ist es wieder etwas ruhiger.


Das Turnier in Hannover stand ganz im Zeichen der Inklusion. Wie lief es dort? Ihr habt ja gegen Teams ohne Beeinträchtigungen gespielt.

LM: Dieses Turnier gab es mit vier voll integrierten Mannschaften mit Behinderungen in der Form davor noch nicht. Leider war diese Idee nicht ideal, da das Turnier einen richtigen Wettkampfcharakter hatte und die zwei Finalisten sich für eine Finalrunde in Niedersachsen mit Teilnehmern anderer solcher Turniere qualifizierten. Dieses Finale ist mit einem hohen Preisgeld dotiert. Die anderen Teams spielten entsprechend mit vollem Einsatz gegen uns.

OS: Wir sind dadurch mehr oder weniger unter die Räder geraten, da die Gegner auf ihrem höchsten Niveau spielten. Es waren z.B. Oberligisten mit am Start, was eigentlich schon alles sagt. Nach hohen Niederlagen waren die Mannschaften mit Handicap dann natürlich frustriert. Wir hatten danach aber ein gutes Gespräch mit dem Veranstalter, der uns auch verstanden hatte und für die nächste Ausgabe Veränderungen vornehmen möchte.

LM: Es wäre gut, wenn wir nächstes Jahr dort ein eigenes Turnier unter den Mannschaften mit Beeinträchtigungen spielen könnten, das haben wir den Organisatoren so auch mitgeteilt.


Wieviel könnt ihr als Fußballtrainer zu anderen Sportarten erzählen, die bei den Special Olympics angeboten werden?

OS: Es werden zwölf Sportarten angeboten, u.a. Radsport oder Basketball, wo Legende Marco „Rocky“ Rock der Trainer ist. Dann bieten wir noch Leichtathletik, Boggia, Schwimmen, Stockschießen und Skifahren an, die gesamte Übersicht findet man auf unserer Website. Für jeden Athleten ist etwas dabei und sie können auch mehrere Sportarten bei uns betreiben.


Wie wichtig ist der Sport bei euch für die Sportler? Geht es nur um den sozialen Aspekt oder spielen auch die Gesundheit bzw. die motorische Entwicklung eine Rolle?

OS: Beides trifft eigentlich zu. Die soziale Bindung und die sozialen Kontakte, die die Athleten über uns knüpfen können, sind schon wichtig. Wenn man zusammen zu einem Turnier fährt, ist es fast so, als ob sie keine Beeinträchtigungen hätten. Das ist sehr wichtig für sie, es ist quasi ihr Leben. Beim Fußball bzw. allgemein bei den Mannschaftssportarten spielen der Zusammenhalt aber auch der Erfolg eine Rolle.


Was sind die größten Veranstaltungen, an denen der Special Olympics Fußball bislang teilgenommen hat?

LM: Alle vier Jahre werden die Weltspiele der Special Olympics ausgetragen und 2019 waren die Fußballer in Abu Dhabi bei diesen dabei. In unserer Leistungsgruppe gewannen wir die Bronzemedaille. Jeder war übermäßig stolz darauf. Sobald unsere Sportler eine Medaille erhalten, sind sie einfach happy.

In Berlin waren wir letztes Jahr als Fußballer nicht dabei, da die Quoten neu festgelegt worden waren. Luxemburg bekam nur 34 Startplätze. Wenn man in dem Fall den Basketball und Fußball gleichzeitig zu den Weltspielen schicken würde, wäre das Gros der Plätze belegt, was natürlich nicht zu verantworten wäre. Deshalb war dort nur der Basketball am Start, doch wir hoffen, dass 2024 in Perth in Australien der Fußball wieder mit darf. Auf dieses Ziel hin arbeiten wir jetzt schon.

OS: Ich möchte auch noch den Gothia Cup in Schweden hervorheben, das generell für Jugendsportler ab dem Alter von zwölf oder dreizehn Jahren bis zu Achtzehnjährigen geht. Dieses Jahr waren dort unglaubliche 1.850 Mannschaften angemeldet, es ist das weltgrößte Jugendfußballturnier. Die Special Olympics spielten dort auch mit zwanzig Teams unter sich gegeneinander. Dieses tolle Event ist hervorragend organisiert, es ist für Jugendfußballer ein wahres Highlight.


Wie kann man Special Olympics unterstützen?

LM: Die Special Olympics werden hauptsächlich durch Spenden finanziert. Wir verfügen über zwei hauptberufliche Stellen, eine im Sekretariat sowie die des Sportdirektors. Es handelt sich dabei um Vollzeitstellen. Der ganze Rest wird ehrenamtlich geleistet. Wir vom Fußball als auch der Basketball haben angefangen, vermehrt im Topf der Sponsoren zu rühren. Das trägt erste Früchte, wir konnten dadurch eigene Trikots und Trainingsanzüge bekommen. Die Finanzierung darf aber nicht ausschließlich auf den Fußball ausgerichtet sein, nicht jede Abteilung hat die nötigen Kontakte.

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