
Marcus Steegmann, neuer Stürmer des Regionalligisten FC Viktoria Köln, durfte am 5. Dezember 2004 für einige Minuten im Derby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 mitspielen. Ihm wäre auch beinahe ein Tor gelungen.
Köln. Wenn einer weiß, wie sich große Derbys anfühlen, dann Marcus Steegmann: Als der gebürtige Kölner am 5. Dezember 2004 nach genau 68 Minuten für Marc-André Kruska eingewechselt wurde und den Rasen des riesigen Dortmunder Fußballtempels betrat, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. An jenem Tag ging für den damals 23-jährigen jungen Mann ein lang gehegter Traum in Erfüllung: Steegmann war leibhaftig beteiligt am Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 — als Fußballspieler der Borussia auf dem Feld vor 83 000 Menschen, die bei seiner Einwechselung lauthals „Marcus Steegmann” skandierten. „Das war unfassbar”, stammelt der Angreifer und scheint sein Glück von einst auch im Jahr 2013 noch nicht so richtig fassen zu können. Die Geschichte ist jedoch noch nicht zu Ende erzählt. Der ehemalige BVB-Profi berichtet über die Ereignisse des größten Fußballspiels im Ruhrgebiet und klingt dabei fast wie ein Radio-Reporter: „Ecke Tomas Rosicky, Steegmann bekommt den Ball exakt auf die Stirn serviert und — Latte. Wahnsinn!” Das Märchen hielt für die Borussia und den eingetauschten Steegmann schließlich kein gutes Ende bereit: Dortmund verlor 0:1, der Vater eines drei Jahre alten Jungen und eines einjährigen Mädchens träumt das Derby jedoch zu Ende und sagt: „Wahrscheinlich hätten sie mich auf einer Sänfte rausgetragen, wenn ich das Ding versenkt hätte.”
Dass der Sohn des einstigen FC-Vizepräsidenten Bernd Steegmann überhaupt in Dortmund landete, war zunächst eigentlich nicht geplant: „Eigentlich wollte ich immer beim 1.FC Köln bleiben”, sagt der Familienvater. Insgesamt zehn Jahre — bis 2003 — durchlief der 1,85 Meter große Stürmer zunächst die Jugendabteilung und dann die Nachwuchsmannschaft des FC — irgendwann geriet der erhoffte Weg in den Profibereich jedoch ins Stocken. Steegmann blickt zurück: „Ich hätte gerne bei den Profis mitgemacht. Diese Möglichkeit wurde mir leider nicht eingeräumt und so musste ich mich verändern.” Der nächste Schritt war für den gerade einmal 22-Jährigen Kölner ein sehr großer, in persönlicher und geografischer Hinsicht: Steegmann entschied sich zu einem Wechsel nach Hamburg zum HSV. Unter Thomas Doll, der damals die Zweitvertretung in Hamburg betreute, avancierte der wuchtige Angreifer schnell zum Stammspieler und durfte auch endlich bei den ganz Großen mitmischen. An der Elbe lernte er Trainer wie Kurt Jara und Klaus Toppmöller kennen, ein Einsatz in der Bundesliga blieb Steegmann aber vorerst verwehrt. Die Reise ging also weiter für den Mann, der nach eigenen Angaben eigentlich „überhaupt kein Vereins-Hopping betreiben” wollte. „Ich brauchte wieder mein Wohlfühl-Umfeld”, erzählt Steegmann und begründet somit seine Entscheidung, sich zurück in den Westen nach Dortmund orientiert zu haben. Beim BVB erlebte der Spieler, der seine Karriere in der Jugend von Blau-Weiß Königsdorf begann, seine fußballerisch erfolgreichste Zeit: „Ich habe fünf Mal Bundesliga spielen dürfen, unter Bert van Marwijk trainiert und Spieler wie Jan Koller, Ewerthon, Tomas Rosicky oder Christoph Metzelder kennenlernen dürfen — was will man mehr?”
Irgendwann im Jahre 2006 beschlich den inzwischen 25-Jährigen ein mulmiges Gefühl: „Da hatte ich schon ordentlich Konkurrenz vor der Nase mit Smolarek, Koller, Ewerthon und Frei. Da wurde die Luft irgendwann dünn”, gibt Steegmann offen zu. Er wechselte zum VfR Aalen. Die nächsten Stationen hießen Unterhaching, Koblenz und 2011 schließlich Darmstadt in der Dritten Liga. In Hessen gelangen dem Stürmer in zwei Jahren immerhin 15 Tore, Darmstadt wollte den Kontrakt mit dem Torjäger verlängern — Steegmann nicht: „Als ich mitbekommen habe, dass Claus-Dieter Wollitz Trainer bei Viktoria Köln wird, bin ich hellhörig geworden. Der Kontakt zu ihm war immer da.” Mit seinen inzwischen 32 Jahren möchte Steegmann vornehmlich den jüngeren Spielern im Kader mit seiner Erfahrung helfen; spielen möchte er aber natürlich auch: „Sicher haben wir hochwertige Jungs in der Mannschaft und der Konkurrenzkampf ist groß. Aber die Saison ist lang und es kann viel passieren.” Und beim Derby gegen die Fortuna möchte Marcus Steegmann natürlich auch dabei sein, dann am liebsten mit einem eigenen Torerfolg. Der blieb ihm 2004 beim Revierderby verwehrt.