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„Schenken unseren Gegnern ein zweites Heimspiel“ – Gefräßige Larven zerstören Fußballplatz

Landsberieder Platz befallen

von Thomas Benedikt · 24.08.2023, 09:43 Uhr · 0 Leser
Versuchen den Platz wenigstens für die Rückrunde fit zu machen: Max Bals (l.) und Sebastian Pleil.
Versuchen den Platz wenigstens für die Rückrunde fit zu machen: Max Bals (l.) und Sebastian Pleil. – Foto: Peter Weber

Seit zwei Wochen läuft die Fußball-Saison schon. Bis der Ball aber auch beim FC Landsberied rollt, wird es dauern. Das Spielfeld ist völlig zerstört. Schuld daran ist ein kurios anmutendes Phänomen.

Landsberied – Von grünem Rasen ist auf dem Hauptplatz des FC Landsberied nicht mehr viel zu sehen. Braune, graslose Stellen überziehen die gesamte Spielfläche. An einigen Stellen ist der Boden durchwühlt und aufgerissen. An Fußball ist hier so schnell nicht zu denken. Eine Prognose, wann wieder gespielt werden kann, mag FCL-Abteilungsleiter Max Bals nicht abgeben: „Das kann im Moment keiner sagen.“

Erst für Folge der Trockenheit gehalten

Angefangen hat das Problem im Juni, während die FCL-Teams in der Sommerpause waren. Dem 35-jährigen Bals fielen immer mehr braune Flecken auf dem Platz auf. „Zunächst habe ich mir nix dabei gedacht“, erzählt der Abteilungsleiter, der das Ganze auf die Trockenheit schob. „Es war extrem heiß und in der spielfreien Zeit wässern wir den Platz auch nicht so stark.“

Einer der Übeltäter: Larven von Mai- und Junikäfern fressen die Graswurzeln, bevor sie selbst zum Leckerbissen für Vögel und Igel werden.
Einer der Übeltäter: Larven von Mai- und Junikäfern fressen die Graswurzeln, bevor sie selbst zum Leckerbissen für Vögel und Igel werden. – Foto: Weber

Doch die braunen Stellen wurden immer mehr und nach Trockenheit sahen sie genau genommen auch nicht aus. Also fing Bals an, im Internet zu recherchieren – und wurde fündig: Engerlinge, also die Larven von Mai- und Junikäfern. Diese schlüpfen in Zyklen von drei bis vier Jahren, wachsen in der Erde heran und fangen an, die Wurzel des Rasens zu fressen. Die Folge: Das Gras zieht kein Wasser mehr aus dem Boden, verliert den Halt und verkümmert.

Tiere durchwühlen den Boden

Der Verdacht des Abteilungsleiters bestätigte sich, als er an einer betroffenen Stelle zu graben begann. „Es dauerte gar nicht lange und ich sah schon vier von den Larven.“ Der Schuldige war gefunden – aber nicht der Alleinschuldige für den Schaden. Denn die Engerlinge stehen auf der Speisekarte von so manchen Tieren: Vögel und Igel durchwühlen den Boden, um an die Larven zu kommen. „Und wohl auch das eine oder andere Wildschwein“, vermutet Bals. Das habe ihm ein befreundeter Jäger bestätigt.

Keine Lösung

Doch guter Rat war teuer. Er habe sich an Schädlingsbekämpfer, Sportplatzbauer und das Landratsamt gewendet, berichtet der 35-Jährige – vergeblich. Die Antwort sei immer die gleiche gewesen: „Es gibt nicht wirklich etwas dagegen.“ Die Landsberieder taten derweil, was sie konnten. „Mit 20 Mann haben wir das ganze lose Gras zusammengerecht und weggebracht“, erzählt der FCL-Abteilungsleiter. Unzählige volle Schubkarren seien das gewesen.

Die letzte Hoffnung ruht nun auf einem Sportplatzbauer, der Bals von einem befreundeten Landschaftsgärtner empfohlen wurde. Mit einer Spezialmaschine wird eine Düngemischung aus Kalkstickstoff in den Boden eingebracht. Die soll die Engerlinge stoppen. Dann muss auch der Rasen neu angesät werden.

Aus der Luft wird das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich. An den braunen Stellen ist das Gras zerstört. Möglicherweise haben Wildschweine ein übriges getan.
Aus der Luft wird das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich. An den braunen Stellen ist das Gras zerstört. Möglicherweise haben Wildschweine ein übriges getan. – Foto: Privat

Wann auf dem Platz wieder gespielt werden kann, ist aber noch völlig offen. Immerhin sei es nicht schlimmer geworden, meint Bals. „Unser Hauptziel war es, den Trainingsplatz zu retten.“ Würde auch der wegfallen, müsste der FCL den Trainings- und Spielbetrieb der Jugend komplett einstellen. Dieses Horrorszenario scheint aber abgewendet.

Der Platz ist in einem erbärmlichen Zustand.
Der Platz ist in einem erbärmlichen Zustand. – Foto: Privat

Die Erwachsenen-Teams brauchen aber dennoch eine neue Spielmöglichkeit. Vorerst haben sich die Landsberieder damit beholfen, alle ihre Partien der Hinrunde auswärts auszutragen. „Die läuft aber nur bis Ende September“, erklärt Bals. Danach müsse man weitersehen. „Im schlimmsten Fall schenken wir unseren Gegnern ein zweites Heimspiel.“

Auch anderer Verein kämpft mit Larven

Eine andere Option wäre das Ausweichen auf den Platz eines Nachbarvereins. Der TSV Moorenweis habe sich dazu bereit erklärt, wie dessen Fußball-Abteilungsleiter Georg Büger bestätigt. „Wir haben einen guten Draht zu den Landsberiedern und haben es ihnen angeboten.“

Zumal die Moorenweiser das Problem mit den Engerlingen kennen. Auch dort ist ein Trainingsplatz betroffen – allerdings nicht so schlimm wie der in Landsberied. „Als die Engerlinge sich bei uns niedergelassen haben, war offenbar nicht mehr die Hauptbrutzeit“, erklärt Büger. „Da sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ (Thomas Benedikt)