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Querpass

Keckes Düdelingen schnuppert an einer Sensation

Europa-League: Dino Toppmöllers F91 führt beim AC Mailand mit 2:1, muss sich dann aber den Rossoneri noch mit 2:5 beugen. UPDATE

von Andreas Arens · 30.11.2018, 02:21 Uhr · 0 Leser
Erneut haben sie den AC Mailand geärgert, phasenweise sogar noch weitaus mehr als beim knappen 0:1 zum Auftakt der Gruppenphase der Fußball-Europa-League: Im Rückspiel führte der Luxemburger Underdog vom F91 Düdelingen zwischenzeitlich mit 2:1, kassierte dann aber ab der 66. Minute vier Treffer binnen knapp einer Viertelstunde und ging vor 15521 Zuschauern im Giuseppe-Meazza-Stadion noch mit 2:5 unter. „Das war bis Mitte der zweiten Hälfte ein Riesenspiel von meiner Mannschaft. Wir haben Milan enorme Probleme bereitet. Erst als sie ihre physischen Vorteile ausspielen konnten, sind sie besser zum Zuge gekommen“, zeigte sich F91-Trainer Dino Toppmöller sehr beeindruckt vom kecken Auftritt seiner Mannschaft.

Diese hatte sich auch von der schwungvollen Anfangsoffensive des dreifachen Champions-League-Siegers und dem 1:0 durch Patrick Cutrone (16.) nicht beeindrucken lassen. Die von 600 Fans aus dem Großherzogtum, aber auch etwa aus der Region Trier unterstützten Gäste setzten immer wieder offensive Nadelstiche. Das 1:1 entsprang einer deutschen Co-Produktion: Nach Ecke des früheren Dortmunder Bundesligaprofis Marc-André Kruska traf Dominik Stolz per Vollspann-Dropkick aus elf Metern (38.).

Stolz verpasst das 3:1 für Düdelingen

Es sollte noch besser für die Düdelinger kommen. Wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff ging der luxemburgische Meister durch den platzierten Schuss von Dave Turpel gar mit 2:1 in Führung (49.). „Wer weiß, wie sich das Spiel entwickelt, wenn wir wenig später sogar mit 3:1 in Führung gehen“, merkte Trainer Toppmöller an und meinte damit die große Möglichkeit von Stolz. Der 18-Meter-Schuss des früheren Zweitligaspielers des SV Sandhausen strich nur haarscharf am Mailänder Tor vorbei.

Die Rossoneri forcierten dann das Pressing, hatten aber auch Glück bei den nun folgenden vier Treffern. Nach Flanke von Hakan Calhanoglu senkte sich der Ball von F91-Verteidiger Stelvio Cruz ins Düdelinger Netz (67.). Drei Minuten später war der bei Waldhof Mannheim und dem Karlsruher SC großgewordene und später beim Hamburger SV und in Leverkusen aktive Calhanoglu per Fernschuss erfolgreich. Dann unterlief auch noch Tom Schnell nach einer Calhanoglu-Flanke ein Eigentor (77.). Fabio Borini machte für das vom 2006er Weltmeister Gennaro Gattuso trainierte Milan endgültig alles klar (80.).

"Schade, unterm Strich bin ich schon ein wenig enttäuscht. Wenn wir hier nicht so viele Fehler machen, können wir vielleicht sogar punkten", sagte Dominik Stolz. Was dem in Trier-Feyen lebenden, 28-Jährigen bleibt, ist die Erinnerung an das "geilste Tor in meiner bisherigen Fußballer-Laufbahn - in solch einem Stadion zu treffen, ist schon etwas Außergewöhnliches". Mit Hakan Calhanoglu, den er über einen gemeinsamen Bekannten kennt, tauschte Stolz nach dem Spiel auch das Trikot.

Toppmöllers besonders emotionales Duell

Für Dino Toppmöller war das Gastspiel im Giuseppe-Meazza-Stadion nicht nur wegen des spannenden Spielverlaufs ein besonders emotionales Duell – schließlich schwärmte der heute 38-Jährige einst als Teenager für den AC mit seinen damaligen Stars wie Marco van Basten und Ruud Gullit.

Mit „viel Stolz“ konnte sich Toppmöller nun aus Mailand verabschieden. Lob gab es auch vom Gegner. Deutlich wurde das in den Statements des Torschützen Calhanoglu („Riesenrespekt, was Düdelingen hier in der ersten Hälfte geleistet hat.“) und von Coach Gattuso, der wiederum betonte: „Düdelingen ist eine Mannschaft, die eine Stunde lang sehr gut spielen kann.“

Im finalen Spiel der Gruppenphase hat es der weiter punktlose F91 am Donnerstag, 13. Dezember, ab 21 Uhr, im hauptstädtischen Josy-Barthel-Stadion mit Spitzenreiter Betis Sevilla zu tun. "Da ist auf jeden Fall ein Punkt drin, zumal Betis ja schon durch ist", hat Stolz die Hoffnung, mit dem F91 im Konzert der Großen doch noch etwas Zählbares zu ergattern, nicht aufgegeben.