
TSV Nürnberg-Buch - ASV Vach 1:0
Als in Buch der Anpfiff ertönte, da hatte einer, der bis vor kurzem für dieses Spiel gebrannt hätte, gerade erst die kleine Tribüne in Kornburg verlassen. Ein gewisser Helmut Rahner nahm am Samstagnachmittag auf einer roten Sitzschale am südlichen Stadtrand Platz und beobachtete das Duell zweier Teams, gegen die er bis zum Rückrundenstart noch als Trainer des TSV Buch angetreten war.
15 Spiele hat er seit seinem überraschenden Abgang verfolgt, sagte „Alu“ Rahner, „Jahn Forchheim, SC Feucht, ATSV Erlangen, die Junioren-Bundesligen“. Einfach nur Fußball schauen, „das war in den letzten drei Jahren als Trainer so ja nicht möglich“. Doch einer, der so für den Fußball brennt, kann das nicht, einfach nur Fußball schauen – das verraten die ständigen Notizen, die sich Rahner macht. Er will gewappnet sein für ein neues Abenteuer, will in den nächsten Monaten bei RB Leipzig und „beim Tuchel“ hospitieren.
Ortswechsel, vom Süden in den Norden. 73 Minuten ist das Spiel zwischen dem TSV Buch und dem ASV Vach alt, da kommt Buchs Fabian Schreiner im Zweikampf zu spät. Die Folge: Gelb-Rot. Jörg Litz nimmt seine Kappe vom Kopf und wirft sie mit aller Wucht gegen die Bande. 1:0 führt seine Mannschaft, die er nun im fünften Spiel betreut, zu diesem Zeitpunkt, Martin Weber hatte den TSV nach 19 Minuten in Führung gebracht. Und natürlich drücken die Vacher nun noch vehementer auf den Ausgleich, kurz zuvor hatten sie zwei neue Stürmer eingewechselt.
Doch die „Bucher Jungs“ wollen diesen Sieg unbedingt, wollen, dass die Vacher in der Tabelle wieder ihren Atem spüren. Bei jedem missglückten Schussversuch, bei jeder Grätsche — beinahe im Sekundentakt springt Jörg Litz an der Seitenlinie umher, schreit, klatscht und kickt Wasserflaschen um. Die Vacher Betreuer haben da längst ihr Feindbild ausgemacht, Litz muss sich einiges anhören.
Ein Schüler von Helmut Rahner gibt deshalb aber nicht auf. Und so schreit und klatscht Jörg Litz weiter, noch immer im T-Shirt, obwohl die Temperaturen längst nach einer Jacke verlangen. Die Leidenschaft, die Litz an der Seitenlinie aufbringt, überträgt sich in diesen Minuten auf seine Mannschaft. Die stellt sich mit aller Kraft gegen den Ausgleich, wirft sich in die Zweikämpfe, hat aber auch Glück, weil die Gäste einige klare Möglichkeiten liegen lassen.
Drei Minuten Nachspielzeit, ein paar Flanken in den Bucher Strafraum – und dann ist Schluss. Dritter Sieg im fünften Spiel als Trainer. Als die Mannschaft dies und sich selbst feiert, ist auch Jörg Litz mittendrin, schreit und hüpft. Manchmal, sagt der 32-Jährige kurz darauf, „bin ich dann doch noch zu laut außen, aber da bin ich einfach noch zu sehr Spieler“. Bis vor drei Jahren war dieser Jörg Litz Kapitän des TSV Buch, nach Rahners Demission ist er nun unverhofft auf den Cheftrainer-Posten gerutscht.
Doch der Geist von Helmut Rahner, er lebt in Buch weiter. „Ich lasse nichts auf die Zeit kommen“, sagt Litz, der „vom Helmut viel gelernt hat“. Rahner war es, der dem TSV eine Spielphilosophie eingeimpft hat, der „uns vom Kick and Rush zum Kurzpassspiel gebracht hat“. Zweimal wurde die Mannschaft in der Landesliga so Dritter, zweimal holte sie mehr als 60 Punkte. „Ich glaube, niemand lässt etwas auf ihn und diese Zeit kommen.“
Doch der Streit um die zukünftige Ausrichtung sorgte dafür, dass das Verhältnis mehr und mehr Schaden nahm. In Buch setzen sie seit jeher auf die eigene Jugend, weil das Geld trotz vieler kleiner Sponsoren meist knapp ist. Auch ein Trainingslager wie beim TSV Kornburg beispielsweise war nicht drin. All das geht irgendwann nicht mehr mit dem Ziel Bayernliga zusammen, das Helmut Rahner aber stets verfolgte.
Oder doch? Jörg Litz ist überzeugt, dass es auch mit dem Bucher Weg klappen kann. In der kommenden Saison würden nur wenige aus der eigenen Jugend nach oben kommen, „aber im Jahr danach können wir fünf bis sechs einbauen“. Dann, hofft er, auch in eine Mannschaft, die defensiv sicherer steht. „Wir haben gegen gute Gegner oft zu früh attackiert und sind dann in Konter gelaufen.“ Und so will Jörg Litz in dieser Spielzeit „auf Helmuts Spielsystem aufbauen und dazu noch defensiv sicherer stehen“. Im Sommer übernimmt dann Thomas Adler im Knoblauchsland. Ein Mannschaftskollege von Helmut Rahner aus gemeinsamen Uerdinger Zeiten.
Schiedsrichter: Michael Winkler (Rittersbach) - Zuschauer: 160
Tore: 1:0 Martin Weber (19.)
Platzverweise: Gelb-Rot gegen Fabian Schreiner (72./TSV Nürnberg-Buch/wiederholtes Foulspiel)
Besondere Vorkommnisse: Fabian Schreiner (TSV Nürnberg-Buch) scheitert mit Foulelfmeter an Torwart Alexander Schulz (56.)