
Von Maximilian Pefestorff (Volksstimme)
Kontinuität durch Vielfalt: Seit Jahren setzten die Kreisoberliga-Fußballer vom Möckeraner TV erfolgreich auf die Integration ausländischer Spieler in den eigenen Nachwuchs- und Erwachsenenmannschaften und stellen damit unter Beweis, dass der Fußball interkulturelle Hürden überwinden kann.
„Zusammenhalt im Team, Disziplin und Pünktlichkeit sind die Voraussetzungen“, erklärt Mario Müller. Der Fußball-Abteilungsleiter des Möckeraner TV hatte mit seinem Verein schon früh begonnen, Geflüchtete zu integrieren. Bereits 2016 brachte der damalige Trainer Fred Reinholz den Stein ins Rollen, als Kontakte zu einem Flüchtlingsheim im Nachbarort Stegelitz aufgebaut wurden. „Fred wurde damals von der Leitung angesprochen, ob die Möglichkeit besteht, ein Fußballtraining für die jungen Flüchtlinge anzubieten“, erinnert sich Müller.
Nach weiteren positiven Gesprächen entschied sich die MTV-Vereinsleitung, mit den Äthiopiern Firomsa Tamaan, Boonsaa Anwaar, Ibsaa Anwaar sowie Trail Demic aus dem Senegal, die ersten geflüchteten Jugendlichen ins Mannschaftstraining der damaligen C-Jugend aufzunehmen. Dabei war besonders das erste halbe Jahr von vielen Herausforderungen geprägt. „Durch die sprachlichen Barrieren und kulturellen Unterschiede entstanden nicht selten Unsicherheiten auf beiden Seiten. Nur durch viele Gespräche konnten wir damals die Probleme lösen“, berichtet Müller über die schwere Anfangszeit.
Dass es dem MTV schlussendlich gelang, verschiedene Nationen zu einer Gemeinschaft zu entwickeln, macht der Abteilungsleiter auch an weiteren wichtigen Aspekten fest: „Es muss klare Regeln im Miteinander geben. Dazu gehört auch, dass im Verein und in der Kabine nur deutsch miteinander gesprochen wird“, so Müller. So entwickelten die Neumitglieder bereits nach wenigen Wochen deutliche sprachliche Fortschritte, die den Alltag und auch den Einstieg in die Berufswelt erleichtern. „Boonsa hat sogar eine Lehre angefangen“, berichtet Müller stolz. In der Zwischenzeit wurde mit dem Kinderheim in Lüttgenziatz eine weitere Kooperation aufgebaut, die auch gegenwärtig noch aktuell ist. „Die Zusammenarbeit hat sich seit Jahren bewährt“, schätzt Müller die gemeinschaftliche Arbeit mit der Einrichtung.
Mit den positiven Beispielen aus dem Nachwuchsbereich hielt die Integration von ausländischen Spielern auch im Männerbereich nur wenige Monate später Einzug. Durch den damaligen Trainer Joachim Meilchen entstand ein weiterer Kontakt zur theologischen Hochschule in Friedensau, die auch auswärtige Studierende besuchten. „Dadurch, dass die Studenten schon an der Hochschule gut integriert waren, verlief die Aufnahme in die Herrenmannschaft unkompliziert“, sagt der Abteilungsleiter. Mit Spielern aus Ghana, Äthiopien, Somalia, Sierra Leone, Chile, Brasilien, Syrien und zuletzt aus der Ukraine hat die MTV-Fußballabteilung insgesamt acht verschiedene Nationen in den vergangenen Jahren willkommen geheißen.
Entscheidenden Anteil am Erfolg haben die Übungsleiter. „Angefangen von der F-Jugend bis zu den Herren leisten unsere Trainer hervorragende Arbeit. Ich ziehe den Hut vor unseren Nachwuchstrainern Stefan Schultz (F-Jugend), Domenic Meyer und Andy Wagner (beide E-Jugend), Rene Hunger (D-Jugend), Daniel Hermann und Marius Müller (beide C-Jugend). Sie gehen den eingeschlagenen Weg mit und sind wichtige Pfeiler“, zeigt sich Müller, der selbst für die D-Jugend mitverantwortlich ist, stolz.
Mehr als zufrieden ist man beim MTV auch mit der Tätigkeit von Patrick Busse als Trainer der Männermannschaft. „Aktuell haben wir sechs verschiedene Nationen vereint, daher ist es nicht leicht, die unterschiedlichen Kulturen zusammenzubringen. Patrick hat es aber geschafft, dass die Mannschaft als Einheit agiert“, so Müller lobend. Dass die interkulturelle Gemeinschaft auch außerhalb des Platzes funktioniert, zeigt sich unter anderem auch in gemeinsamen Arbeitseinsätzen. „Wir legen Wert darauf, dass jedes Mitglied gleichbehandelt wird. Dass bedeutet auch, dass es keine Ausnahmen gibt hinsichtlich der Beitragsordnung oder im Ableisten von Arbeitsstunden“, so Müller. Das Beispiel des MTV zeigt, dass Integration über den Sport gelingt, wenn der Ball erst einmal ins Rollen gekommen ist. Den Anstoß geben dabei häufig schon kleine Dinge.
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