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Pius Blatter,FC Schlüchttal: "Alle wissen: Wer diskutiert, zahlt zwei"

In einer Serie porträtieren wir Aufsteiger im Amateursport.

von Matthias Konzok (BZ) · 24.07.2023, 18:30 Uhr · 0 Leser
Pius Blatter
Pius Blatter – Foto: Verein

Nur ein Jahr hat es gedauert. Dem FC Schlüchttal gelang der direkte Wiederaufstieg in die Fußball-Bezirksliga. Man habe "dem Druck standgehalten", sagt der Kapitän.

In einer Serie porträtieren wir Aufsteiger im Amateursport. Heute: der FC Schlüchttal − Aufsteiger in die Bezirksliga. Lange war es ein Dreikampf um die Meisterschaft, am Ende gelang der besten Offensive der Kreisliga A Ost (117 Tore) der direkte Wiederaufstieg. Kapitän Pius Blatter blickt zurück.

BZ: Welcher Satz fasst die Saison am besten zusammen?
Es war keine perfekte Runde, aber in den wichtigen Momenten waren wir da und haben dem Druck standgehalten.

BZ: Mannschaftliche Geschlossenheit vorausgesetzt – was war darüber hinaus ein wichtiger Erfolgsfaktor?
Die Kaderbreite. Trotz Verletzungen waren wir meist 18, 19 Spieler. Als wir letzte Saison abgestiegen sind, waren wir teils elf, zwölf Spieler und ein paar aus der Reserve. Kann man aus dem Vollen schöpfen, sieht man, dass Qualität da ist.

BZ: Die beste Anekdote der Saison?
Beim Hinspiel in Murg habe ich einen Elfmeter verschossen, das kostet eine Kiste Bier. Der Strafstoß musste wiederholt werden, ich verschoss erneut – die zweite Kiste, traf aber im Nachschuss per Seitfallzieher. So waren alle glücklich. Als Kapitän will man ja nur das Beste für die Mannschaft.

BZ: Welchen Moment der Saison werden Sie in besonderer Erinnerung behalten?
Als wir fünf Wochen vor Saisonende in Weizen verloren haben. Unser Trainer Michael Gallmann sagte: Jetzt haben wir die ganze Saison verspielt.

BZ: Welcher Saisonerfolg war der vielleicht wichtigste?
Direkt danach gegen Murg. Sie hatten mehr Spielanteile, wir machen das 2:1 und haben es verwaltet. Und der Sieg die Woche drauf gegen Höchenschwand. Wir schlugen zweimal hintereinander als Zweiter den Ersten.

BZ: Wer war der Spieler des Jahres – nicht nur sportlich?
Nico Reichardt, nicht nur wegen seiner 35 Tore. Beim 4:2 in Wallbach lief er zwei-, dreimal auf den Torwart zu, hätte selbst das Tor machen können – es ging ja um den Torschützenkönig – und er legte den Ball ab. Aber auch Spieler, die nicht so oft zum Einsatz kamen, wie Luis Kolbeck. Auch wenn sie mal mehrere Spiele 90 Minuten auf der Bank saßen, sie nahmen es sportlich – für die Mannschaft.

BZ: Welcher Spieler musste die meisten Kisten zahlen?
Fürs Motzen gibt’s zehn Euro – da ist Nico Reichardt ungeschlagen vorne weg. Und bei den Kisten Michael Selb. Uns fällt immer was ein, wofür man zahlen muss. Einiges steht nicht mal im Strafenkatalog, das entscheide ich dann als Kapitän. Und alle wissen: Wer diskutiert, zahlt grad zwei! Da diskutiert keiner mehr.

BZ: Wer hat sich auf der Aufstiegsfeier als größtes Feierbiest entpuppt?
Die üblichen Verdächtigen: Marvin Kalt, Timon Baumgärtner. Und Timo Burgert, unser alter Herr, hat nochmal alles rausgeholt. Ich war auch vorne dabei. Sie haben zu mir gesagt, ich würde nicht mehr so viel trinken wie früher. Da hab’ ich denen gezeigt, wie es funktioniert. Der Rest musste schon mal einen kleinen Powernap nehmen

BZ: Wer war der größte Fan?
Es ist schwer, da namentlich einen rauszugreifen. Wir haben treue Fans, da kann es auch in der Bezirksliga mal sein, dass 50 Fans mit nach Bad Bellingen fahren.

BZ: Welcher Song passt am besten zur Mannschaft?
"Erfolg ist kein Glück" von Kontra K. Der Song begleitet uns schon länger.

BZ: Welche Auswärtsfahrt werden Sie (nicht) vermissen?
Weizen, da ist es gemütlich und man verbringt noch Stunden dort. In der Kreisliga ist es schon was anderes, man kennt sich mehr. In der Bezirksliga werden auch die Wege länger. Wobei uns auf dem Heimweg nie langweilig wird. Wir müssen an jeder Tankstelle was kaufen. Das kann in Bad Säckingen schon mal eng werden.

BZ: Wo steht der Verein in einem Jahr?
Immer noch in der Bezirksliga. Wir sind schon ein wenig als Aufzugsmannschaft bekannt. Aber wenn wir gut ohne Verletzungen durchkommen und alle mitziehen, dann bleiben wir in der Bezirksliga.

BZ: Wo muss sich der Verein besser aufstellen?
So wie es aktuell läuft, ist es ganz gut. Kleinigkeiten außenrum gibt es immer.

BZ: Michael Gallmann ist ein super Meistertrainer, aber …
er hat schon eine Macke: den Fußball. Er sagt, dass er vor wichtigen Spielen nächtelang nicht schlafen kann. Das nehme ich ihm ab. Ich weiß gar nicht, was er in der Sommerpause ohne Fußball macht.

Pius Blatter (26) ist 2016 aus dem Jugendverein SG Steina-Schlüchttal, wo der Birkendorfer bei den A-Junioren sogar mal im Tor stand, zum FC aufgerückt und als Innenverteidiger gesetzt. Blatter, gelernter Industriemechaniker, steht vor dem Abschluss als Automatisierungstechniker und will den Technischen Betriebswirt angehen.