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Ligabericht

Mein Bruder, mein Chef

Markus Köhler ist Trainer bei Bayernligist Karlburg, sein Bruder Andreas im Mittelfeld aktiv. Eine Konstellation, die Gefahrenpotenzial birgt. Eigentlich.

von Redaktion · 01.10.2020, 06:00 Uhr · 0 Leser
Seit dieser Saison Trainer bei seinem Heimatverein, dem TSV Karlburg: Markus Köhler.
Seit dieser Saison Trainer bei seinem Heimatverein, dem TSV Karlburg: Markus Köhler. – Foto: Dirk Meier
Brüderpaare, die in unterschiedlichsten Konstellationen für einen Vereine aktiv sind, sind keine Seltenheit - egal ob im Profi- oder Amateurbereich. Dass der eine als Trainer das Sagen hat, die sportliche Verantwortung trägt und somit der Chef des anderen ist, der im Mittelfeld die Fäden zieht, ist dann aber doch eher eine Rarität. Die Rede ist von Markus (33) und Andreas (28) Köhler vom TSV Karlburg. Und obwohl ihr sportliches Zusammenspiel aufgrund ihrer familiären Verbindung Gefahrenpotenzial birgt, ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall...

"Stehen 50:50-Entscheidungen mit seiner Beteiligung an, fallen sie meist gegen ihn aus", gewährt Trainer Köhler sogleich einen Einblick in den sportlichen Umgang mit seinem Bruder. Der Grund hierfür ist aber nicht das fehlende Vertrauen von Markus in die fußballerischen Fähigkeiten von Andreas, sondern vielmehr ein Lob - auch wenn es sich im ersten Moment paradox anhört. Die Erklärung: "Ich weiß, dass er meine Erklärung versteht, wenn ich ihn beispielsweise auf die Bank setze, weil ich ihm meine Ideen einfacher vermitteln kann - eben weil wir uns so gut kennen und die selben Ansichten haben", berichtet der Ältere der beiden - und fügt sogleich mit einem Schmunzeln hinzu: "Und außerdem verlange ich von ihm einfach mehr als von den anderen Spielern."

Um das Verhältnis und das Zusammenspiel der Köhler-Brüder im Detail erklären zu können, muss man etwas weiter ausholen. Obwohl Markus und Andreas fünf Jahre trennen, sind sie im Karlstadter Stadtteil Karlburg praktisch wie Zwillinge miteinander aufgewachsen. "Wir haben eigentlich immer Fußball gespielt - im Hof, im Garten und auf dem Bolzplatz", erinnert sich Andreas. Die für Brüderpaare eigentlich typischen kleineren Streitigkeiten blieben bei den beiden von vorneherein aus. Warum, das können sie sich selber nicht erklären. "Wir haben uns schon immer sehr gut verstanden."

Andreas Köhler gehörte zur Aufstiegsmannschaft der Karlburger - und ist nun auch Leistungsträger in der Bayernliga.
Andreas Köhler gehörte zur Aufstiegsmannschaft der Karlburger - und ist nun auch Leistungsträger in der Bayernliga. – Foto: Hans Will Media/Biff Kraenson


So war Andreas zwar überrascht, als Markus in der vereinsinternen Trainerhierarchie aufstieg und nach dem Bayernliga-Aufstieg des TSV Karlburg die Nachfolge von Patrick Sträßer antrat, weil er zuvor weder vereins- noch familienintern über entsprechende Gespräche informiert worden ist. Probleme hatte der 28-Jährige mit der Installationen seines Bruders als Coach jedoch von Beginn an nicht. Eben, weil sie sich so gut miteinander können, Und eben, weil sie ein von Respekt geprägtes Miteinander pflegen. Das bestätigt auch Michael Gehret, Fußballchef der Unterfranken: "Dass sie Brüder sind, hat noch nie eine Rolle gespielt - im positiven Sinne. Wir haben eine Mannschaft, in der jeder gleich viel wert ist."

Gehret beschreibt Markus und Andreas Köhler mit denselben Eigenschaften. "Sie sind ehrlich, fleißig, ehrgeizig und zielstrebig." Weil der eine, der Trainer weiß, dass der andere, der Mittelfeldspieler, alles für den Erfolg gibt und eine "gewisse im Fußball wichtig Aggression an den Tag legt". Und weil der eine, der Spieler wertschätzt, dass draußen an der Linie einer steht, der ein "akribischer Fachmann" ist, ziehen sich Gemeinsamkeiten in diesem Falle an. Zumal der TSV Karlburg der Heimatverein der Köhlers ist und sie deshalb mit enorm viel Herzblut bei der Sache sind.



So ist es für Markus und Andreas selbstverständlich, auch bei Familientreffen über ihre große Leidenschaft zu diskutieren. "Das Thema wird aber meist von unseren Eltern beispielsweise aufgegriffen, selten von einem von uns beiden", verdeutlicht der Jüngere des Bruderpaares. Weil er inzwischen in Würzburg lebt, gehört Andreas - im Gegenteil zu Markus - nicht mehr dem unmittelbaren Dunstkreis der Familie an. Gemeinsame Fahrten zum Fußball fallen deshalb weg. Einfluss auf das Miteinander der TSV-Köhler hat diese Tatsache nicht - vor allem nicht in der aktuellen Phase der Saison.

Sowohl die Gedanken des Trainers als auch die des Spielers kreisen derzeit einzig und allein um den Abstiegskampf in der Bayernliga Nord. Der direkte Klassenerhalt ist für den Vorletzten der Tabelle fast schon außer Reichweite, stellen beide realistisch fest. Über die Relegation wollen sie im Verbund jedoch dafür sorgen, dass die Bayernliga-Zeit des Aufsteigers kein einjähriges Intermezzo bleibt. "Wir gehen davon aus, dass wir länger bleiben", sagen beide unisono - und meinen damit die Bayernliga und auch den TSV Karlburg. Sie sind sich einig, wieder einmal...