
Es ist eine weit verbreitete Ansicht: Wer unten drin steht, kann besser spielen als der Gegner. Er kann alles geben, wird aber dennoch nicht belohnt. Man hat kein Glück, weder bei der Chancenverwertung noch mit den Schiedsrichterentscheidungen. Beim TSV Katzwang hat diese Theorie am Wochenende neue Nahrung gefunden.
Der Bezirksliga-Neuling steht auf einem Abstiegsplatz und ist nach der 1:3-Niederlage gegen den SV Ornbau kaum mehr zu retten. Das Spiel läuft so, wie man es angesichts der urfränkischen pessimistischen Grundeinstellung erwarten konnte: Katzwang dominiert, Katzwang geht verdient in Führung, vergibt aber beste Möglichkeiten, während Ornbau seine einzige Großchance nutzt. Danach ist das Spiel ausgeglichen. Und am Ende nimmt wieder der Favorit die Punkte mit nach Hause.
Nach 90 Minuten sind die Katzwanger erschöpft, sie sitzen am Spielfeldrand, wirken ausgebrannt, kraftlos, verzweifelt. Einer hat noch genug Energie, um wütende Worte zu finden: der Trainer. Auch Steffen Kircheis hat alles gegeben, ist in der Coaching-Zone auf und ab gerannt und manchmal auch gesprungen, hat geschrien und geschimpft auf vermeintliche und tatsächliche Fehlentscheidungen der jungen Schiedsrichterin — etwa, als in der ersten Halbzeit, beim Stand von 1:0 für Katzwang, der Ornbauer Torhüter einen Distanzschuss zunächst nicht festhalten kann und Daniel Durst abstaubt. Er hatte den Torhüter dabei aber behindert. Beim TSV fühlt man sich erst recht benachteiligt, als in der zweiten Halbzeit, mittlerweile steht es 1:1, der Torjäger Sascha Thiem bei einem Dribbling elfmeterwürdig gefoult wird. Der Pfiff bleibt aus. Dabei waren die Chancen da, man hätte schon in der ersten Halbzeit den Sack zumachen können, doch nur Robert Krauß trifft.
Es deutet sich an, was Carsten Stein, der Abteilungsleiter, schon vor der Partie als Handicap ausgemacht hat: „Die Mannschaft zeigt in den letzten Spielen, dass sie will. Sie sind jung, und ich denke, dass in den entscheidenden Situationen das Selbstvertrauen gefehlt hat. Ich denke, dass die Mannschaft den Klassenerhalt vor allem im Kopf angehen muss.“ Stein hat es vorgerechnet, 18 Punkte sollten es schon sein aus den verbleibenden acht Begegnungen. Vom mathematischen Ansatz hält Trainer Kircheis wenig: „Ich mag nicht rechnen. Wir müssen schon auch mal anfangen, Punkte zu holen. In der Winterpause haben wir gesagt, es gibt 45 Zähler zu vergeben, und 25 brauchen wir. Jetzt haben wir fünf geholt.“ Doch Kircheis will seine Spieler nicht kritisieren. „Die Jungs belohnen sich nicht. Die Jungs sind anständig, die laufen bis zum Schluss, die glauben auch dran. Du musst dieses Scheißspiel mit einer Drecksau-Mentalität gewinnen — dann ist alles gut.“
Zu Saisonbeginn hat der Liga-Neuling gezeigt, dass er erfolgreich Fußball spielen kann, erinnern sich die Verantwortlichen. Im Vorjahr, in der Kreisliga, war ein Mittelfeldplatz angepeilt: „Der Aufstieg kam durchaus überraschend im letzten Jahr, insofern sind wir mit unserem Kader sehr gut gestartet. Gegen Ornbau haben wir im Hinspiel drei zu null gewonnen, standen auf Platz sieben. Dann kam das Verletzungspech“, sagt Abteilungsleiter Stein. Und wenig später eine Serie von neun Niederlagen am Stück.
Auch Trainer Kircheis blickt zurück. Der Kader wurde vor der Saison kaum verändert, doch die Klasse der Spieler sei gar nicht das Problem: „Ich habe die Qualität, aber die musst du auch in 90 Prozent der Fälle zur Verfügung haben. Aber ich muss ständig rotieren. Mein Kapitän war vier Wochen in Vietnam, davor zehn Wochen verletzt. Meine Innenverteidiger, einer ist in Singapur, der andere in Tansania. Stürmer Sascha Thiem hat seit einem Jahr Adduktorenprobleme. Wenn du in dieser Liga bestehen willst, brauchst du alle Mann an Bord.“ 35 Spieler hat er in dieser Saison schon eingesetzt, es spielt kaum einmal die gleiche Elf in zwei Spielen hintereinander. Gegen Ornbau stehen zwei A-Jugendliche in der Startelf.
Kircheis will kämpfen bis zum Schluss und signalisiert, auch im Fall eines Abstiegs in Katzwang weitermachen zu wollen. Abteilungsleiter Stein nennt den Trainer die „liebste Option“ des Vereins, der sich mittelfristig in der Bezirksliga sieht. Doch aktuell spricht nur noch wenig für den Klassenerhalt. Stein zieht eine Parallele zu einem anderen Verein, der dringend Punkte braucht. „Irgendwie geht’s uns gerade wie dem Club.“ Für beide Vereine gilt in der nächsten Saison aller Voraussicht nach die Devise: „Oben mitspielen.“ Dann vermutlich aber eine Liga tiefer.