
REGION. Mit Geduld, Beharrlichkeit und einer Messerspitze Glück: Im Top-Spiel der Bezirksliga Nahe verwandelte der TSV Langenlonsheim-Laubenheim um Trainer Alexander Stumm ein 0:1 in ein 3:1, überholte Rivale Türkgücü Ippesheim, krallte sich den zweiten Platz. An dem weiter auch die TSG Planig hängt, die mit dem 3:1 gegen Alsenztal ihre Mini-Ergebniskrise beendete. Eine wie verhexte Höllenfahrt durchleidet die SG Weinsheim. Sie ist noch immer sieglos. Spektakel pur gab es in Mörschied: Dort zelebrierte der Birkenfelder Marco Orth eine Gala – und knipste fünf Mal.
SG Weinsheim – FCV Merxheim 1:2. – Normalerweise glänzen Torhüter nicht gerade als Assistgeber. Mahsun Kalbisens Abschlag war eigentlich auch keiner mit hohem Gefahrenpotenzial. Ein harmloser geradezu, und sicher nicht geplant als Torvorlage. Im Mittelfeld sprang er zweimal auf, die hoch stehende SGW verschätzte sich, Tobias Demand lief durch und köpfte Kalbisens Bogenlampe, 15 Meter vor dem Kasten, über den zögerlichen Keeper zum 2:0 rein (79.). Von einem „glücklichen Zeitpunkt“ redete Demand, „wenn es Unentschieden ausgeht, ist das okay“. Auf dem holprigen Rasen am Weinsheimer Palmstein stieg eine Kampfpartie, „kein Leckerbissen, aber auf fairem Niveau“, so Demand: FC-Co-Trainer Keven Lang-Lajendäcker hatte den Ball am langen Pfosten über die Linie gedrückt (11.), Timon Rheinländer per Foulelfmeter spät verkürzt (85.), Demand sah die Viktorianer nochmal „unter Druck“. Aber mit dem „besseren Ende für uns“.
Eintracht Kreuznach II – FC Brücken 5:0. – Im Hintergrund hörte man noch dröhnendes Platzgeschrei, als Ercan Ürün von einer „guten Qualität“ schwärmte, „die wir direkt gezeigt haben“. Mit Oliver Rapp, Maik Strunk und Bakary Joof beorderte der Eintracht-Coach gleich drei bockstarke und erfahrene Leute der Verbandsliga-Elf in die Startformation. Mit Wirkung. „Hinten haben wir überragend gestanden, es hätte noch viel höher ausgehen müssen“, bilanzierte Ürün nach einem Duell, in dem Brückens Star Waldemar Schneider „bis auf ein Freistoß zu keinem Abschluss kam“. Ali Jitos Strafstoß eröffnete den Reigen (24.), danach nutzte wieder Jito einen Vorteil nach Foul an Julius Oertel zum 2:0 (44.), ehe Joof (48.), ein brillanter Marvin Mate (53.) und Joker Emil Numanovic (84.) auf 5:0 hochschraubten. Grandios vor allem, wie Ürün anerkannte: Niclas Mörbel, der Schneider 90 Minuten auf den Schlappen stand. „Wir haben endlich Fußball gespielt wie Mitte der letzten Saison.“
TuS Hackenheim – SG Veldenzland 4:1. – Man habe registrieren könne, räumte Markus Rehbein ein, dass „die Schultern runtergehen“. Fabrice Herberger war die Pille über den Scheitel gerutscht, sie krachte ins eigene Tor, 1:1 (63.). Ein Moment des Pechs. Mal wieder, denn davon werden die Hackenheimer bislang öfter heimgesucht. Keine Minute später aber hielt Matthias Hill den Fuß dran (64.). Der TuS wieder im Vorteil. „Das war unwahrscheinlich wichtig für unser Spiel“, wusste Rehbein um den „Schub und die Motivation“. Später kochte Shervan Mamo Veldenzlands Top-Mann Christoph Lawnik ab, legte vor, Nico Gonschoreks Lupfer schlug ein (77.). Ein Hill-Solo machte das zweite Hackenheimer Lebenszeichen perfekt (85.). „Wir haben schon schlechter gespielt und verloren“, sagte Rehbein. „So ist mir das diesmal lieber. Am Ende interessieren die statistischen Daten außer Tore nicht.“ Die SGV hatte mehr Ballbesitz, war stärker – aber ohne Zug zum Gehäuse. Gonschorek hatte das 1:0 erzielt (22.).
SV Türkgücü Ippesheim – TSV Lalo-Laubenheim 1:3. – Das Tor war leer. Verlassen einfach, ein Angebot, das man gewöhnlich nicht ausschlagen kann. Türkgücüs Brian Huth fand sich in einem Wirrwarr von sechs Beinen wieder, inklusive denen des Torstehers, aus 16 Meter trat er an die Kugel, sie kullerte vorbei. Schlüsselmoment. Denn im direkten Gegenzug schlängelte sich „Lalo“ über Außen durch und Lars Keber netzte ein zum 2:1 (83.). So schnell kann’s gehen. „Ich hab‘ immer gesagt, dass wir geduldig sein müssen“, resümierte TSV-Trainer Alexander Stumm. „Weil ich den Eindruck hatte, dass die Ippesheimer nachlassen würden. Sie waren immer gefährlich. Am Ende aber platt.“ Türkgücü-Tormaschine Ekrem Emirosmanoglu hatte einen Konter, durch einen Fehlpass eingeleitet, kalt veredelt (15.), Daniel Secker egalisiert (57.). Nach Kebers 2:1 setzte Malte Quitsch den Schlusspunkt (90.). Eine „klare Sache“, wie Stumm betonte, war das nicht. Türkgücü ging eventuell nur etwas die Puste aus.
TuS Mörschied – SC Birkenfeld 3:7. – An der Kirschweiler Straße begann in Minute 64 die große Show des Marco Orth. Die Flanke segelte in den Sechzehner, der 35-jährige Birkenfelder Spielertrainer fackelte nicht lange, drosch die Kugel volley ins Netz. 3:3. Noch drei weitere Kisten, darunter ein herrlicher Freistoß nach Notbremse und Roter Karte ins Dreieck (69.), innerhalb von nur acht Minuten legte Orth drauf (71., 77.). Ein „Quattrick“ sozusagen, Mörschied zerfiel auf eigenem Geläuf in seine Einzelteile. „Wir sind immer weiter vorne drauf gegangen. Aggressiv. Und wir haben die Räume genutzt“, lobte Orth, der eine „lethargische“ erste Halbzeit seiner Elf sah. Zwar hatte er das 1:0 besorgt (9.) – durch Tollpatschigkeit aber schoss sich der TuS im Derby durch Nico Kunz (14.), Christian Müller (16.) und Alex Fuchs‘ Eigentor (40.) ein 3:1 heraus. „Nach dem Wechsel haben wir alles gegeben. Wie das sein muss, um die Klasse zu halten“, meinte Orth. Kevin Tempels (56.) und Mirsand Kryeziu (85.) trafen noch für den SCB.
TSG Planig – SG Alsenztal. – Uwe Lautermann gab sich in besänftigter Zufriedenheit. Nach drei, teils „katastrophalen“, Pleiten berichtete er nun: „Heute waren die Jungs richtig konzentriert. So, wie es sich gehört!“ Und eben nicht wie in den vergangenen Wochen. Sven Monteiros 1:0 für die SGA (35.) kehrten die Planiger prompt um. Einen Freistoß ließ der Alsenztaler Torwart geradewegs auf den Boden plumpsen, Tobias Klingenschmitt spielte den Nutznießer (38.). Unmittelbar nach Wiederanpfiff bolzte Marc Schmitt das Leder aus 18 Metern passgenau in den Winkel (46.), ein typischer Sonntagstreffer. „Das war wieder ein Schritt nach vorne“, sagte Lautermann, „die Chancenverwertung in den letzten 20 Minuten aber war nicht so gut.“ Aufseiten der TSG bewies nur noch Denis Bischof (76.) seinen Torriecher. Der große Rest der Möglichkeiten: versandet.