2026-06-12T06:52:44.557Z

Interview

»Regionalligafußball ist in ganz Bayern möglich«

BFV-Präsident Dr. Rainer Koch über die Anforderungen der neuen Ligenstruktur

von Sebastian Ziegert · 14.12.2011, 13:46 Uhr · 0 Leser
Dr. Rainer Koch vorm Anpfiff ins neue Ligenzeitalter im FuPa-Jahresinterview. F: imago
Dr. Rainer Koch vorm Anpfiff ins neue Ligenzeitalter im FuPa-Jahresinterview. F: imago

Verlinkte Inhalte

präsentiert von
ZF BKK

BFV-Präsident Dr. Rainer Koch blickt mit FuPa auf ein turbulentes Jahr 2011 zurück. Im Interview spricht der DFB-Vize auch über die Anforderungen der neuen Regionalliga Bayern, den Start ins neue Ligenzeitalter und erklärt, warum er im Rennen um die Nachfolge an der DFB-Spitze frühzeitig abgewunken hat. Nach Meinung des BFV-Oberhauptes ist Regionalligafußball überall in Bayern möglich, aber nur sinnvoll unter bestimmten strukturellen Voraussetzungen.

FuPa: Herr Dr. Koch, ein aufregendes Jahr neigt sich dem Ende zu. Wie sieht Ihr Zeitplan in den nächsten Wochen aus. Bleibt Zeit für ein paar ruhige Minuten?
Dr. Rainer Koch: Die Weihnachtsferien sind für mich jedes Jahr eine nahezu terminfreie Zeit, die ich in diesem Jahr zu einer Reise mit Freunden und meiner Familie nutzen werde. 2011 war ein sehr anstrengendes Jahr für mich, ich freue mich deshalb auf einige ruhigere Tage.

»Jeder Bayern- und Landesligist muss überlegen, welche Liga für ihn sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell machbar ist.«


Mit Spannung erwartet wird in den nächsten Tage und Wochen die genaue Festlegung bzw. die Veröffentlichung der Zulassungsvoraussetzungen für die "neue" Regionalliga Bayern. Sie haben vor wenigen Wochen von einer Einsparung der Kosten für die "neue" Regionalliga von rund 30 Prozent gesprochen. Wie schwer wird es für einen ambitionierten, aktuellen Bayernliga-Verein dennoch die neuen Auflagen zu erfüllen?
Die Zulassungskriterien sind am 10. Dezember vom BFV-Vorstand beschlossen worden, die Unterlagen gehen in den nächsten Tagen an die Vereine, die dann bis zum 1. März Zeit haben, sich zu bewerben. Die neue Regionalliga Bayern wird deutlich geringere Kosten und Anforderungen für die Vereine bringen als die bisherige vom DFB organisierte Regionalliga Süd. Es gibt kein wirtschaftliches Zulassungsverfahren, keine Bankbürgschaft, keine teuren Flutlichtanlagen. Jeder zukünftige Regionalligist muss aber wissen: auch die zukünftige Regionalliga Bayern ist vierte Liga. Sie wird deshalb zwar billiger als die bisherige vierte Liga, gleichwohl aber kostenintensiver und aufwändiger als die bisherige fünfte Liga (Bayernliga) sein. Deshalb muss sich jeder aktuelle Bayernligist und Landesligist selbst überlegen, welche Liga für ihn sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell machbar ist. Die Spielklassenreform ist aus meiner Sicht vor allem deshalb sehr positiv zu bewerten, weil sie auch in den darunter liegenden Ligen von der Bayernliga bis hin zur Bezirks- und Kreisliga positive Veränderungen für die Vereine bringt. So ist zum Beispiel die neue zweigeteilte Bayernliga als fünfte Liga für viele Vereine auch eine sehr erstrebenswerte Spielklasse: Fünfte Liga wie die bisherige Bayernliga, aber zukünftig mit mehr Derbys und geringeren Fahrtstrecken und Kosten.

Jeder Verein, der eine Regionalliga-Lizenz beantragt, wird also sehr genau prüfen müssen, ob er sich die Liga überhaupt leisten kann.
Für die neue Regionalliga gilt: die Vereine werden die organisatorischen und infrastrukturellen Vorgaben des BFV alle erfüllen können, wenn sie in ihren ehrenamtlichen Führungs- und Mitarbeiterstrukturen gut aufgestellt sind. Wirtschaftlich muss jeder Verein selbst prüfen, ob er sich die Liga leisten kann. Generell meine ich: der Amateurspitzenfußball hat dann gute Zukunftschancen, wenn die Vereinsführungen darauf achten, dass die Ausgaben des Vereins die jährlichen Einnahmen nicht übersteigen und dies ihren Spielern und Trainern auch unmissverständlich so vermitteln. Der FC Memmingen hat bewiesen, dass das geht. Was nicht geht, ist Vollprofitum in der Regionalliga. Mehr als maßvolle Aufwandsentschädigungen sind für die meisten Vereine nicht zu stemmen. Das haben die Bayernligavereine und der BFV vor 18 Monaten im "Wendelsteiner Anstoß" exakt so formuliert. Der BFV hat die Rahmenbedingungen für die von den Vereinen gewünschte kostengünstigere vierte Liga geschaffen. Jetzt müssen die Spieler und Trainer noch akzeptieren, dass Regionalligafußball vielerorts in Bayern nur möglich ist, wenn die Personalkosten gegenüber der bisherigen Regionalliga deutlich gesenkt werden. Ziehen Spieler und Trainer entsprechend mit, weil sie sportlich die Chance der vierten Liga nutzen wollen, dann bin ich sicher ist Regionalligafußball in Bayern überall möglich, auch in kleinen Vereinen und Orten wie zum Beispiel in Buchbach.

Sie sind seit wenigen Wochen neben Ihrer Tätigkeit beim BFV und beim DFB auch Präsident des Süddeutschen Fußballverbands. Wie sieht Ihre Agenda für 2012 als Präsident des SFV aus? Welche Aufgaben umfasst dieses Amt?
Bayern, Hessen und Baden Württemberg (mit drei Landesverbänden Baden, Südbaden und Württemberg) machen mit über 67.000 Mannschaften und fast 10.000 Vereinen zusammen knapp 40% des gesamten DFB aus. Im SFV wollen wir die gemeinsamen Interessen aller fünf Mitgliedsverbände bündeln und sportpolitisch gegenüber dem DFB vertreten. Die Anliegen des Amateurfußballs müssen klar artikuliert werden. Der Fußball in Deutschland wird nur dann erfolgreich bleiben, wenn Amateur- und Profifußball unter dem Dach des DFB eng zusammenarbeiten und aufeinander Rücksicht nehmen. Deshalb gilt es dafür zu kämpfen, dass im Rahmen des Grundlagenvertrags zwischen DFB und Ligaverband auch zukünftig finanzielle Transferleistungen des Profifußballs an den Amateurfußball erhalten bleiben.

DFB-Nachfolge: »Mit dieser Konstellation bin ich sehr zufrieden«


Sie sind in der Diskussion um die Nachfolge von Theo Zwanziger als DFB-Präsident ab Oktober 2012 ursprünglich auch ins Gespräch gebracht worden und haben schnell bekräftigt, nicht für dieses Amt zur Verfügung stehen zu wollen. Können Sie kurz Ihre Beweggründe erläutern?
Ich engagiere mich mit großer Freude an der Spitze von BFV und SFV für die Interessen des regionalen Fußballs und arbeite darüber hinaus als DFB-Vizepräsident im DFB-Präsidium engagiert mit. Zusätzlich übe ich mit ebenso großer Freude in einer Halbtagsstelle meinen Beruf als Richter am Oberlandesgericht München aus. Und schließlich lebe ich mit meiner Familie sehr gerne in Poing (Anm. d. Red.: bei München). Mit dieser Konstellation bin ich sehr zufrieden.

Inzwischen ist klar: DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach wird die Nachfolge von Theo Zwanziger an der DFB-Spitze übernehmen. Warum ist Niersbach der ideale Nachfolger für dieses Amt?
Ich habe Wolfgang Niersbach nach Theo Zwanzigers Rücktrittsankündigung sofort unterstützt. Zwischenzeitlich hat er die Unterstützung aller Landes- und Regionalverbände im DFB. Wolfgang Niersbach kennt den Verband wie kaum ein Anderer, er hat glänzende Kontakte zur UEFA, zur FIFA, zur DFL und zu den Medien. Er weiß darüber hinaus um die Bedeutung der Interessen des Amateurfußballs. Es stellt kein Problem dar, dass dort bislang seine Schwerpunkte nicht lagen, denn er ist überzeugter Mannschaftsspieler und wird ganz sicher auf eine eng abgestimmte Zusammenarbeit mit den Regional- und Landesverbänden großen Wert legen. Wir werden bestens zusammenarbeiten.

Revision nach TV-Beweis: »Die Begründung muss stimmen.«


Zurück zu den innerbayerischen, spannenden Themen: Das Sportgericht der Bayernliga hat Erlangens Roland Graf kürzlich nach einer roten Karte aufgrund des "TV-Beweises" freigesprochen. Sie haben Einspruch gegen dieses Urteil eingelegt, warum?
Die Begründung des Urteils entspricht nicht den Statuten. Nach einem Feldverweis ist gemäß den einschlägigen Bestimmungen der FIFA, des DFB und des BFV ein Spieler grundsätzlich für mindestens ein Spiel zu sperren. Eine Ausnahme ist nach ständiger Rechtsprechung nur und allenfalls dann möglich, wenn einem Feldverweis ein offensichtlicher und zweifelsfreier Irrtum des Schiedsrichters zu Grunde gelegen hat. Da das Urteil nicht erkennen lässt, ob ein offensichtlicher und zweifelsfreier Irrtum des Schiedsrichters vorgelegen hat und ob vom Sportgericht der Bayernliga entsprechende Feststellungen getroffen worden sind, wird der Feldverweis nunmehr in der Berufungsinstanz vor dem Verbands-Sportgericht des BFV neu verhandelt. Wie das Urteil dann ausfällt, ist für mich nicht wichtig. Die Begründung muss stimmen, egal ob erneuter Freispruch oder ein Spiel Sperre.

Wann ist mit einem Urteil des Verbandsportgerichts zum Fall "Graf" zu rechnen?
Der Fall Graf steht meines Wissens auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Verbands-Sportgerichts am 20. Dezember. Ob dann bereits ein Urteil fällt, kann ich nicht sagen. Die Sportgerichtsbarkeit entscheidet unabhängig.

Welcher Verein aus den bayerischen Verbandsligen hat Sie in der laufenden Saison sportlich am meisten überrascht?
In der Bayernliga vor allem die beiden furiosen Aufsteiger SC Eltersdorf und der VfL Frohnlach.

Das bayerische Fußballjahr 2012 wartet mit vielen Highlights auf. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Wunderbar, dass Christian Ortlepp und sein Team von bfv.tv den Amateurfußball bislang so toll ins Bild gesetzt haben. Hoffentlich geht es so weiter. Im Moment blicke ich voller Spannung und Vorfreude auf die vielen Relegationsspiele im Frühjahr und dann vor allem auf den Start im Sommer in das neue Ligazeitalter in ganz Bayern.