2023-09-26T10:19:04.334Z

Vereinsnachrichten

König Fußball war der eigentliche Sieger

Als die Paarungen für die Zweite Hauptrunde des Bitburger Kreispokals feststanden, ereilte die Verantwortlichen des SV Rot-Weiß Queckenberg ein verzweifelter Anruf aus Flerzheim. Der kunstrasenverwöhnte A-Ligist hätte gern das Heimrecht getauscht… Nun ja, gewissermaßen kann man das verstehen; denn wer möchte schon in der ausgedünnten Höhenluft, auf Asche und vor den Augen eines positiv bekloppten Bergvölkchens antreten. Aber genau diese Aspekte ließen keine andere Entscheidung zu als die Ablehnung des großzügigen Angebots, das Spiel auf Kunstrasen auszutragen.

Ein jeder, der zu dieser Pokalnacht den Mount Queck erklomm, durfte einsehen, dass es gar keine Alternative zu diesem Vorgehen gab. Als der souveräne Jürgen Schuster die Partie anpfiff, war der Zuschauerbereich proppevoll. Eine gefühlte Hundertschaft aus dem ganzen Rheinbacher Umland war angereist, um sich diesen vermeintlich ungleichen Pokalfight nicht entgehen zu lassen, darunter einmal mehr die stimmgewaltigen-Gute-Laune- Ultras der RWQ-Reserve. Die Schimmel-Bures-Buben nahmen gleich mal richtig Fahrt auf und ließen ihren Gegenspielern nicht einen Millimeter Raum für deren Entfaltung. Während der favorisierte Gast versuchte, das temperamentvolle Queckenberger Kampfgeschwader mit Sachlichkeit und Ruhe auszuhebeln, gelang es diesem mit seinen Hurra-Attacken in der ersten Viertelstunde immer wieder, im FC-Strafraum aufzutauchen. Doch leider war es nicht vergönnt, die so sehnsüchtig erhoffte Überraschung herbeizuführen. So blieben auch drei vielversprechende Standards ungenutzt, um den Goliath in Wanken zu bringen. Dagegen verwertete dieser nach 18 Minuten seine bis dato einzige Halbchance zur Gästeführung, um nach 34 Minuten per Foulstrafstoß zu erhöhen. Bis auf diese beiden Momente, in denen die individuelle Überlegenheit der Halbprofis zwar kurz aber auch absolut edel aufflackerte, genossen die Fanscharen ein abwechslungsreiches, tempogeladenes Pokalderby von beiden Seiten, bei dem zu keinem Zeitpunkt der RWQ ins Wanken geriet. Immer wieder wurde gefällig über Klemm, Wappenschmidt oder Leifer von hinten heraus aufgebaut und dann über Sommer, Bures, Paffenholz und Schmitz die rot-weiße Haubitze geladen. Lediglich die Feinjustierung und ab und zu die Kaltschnäuzigkeit fehlten, um von dem süßen Nektar eines Tores naschen zu können.

Wer glaubte, dass in den zweiten 45 Minuten bei den Kerlen von der Madbach die Kräfte schwinden würden, wurde bis in die Nachspielzeit durch die emsig und spritzig agierenden Queckies eindrucksvoll widerlegt. Zwar nutzten die Gäste nach 55 Minuten ihre erste wirkliche Großchance und erhöhten auf 3:0. Doch betrachtet man die Spielanteile, muss man weiterhin von einem Vergleich auf Augenhöhe sprechen, bei dem der Unterschied von zwei Spielklassen zu keinem Zeitpunkt erkennbar war. Es wurde eben nicht der berühmte Friedhelm-Funkel-Beton angerührt und mit heruntergeklapptem Helm aufopferungsvoll verteidigt. Vielmehr nahm man aktiv über die volle Distanz am Spiel teil, suchte selbst immer wieder attraktiv über Doppelpässe und gar manche raffinierte One-Touch-Kombination den Weg nach vorn. Auch das 4:0 (62.) brachte den Außenseiter nicht aus seinem recht galanten Spielkonzept. Und 120 Sekunden später war es dann endlich soweit. Kurz hinter der Mittellinie erzwang Paffenholz einen Fehlpass, eroberte die Kirsche und spitzelte diese halbhoch in den Sechzehner. Dort lauerte Strafraumungetüm Ring und ließ das Bällchen von seiner Rübe auf Bures abtropfen. Der rot-weiße Boss tänzelte und schlängelte sich durch den gelben Abwehrstangenwald und schmeichelte die Kugel mit dem Außenrist zum hochverdienten Ehrentreffer.

Nach dem Abpfiff sah man einen mächtig stolzen Übungsleiter, der jeden seiner Jungs inklusive der Verstärkung um A. Watty und Jörger in den Arm nahm und seinen Musterschülern für eine herausragende Leistung auf die Schultern klopfte. Ein bisschen musste einem Dennis Clasen leidtun. Der Keeper hatte keine einzige Möglichkeit sich auszuzeichnen. Alle Gegentreffer waren absolut unhaltbar und bis auf diese Einschussmöglichkeiten ließ der von Uygur und Coskun hervorragend organisierte rot-weiße Widerstand keine weiteren Chancen zu.

Wenn man an diesem herrlichen Fußballabend überhaupt irgendetwas kritisieren sollte, dann war es die penetrante Art und Weise der Gäste, wie sie ihren Anspruch auf die Hälfte der Zuschauereinnahmen kommunizierte. Als ob ohne diesen Obulus die Lizenz für die A-Klasse in Gefahr sei, wurde ein Funktionär abgestellt, der wie ein Schattenmann jede Aktivität bezüglich des Eintrittsgeldes überwachte. Dabei sei erwähnt, dass bei einem Tausch des Heimrechts mit den Millionarios ein solches Zuschauermeer in Flerzheim niemals begrüßt worden wäre. Trotz dieser etwas peinlichen und absolut unnötigen Aktion wünschen wird der Boutziri-Truppe, die jederzeit fair und absolut positiv aufgetreten ist, eine erfolgreiche Saison 2020/21.
Aufrufe: 012.9.2020, 12:20 Uhr
Daniel KunzeAutor