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Ligabericht

Mildenberg: Schiedsrichter nimmt Elfmeter zurück

MIT VIDEOS: Mannschaft will Strafstoß nicht ausführen und der Schiedsrichter teilt seine Aufwandsentschädigung wegen seiner schlechten Leistung unter den Teams auf

von MOZ.de / Stefan Zwahr · 20.03.2017, 08:42 Uhr · 0 Leser
Dennis Moldenhauer, Kapitän der 1. Männermannschaft der SG Mildenberg 23, traf in Windeseile eine Entscheidung und verzichtete auf den Elfmeter. F: FORZA Bernau
Dennis Moldenhauer, Kapitän der 1. Männermannschaft der SG Mildenberg 23, traf in Windeseile eine Entscheidung und verzichtete auf den Elfmeter. F: FORZA Bernau

Falk Franke kann eigentlich nichts mehr überraschen. Der 56-jährige Trainer des FC Kremmen ist lange im Geschäft. "Ich mache schon ein paar Jahre Fußball. Aber so etwas habe ich auch noch nicht gehabt."

Gleich zwei Erlebnisse der besonderen Art gab es am Sonnabend bei der Kreisoberliga-Partie zwischen der SG Mildenberg und Kremmen. Die Schlussphase lief, als Chris Heilmann in den Strafraum der Gäste eindrang. An der Torauslinie habe er sich im Duell mit Hecht theatralisch fallen lassen, so Franke. "Es hat keine Berührung gegeben." Schiedsrichter Tomy Richter verfolgte die Szene von der Strafraumgrenze aus. "Es fand ein Zweikampf statt. Der Stürmer fällt, obwohl er hätte weiterlaufen können. Es war für mich, als wenn er gerempelt wurde." Der Referee aus Priepert entschied auf Strafstoß - und bekam umgehend ein Zeichen von seinem Assistenten. "Als ich auf dem Weg zu ihm war, kam der Kapitän der Mildenberger zu mir, und sagte, dass es kein Elfmeter war und sie ihn nicht ausführen werden."

Diese Entscheidung hatte Dennis Moldenhauer mit seinem Team in Windeseile getroffen. "Nach dem Pfiff war mir gleich ein bisschen komisch. Dann Michel Christ zu mir und fragte mich, ob wir tatsächlich so ein Geschenk annehmen wollen. Wir haben uns dann schnell im Team besprochen und waren uns einig." Folge: Tomy Richter nahm seine Entscheidung zurück, es ging mit Schiedsrichterball weiter.

Für Falk Franke ein unglaublicher Vorgang. "Das war großer Sport. Wenn sie treffen, sind sie wieder im Spiel. Dann brennt da noch mal der Mond. Darum war das sehr stark. Das macht nicht jede Mannschaft. Und wenn das gerade zwischen Mildenberg und Kremmen passiert, wo es immer brisante Duelle gab, ist das irre. Da haben sie Größe gezeigt."

Auch der 38-jährige Referee war überrascht. "Das war Fair-Play vom Feinsten. Bemerkenswert. Ich bin seit 2008 Schiedsrichter, habe so etwas aber nur im Fernsehen erlebt." Moldenhauer spielt die Szene ein wenig runter. "Selbst nach dem 2:3 hätten wir keine Chance gehabt. Da wäre nichts mehr gekommen. Ich glaube, an dem Tag hätten wir noch Stunden spielen können, ohne zu treffen. Die Chancen hatten wir."

So gewann Kremmen mit 3:1. Doch es gab noch eine weitere Begebenheit. Wenige Minuten nach dem Abpfiff holte Richter die Kapitäne zu sich. Als Marko Reiter zurück in die Kremmener Kabine kam, traute Franke seinen Ohren nicht. "Der Schiri hat sich bei den Mannschaften für seine schlechte Leistung entschuldigt und seine Aufwandsentschädigung zwischen beiden Teams aufgeteilt. So etwas habe ich auch noch nicht gehabt."

Moldenhauer: "Das fand ich gut von ihm. Dabei fand ich ihn gar nicht so schlimm. Er hatte nicht den besten Tag. Die Assistenten haben ihn durch komische Entscheidungen wirr gemacht." Der Unparteiische begründet seine Entscheidung so: "Ich habe den Fehler gemacht, dass ich meine Assistenten nicht eingewiesen habe. Das habe ich auf die leichte Schulter genommen und muss mir das ankreiden. Die Außenwirkung von uns war nicht stimmig. Ich habe mich aus dem Spiel bringen lassen, habe fahrig gepfiffen. Darum habe ich auf das Honorar verzichtet. Ich hätte mich nicht wohl gefühlt und wurde so erzogen. Aus diesem Tag habe ich gelernt und quasi Lehrgeld bezahlt."