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Interview

Mit sonnigen Grüßen aus Magdeburg

Niederbayerische Exportschlager: Daniel Steininger (25) +++ Der gebürtige Sunninger ist nach langer Zeit bei der Spvgg Greuther Fürth inzwischen beim 1. FC Magdeburg gelandet

von Helmut Weigerstorfer · 27.08.2020, 13:00 Uhr · 0 Leser
Seit Anfang dieses Jahres läuft der gebürtige Waidler Daniel Steininger für Drittligist 1. FC Magdeburg auf.
Seit Anfang dieses Jahres läuft der gebürtige Waidler Daniel Steininger für Drittligist 1. FC Magdeburg auf. – Foto: Sportfoto Magdeburg
Die Freude ist am Telefon - trotz der weiten Entfernung - fast schon körperlich zu spüren. Nach Monaten der coronabedingten Isolation in Magdeburg kommt bei Daniel Steininger ein gewisses Heimatgefühl auf, als er im Rahmen des "Exportschlager"-Interviews wieder einmal Dialekt sprechen kann. Allein diese Tatsache macht deutlich: Obwohl der gebürtige Sunninger seit einem Jahrzehnt in Fußball-Deutschland unterwegs ist, vergisst er seine Wurzeln im Bayerischen Wald nicht. Das betont der 25-Jährige mehrmals im Gespräch mit FuPa. Darin spricht Steininger über die ersten Stationen seiner Karriere (DJK Sonnen, FC Sturm Hauzenberg, 1. FC Passau), aber auch über seinen jüngsten Wechsel von Franken nach Sachsen-Anhalt.

Daniel, würdest Du Dich als hadernden Menschen beschreiben?
Nein, auf gar keinen Fall. Es gehört zum Fußball, das manches Mal etwas nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Einen Profi zeichnet es im Gegenteil sogar aus, in schwächeren Phasen - die es immer mal wieder gibt - eben nicht zu hadern, sondern stets positiv nach vorne zu blicken.

Hintergrund der Frage: In der aktuellen Phase hättest Du eigentlich allen Grund, unzufrieden zu sein. Mit Deinem neuen Verein, Zweiliga-Absteiger 1. FC Mageburg, blickst Du auf eine enttäuschende Saison zurück - individuell und kollektiv...
...so würde ich das Ganze nicht unterschreiben, nein. Nach einer langen Verletzungszeit bin ich natürlich mit etwas andere Ambitionen nach Magdeburg gewechselt. Wir alle haben es uns anders vorgestellt, als bis zuletzt gegen den Abstieg zu kämpfen. Nach dem Re-Start, also nach einer für jeden Fußballer schwierigen Zeit, haben wir als Mannschaft geschlossene Leistungen gezeigt. Auch persönlich habe ich mich in dieser Phase zurückkämpfen können. Wenn ich an diese Entwicklung anknüpfen kann, sehe ich der Zukunft positiv entgegen.

Kannst Du uns mit etwas Abstand nochmal erklären, warum Du zum Jahreswechsel Deinen Ausbildungsverein Greuther Fürth verlassen hast - und zum ehemaligen Europapokal-Sieger gewechselt bist?
Ganz einfach: Obwohl ich noch Vertrag hatte, hat man einfach nicht mehr mit mir geplant. Mir wurde deutlich gemacht, dass ich nicht die Spielzeit bekommen würde, die ich mir erhofft hätte. In der Folge hat es keinen Sinn mehr gemacht, beim Verein zu bleiben.

»Was in der Vergangenheit nicht war, kann in der Zukunft noch werden«



Hört sich alles ziemlich emotionslos und sachlich an - und das, obwohl Fürth für Dich mehr als nur irgendeine Station ist.
Natürlich geht einem das alles nahe. Immerhin ist Fürth mein Ausbildungsverein, in dem ich den Sprung zu den Profis geschafft habe. Es bringt allerdings nichts, zu hadern - wie ich bereits eingangs erwähnt habe. Es ist vielmehr maßgeblich, das beste aus der jeweiligen Situation zu machen, was mir gar nicht mal so schlecht gelungen ist, wie ich finde.

Ist Magdeburg, verbunden mit dem freiwilligen Gang eine Spielklasse zurück, ein Rückschritt für Dich?
Sicher ist es ein Schritt zurück, zumindest wenn man die Ligazugehörigkeit betrachtet, wobei die 3. Liga nicht zu unterschätzen ist. Aber ich will spielen, das ist das Wichtigste. In der 2. Liga hat es bei Fürth nicht mehr sollen sein, deshalb habe ich mich neu orientiert. Nun liegt es an mir: Mit guten Leistungen kann ich mich wieder anbieten.

Bist Du - um wieder auf das handernde, unzufriedene Element zurück zu kommen – angesichts der Entwicklung Deiner Karriere enttäuscht? Immerhin warst Du mal U19-Nationalspieler...
So, wie es gekommen ist, ist es aus meiner Sicht in Ordnung. Ich habe mein ganzes Leben lang hart dafür gearbeitet, Profi zu werden. Und das habe ich geschafft. Man will als Spieler immer das bestmögliche Erreichen, doch es gibt vielerlei Dinge, die einen Weg beeinflussen können. Aus den gemachten Erfahrungen habe ich viel gelernt und vielleicht hätte ich manches im Nachhein anders gemacht. Mein Fokus liegt auf der Gegenwart und der näheren Zukunft. Ich bin kein Spieler, der satt ist. Ich bin vielmehr gierig, ehrgeizig, will was erreichen. Und was in der Vergangenheit nicht war, kann in der Zukunft noch werden.



Mit 25 Jahren gehörst Du im immer jünger werdenden Profigeschäft fast schon zum alten Eisen. Ist deshalb der Zug für Dich nach ganz oben praktisch abgefahren?
Das stimmt schon, die Spieler werden immer jünger. Das liegt an der besseren Ausbildung heutzutage und auch daran, dass immer mehr Vereine ihre U23 abschaffen. Fest steht aber auch: Hätten diese Talente nicht die entsprechende Qualität, würden sie auch nicht den Sprung in den Profibereich schaffen. Insgesamt ist das Leistungsvermögen maßgeblich, das gilt nach wie vor. Und das Alter ist eine Nebensächlichkeit. Aus diesem Grund ist auch für mich noch alles drin.

Welche Ziele verfolgst Du explizit noch, bis Du – hoffentlich noch nicht so schnell – Deine Fußballschuhe an den Nagel hängst?
Ein Fußballer will den größtmöglichen Erfolg. Lebt er nicht nach dieser Maxime, ist er fehl am Platz.

Hadern mit der Corona-Situation wird auch Dein Heimatverein, die DJK Sonnen, die mit dem Nachbarverein Breitenberg eine Spielgemeinschaft gebildet hat, und aktuell auf Rang 2 steht und vom Aufstieg träumt. Fühlst Du mit Deinen ehemaligen Teamkollegen? Wäre alles normal gelaufen, stünde vielleicht eine lange Aufstiegsfeier hinter der SG...
Immer mal wieder schaue ich nach, was meine Vereine aus der Heimat machen. Dazu gehört neben Sonnen auch Hauzenberg und Passau. Und natürlich kenn ich die Situation der Spielgemeinschaft. Deren Schicksal ist aber kein Einzelfall. Für viele, viele Amateurclubs war Corona ein heftiger Einschnitt. Das Wichtigste in solchen Situation ist es, den Kopf oben zu behalten. Ich hoffe, dass es demnächst wieder normal losgeht bei den Amateuren, und dann wird sich auch vieles wieder zum Guten wenden.

Bereits im Trikot der Spvgg Greuther Fürth ging Steininger auf Tuchfühlung mit seinem künftigen Verein. Sein Gegenspieler hier ist übrigens Marius Bülter, der inzwischen für Union Berlin in der 1. Bundesliga aufläuft.
Bereits im Trikot der Spvgg Greuther Fürth ging Steininger auf Tuchfühlung mit seinem künftigen Verein. Sein Gegenspieler hier ist übrigens Marius Bülter, der inzwischen für Union Berlin in der 1. Bundesliga aufläuft. – Foto: Sportfoto Magdeburg


War aus Deiner Sicht die Bildung einer Spielgemeinschaft die richtige, weil alternativlose Entscheidung?
So genau bin ich nicht mehr in der Materie drin. Klar ist aber, dass ein gewisser Spielermangel herrscht. Um qualitativ ein Wörtchen mitsprechen zu können in Sachen Aufstieg, ist es nicht das Schlechteste, wenn man sich zusammentut. Wenn ich mich so recht erinnere, sind beide Vereine in den vergangenen Jahren nicht über die A-Klasse hinausgekommen. Und warum soll man dann nicht die Kräfte bündeln, um etwas zu erreichen?

Welche Erinnerungen hast Du generell an Deine Jugendzeit in Sonnen, in Hauzenberg und beim 1. FC Passau?
In Sonnen habe ich die ersten Schritte auf einen Fußballplatz gemacht. Beim Sturm habe ich dann die Hauptzeit meiner Jugend verbracht. Und diese Zeit ist ausschließlich mit positiven Erinnerungen verbunden. Wir hatten eine richtig, richtig gute Truppe, die auch überregional für Schlagzeilen gesorgt hat, obwohl uns das keiner zugetraut hätte. In der D-Jugend haben wir Bezirksoberliga gespielt. Wir waren krasser Außenseiter. Am Ende sind wir Vierter geworden. Erinnerungen, die bleiben.

Würdest Du Dich nach Jahren fernab der Heimat weiterhin als Niederbayer, vielleicht sogar als Waidler beschreiben?
Allzu häufig bin ich leider nicht mehr daheim. Seitdem ich in Mageburg wohne, bin ich ja doch 700 Kilometer von der Heimat entfernt. Hinzu kamen zuletzt die ganzen Bestimmungen wegen Corona. Und auch in der neuen Saison wird nur wenig Zeit bleiben, weil viele englische Wochen anstehen. Nichtsdestotrotz fühle ich mich nach wie vor als Niederbayer. Man darf nie seine Wurzeln vergessen. Genauso wird mir der Dialekt immer bleiben.

»Um Profi werden zu können, muss man einfach Opfer bringen«



Bist Du stur? Bist Du bodenständig? Genau diese Eigenheiten werden klischeehaft den Waidlern nachgesagt?
Stur - nein eher nicht. Bodenständig - ja doch. Gerade Bodenständigkeit ist als Profi sehr wichtig. Man darf nie abheben, nie mit sich zufrieden sein. Insofern kommt mir meine Abstammung hier zugute.

Würdest Du im Rückblick alles wieder genauso machen - also bereits im Jugendalter Deine Heimat verlassen, um Dir den Profitraum zu verwirklichen?
Absolut. Ich werfe mir gar nichts vor - vor allem wenn es um meine Jugendzeit geht. Ich habe alles richtig gemacht. Änderungen würde ich vielleicht nur im kleinen Maße vornehmen - und diese hängen alle mit der Erfahrung zusammen. Bei der Trainingssteuerung habe ich beispielsweise dazugelernt.

Du würdest also alle Opfer wieder bringen?
Ja. Will man es aus unserer Region zum Profi schaffen, muss man diese Opfer einfach bringen.

Wie krass ist die Auslese im Nachwuchsbereich der Proficlubs tatsächlich?
Ja, die ist tatsächlich so. Es gibt meiner Meinung nach keinen familiären Proficlub wie sich manche darstellen. Das Profigeschäft ist hart und deshalb hat in diesem Zusammenhang das Wort "familiär" nichts zu suchen.

Für das Kleeblatt absolvierte der 25-Jährige zahlreiche Partien in der Regionalliga Bayern - aber auch in der 2. Bundesliga.
Für das Kleeblatt absolvierte der 25-Jährige zahlreiche Partien in der Regionalliga Bayern - aber auch in der 2. Bundesliga. – Foto: Wolfgang Zink


Wie wichtig ist deshalb Zeit für Zerstreuung?
Sehr wichtig. Freunde außerhalb des Fußballs habe ich in Mageburg bisher nicht finden können. Umso wichtiger sind meine Freundin, die mit mir hierhergezogen ist, und mein Hund. Die Zeit mit ihnen beiden genieße ich schon sehr.

Nach Jahren ausschließlich in Bayern bist Du nun in Sachen-Anhalt aktiv. Lassen Sich Unterschiede feststellen?
Es gibt Unterschiede und Dinge, die sich gleichen. Kulturell gibt es natürlich einen Unterschied zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern. Aber ich muss sagen, auch hier wird hart gearbeitet, die Menschen sind bodenständig, ehrgeizig und fleißig. Damit kann ich mich gut identifizieren.

Das Interview macht deutlich: Bist kein hadernder, sondern ein durchaus positiver Mensch...
Absolut. Ich bin eher der Optimist wie der Pessimist.

Vielen Dank für das Gespräch, Daniel. Dann wünschen wir weiterhin eine ordentliche Portion Optimismus - und das nötige Glück noch dazu.