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Spielbericht

Laterne, Laterne, Tore & Wurst hab ich gerne

von Jörn Kutschmann · 14.11.2023, 07:51 Uhr · 0 Leser

SG Laterne Berlin – Delay Sports Berlin FZ 5:1

6.Spieltag Landesliga Freizeit Berlin Staffel 1 Saison 2023/2024

Samstag, 11.11.2023 10:30 Uhr

Kokswiese

4 Zuschaue

Ich mag die Aussage "Hoppen muss weh tun" nicht.

Aber als heute Morgen mein Wecker klingelte und mich aus der tiefsten Tiefschlafphase riss, dachte ich mir: "Aber es kann verdammt weh tun!" Mit einer Kombination aus 30 Prozent Motivation, aber 100 Prozent Bock auf den Tag (you know, what I mean?), schälte ich meinen Kadaver aus dem Bett. Eine Kurznachricht von Rónnóur wartete schon auf meinem Handy-Display.

Nachdem ich ihm versichert hatte, gleich auf dem Weg zu sein, wurde der FuPa Live-Ticker umgehend von ihm geblockt. Eine Kaffeetasse später war ich auf der Straße und bahnte mir den Weg zum nächsten Scooter. Mit verschwommenem Blick wegen Schlaf und Augentropfen in der Pupille (ist in dem Alter so) cruiste ich zur U-Bahn. Sowohl dort als auch wenig später in der S-Bahn waren mir viel zu viele Menschen unterwegs. Was stimmt eigentlich nicht mit Menschen, die um kurz nach Neun Uhr an einem Samstag unterwegs sind? Und das ohne Kinder, die immer eine gute Ausrede dafür sind, dass man zum nächsten Rummel, Disney-Film im Kino oder einem Erdbeerhof mit Fahrgeschäften unterwegs ist. Gute zwanzig Minuten vor dem Kickoff verließ ich die S-Bahn am Bahnhof Gesundbrunnen. Ich stieg die Treppen Richtung Behmstraße hinauf, entfernte mit gekonntem Griff einen Sticker aus dem Wald und stand plötzlich direkt vor dem hässlichen Sozialbau, dem einst die Plumpe weichen musste. Genau hier, gegenüber der Tiefgarageneinfahrt zum Gesundbrunnen Center, stand einst Hanne Sobek und sprach sein Bedauern darüber in eine Fernsehkamera aus, dass Hertha BSC seine Heimat hatte verkaufen müssen. Mit einem Kloß im Hals setzte ich meinen Weg fort und zermarterte mir den Kopf darüber, wie man ein Stadion so vermissen kann, obwohl man es nie live zu Gesicht bekommen hatte. Das nächste komische Gefühl beschlich mich, als ich durch die Vegetation des NNW-Platzes sah, dass dort Zuschauer auf den Steinstufen standen. Das angepeilte Spiel wird doch wohl nicht doch den NNW-Platz gelegt worden sein? Nein, Entwarnung. Dort spielten einige Jugenden von Viktoria Mitte, die durch ihre vielen Mannschaften ja Hertha III dort verdrängt hatten. Eigentlich eine absolute Frechheit, die darin gipfelt, dass das Vereinscasino "Viki Plumpe" genannt wird. Natürlich ist das Namensschild in Rot-Weiß gehalten. Es gibt wenig, was ich mehr hasse, als Ungenauigkeiten. Und gerade im Fußball macht mich sowas wahnsinnig. Dieser Platz hier hieß nie Plumpe, und selbst wenn, wäre hier nichts in Rot & Weiß gehalten gewesen. Das Einzige, was mich noch mehr nervt, als solche Verfehlungen, sind Influencer, die den Fußball als Werbefläche missbrauchen. Und das bringt mich direkt zum heutigen Spiel der Freizeitliga: Delay Sport hat mittlerweile nicht mehr nur eine erste und eine zweite Mannschaft, sondern auch eine Truppe in der Freizeitliga. Vermutlich alles Spieler, die unter 1K Followern haben? Allerdings scheinen die Jungs kicken zu können, denn sie kamen mit 5 Siegen aus 5 Spielen, 17 geschossenen und nur 4 kassierten Toren auf die Kokswiese. Der Gegner, mit dem klangvollen Namen SG Laterne Berlin e.V., dümpelte dagegen im Mittelfeld rum. Doch die in Blau gekleideten Laternen spielten von Beginn an einen guten Ball und forderten ihren Kontrahenten stark. Vielleicht lag es daran, dass heute St. Martins Tag war, und eine Laterne nun mal eines seiner Hauptmerkmale ist. Die Freizeit-Influencer schienen jedenfalls sehr überrascht von der Stärke ihres Gegners zu sein und ließen sich immer weiter nach hinten drängen. So war es nach 26 Minuten einer der ziemlich groß gewachsenen Laterne-Spieler (quasi eine Laterne der Laternen), der zum 1:0 traf. Kurz vor der Pause war es der nächste Riese, der zum 2:0 einköpfte. Und mit der letzten Aktion vor dem Pausenpfiff fiel sogar das 3:0. Mit dieser verdienten Führung ging es für die Mannschaften in die Kabinen und für uns zum Essenholen. Durch die ganzen Kids der Viktoria aus Mitte gab es hier Bratwurst, Süßkram und frische Waffeln. Rónnóur entschied sich für eine Waffel. Ob er nur Angst hatte, dass das Grillgut rein vegetarisch war, denn so sah es auf den ersten Blick aus, oder ob die süße Verkäuferin der süßen Backware seine Motivation war, konnte bis zum Redaktionsschluss nicht geklärt werden. Ich wollte dagegen eine Wurst. Das wäre nämlich eine absolute Premiere für mich: Eine Bratwurst beim Freizeitfußball. Allerdings dauerte die Zubereitung ewig. Der Grillmeister, der die Würstchen hier drehte, als wolle er sie mit Reibungsenergie erhitzen, war vom Aussehen her noch lange nicht volljährig, und erst als ein silber behaarter Senior sich der Sache annahm, bekam ich mein Essen. Was soll ich zum Geschmack sagen? Das Ding lag gefühlte Stunden auf einem viel zu kalten Grill, und als ich mir beim Essen in die Zunge biss, schmeckte das besser, als das, was ich im Brötchen hatte. Die zweite Halbzeit lief schon, als ich mein Würstchen komplett runtergewürgt hatte und die Laternen hatten den Gegner im Würgegriff. Sie erzielten nach 65 Minuten das 4:0 und in der 84. per Elfmeter das 5:0. Damit hatten sich Delays Gegentore mehr als verdoppelt. In dieser Phase des Spiels kam von den Gästen so wenig, dass der Laterne-Keeper sich damit beschäftigen konnte, ein paar Kinder anzubrüllen, die ständig ihren Ball aufs Feld rollen ließen. Am Ende nervte ihn die ganze Sache so heftig, dass er den Kinderball wegdrosch. Rónnóur und ich hatten derweil Zeit, uns über die Zuschauer einen Kopf zu machen. Wirklich über 90 Minuten verfolgt hatten das Spiel, nach unserer Zählung, drei Zuschauer. Allerdings waren vier in der App eingetragen... Sachen gibt es... Die angehenden Insta- und YouTube-Stars kamen kurz vor dem Ende noch zum 5:1, aber dann war hier auch Feierabend. Glücklich darüber, diesen Platz endlich gekreuzt zu haben, verabschiedeten Rónnóur und ich uns erst einmal. Er hatte private Verpflichtungen und ein Date mit dem Mittagschlaf, und ich überlegte, ob ich weiter zum nächsten Spiel fahren sollte. Allerdings erst nach einem Zwischenstopp an der heimischen Keramik. Der Herkules-Grillteller von gestern Abend und die Bratwurst von vorhin nutzten meine Gedärme offenbar zum Einkriege spielen.