
Im gereiften Alter von mittlerweile 34 Jahren erlebte Patrick Sofian Ghigani bis vor wenigen Monaten in Indonesiens Premier League seinen zweiten fußballerischen Frühling - zum Abschluss einer tollen Profikarriere. Schon im ersten Jahr "down-under" zauberte sich Ghigani in die Herzen der Fans - wurde bester Vorbereiter der Liga und ein Jahr später sogar zum Spieler des Jahres in Indonesien gekürt. Auch wenn der indonesische Fußball im internationalen Vergleich nicht den ganz großen Stellenwert genießt, weiß Ghigani: "Durch die ausländischen Spieler ist in Indonesien eine sehr große Euphorie entstanden. Du hast einen Lee Hendrie, Ex-Aston Villa, Jesper Blomqvist, der mit Manchester United 1999 die Champions League gewonnen hat. Ein Startrainer wie José Basualdo, der mit Diego Maradona in der argentischen Nationalmannschaft gespielt hat. Jedes Wochenende werden drei Live-Spiele im Fernsehen gezeigt. Mehr als 30.000 Zuschauer tummeln sich im Schnitt in den Stadien. Potenzial ist absolut vorhanden."
Wäre da nicht die Problematik zwischen Liga und Weltverband FIFA. Diese stellte dem indonesischen Fußball bis zum nächsten Treffen am 20. März 2013 ein Ultimatum. Das Problem: In Indonesien herrscht ein Machtkampf zweier Verbände. So entstand das schier Unmögliche: zwei parallel ausgetragene erste Profiligen. Die Premier League, in der auch Ghigani spielte, und die Super League. Trotz Option auf eine mögliche Vertragsverlängerung wurde Ghigani diese vertrackte Situation sprichwörtlich zu heiß, ein weiteres Engagement wäre letztlich zum Spiel mit dem Feuer geworden, erklärt er: "Ich bin jetzt 34, habe unter anderem in Griechenland und Tunesien gespielt und weiß, was es heißt, ohne die FIFA dazustehen. Dann kannst du auf gut Deutsch mit deinen Verträgen die Wände tapezieren". Die Entscheidung wieder nach Deutschland zurückzukehren, fiel Ghigani trotzdem alles andere als leicht. "Die Leute selbst haben dort wenig. Aber mit ihrer Begeisterung für den Fußball investieren sie wahnsinnig viel. Dimensionen, die man hier in Deutschland nicht kennt. Für ein Charity-Spiel gegen Inter Mailand war schon Monate im Voraus TV-Werbung zu sehen. In der Hauptstadt Jakarta hingen Riesenplakate". Mit den Stars von Inter Mailand und dem Konterfei von Patrick Ghigani.
Zur "Winterpause" kehrte der gefeierte indonesische Star nun aber Glanz und Glamour den Rücken. Der mittlerweile zweifache Familienvater hat sich in Olching, im Münchner Nordwesten, ein Haus gekauft und kickt nun wieder für seine "alte Jugendliebe", die SpVgg Feldmoching in der oberbayerischen Bezirksliga Nord. So schön seine 14 Jahre im Profifußball bei LR Ahlen, Kickers Emden, der SpVgg Unterhaching, oder später beim griechischen Klub FC Panargiakos, danach in Tunesien oder zuletzt bei Persiraja Banda Aceh in Indonesien auch waren - Ghigani blickt nach vorne, möchte gewappnet sein für die Zukunft. "Du darfst dich ja heutzutage gar nicht festlegen. Ich muss alles das nutzen, was ich mir über die Jahre hinweg an Kontakten und Netzwerken aufgebaut habe". Langfristig gibt es für ihn nur ein Ziel: "Ich möchte mich im Fußball-Geschäft etablieren. Ich schnuppere aktuell bei meinem früheren Berater Heli Richter in seine Spielerberater-Agentur rein und habe mich auch in Oberhaching für den Trainerschein eingeschrieben. Man muss abwarten, was noch kommt". Abwarten was kommt, muss man bei der SpVgg Feldmoching nicht mehr. Der Coup ist gelungen und Patrick ist wieder zuhause.
Dabei hatte der 34-Jährige im Dezember noch die Möglichkeit nach Thailand zu wechseln und für Bangkok United zu spielen. Doch für Ghigani ist es an der Zeit andere Prioritäten zu setzen. Endlich wieder zuhause zu sein, macht ihn glücklich: "Ich bin ein Feldmochinger. Ich kenne das Umfeld, es ist mir sehr vertraut. Jedes Mal, wenn ich Urlaub oder Pause hatte, hab ich bei der SpVgg mittrainiert". Vor allem sein Bruder Ennis (30), Mittelfeldspieler bei der SpVgg, war einer der wichtigsten Beweggründe zurückzukommen. "Mein Bruder ist für mich eine sehr wichtige Vertrauensperson. Wir haben immer mal wieder darüber gesprochen, dass, wenn sich die Möglichkeit ergibt, wir nochmal zusammen spielen wollen". Wie lange er letztlich beim Bezirksligisten bleibt, lässt Ghigani, der insgesamt 53 Pflichtspiele für die SpVgg Unterhaching im DFB-Pokal und in der 2. Bundesliga absolvierte, offen. "Das wichtigste ist, ich will kicken. Ich bin Fußballer, war 14 Jahre Profi und kann nicht von heute auf morgen mit dem Ganzen aufhören". Was ihn im Amateurfußball erwartet, weiß Patrick Ghigani noch nicht: "Ich muss gestehen, ich hab gar keinen Überblick und habe auch noch keine Spiele gesehen."
Doch dass die SpVgg ihrem Saisonziel "Wiederaufstieg" hinterherhinkt, ist auch schon zum Star-Neuzugang vorgedrungen. "Platz 6 kann nicht der Anspruch von Feldmoching sein, wir wollen wieder die Nummer eins im Norden werden." Gedanken, der Ghigani wird's schon richten, weißt er zurück. "Keiner soll glauben, dass ich jetzt hierherkomme und den Zampano spiele. Ich möchte den Spielern zur Seite stehen, aber jeder in der Mannschaft muss verstehen, dass wir nur gemeinsam die Spiele gewinnen und verlieren." Für den deutschen Profifußball findet Ghigani hingegen harte Worte. "In Deutschland fehlte es mir an Menschlichkeit, deswegen war es für mich auch schwer, hier zu spielen. Sei es im Kader, mit den Trainern, mit den Managern - dass passte nicht". Dass es Ausnahmen gab, lernte er in Unterhaching kennen. "Haching war für mich eine Bereicherung. Das war schon eine Top-Zeit damals." Einen seiner emotionalsten Momente erlebte Ghigani beim Zweitliga-Derbysieg in der Allianz Arena gegen die Münchner Löwen, im Dezember 2005. "Ich war in der Jugend sechs Jahre bei Sechzig und wurde dann aussortiert. Als die Arena gebaut wurde, habe ich mir geschworen, einmal drin zu spielen." Als es dann soweit war, machte Ghigani ein Klassespiel, sammelte die Kicker-Note 1,0 und die SpVgg siegte mit 4:1. Den Traum des Profis hat er danach auf drei Kontinenten gelebt. Jetzt ist er zurück und ist nicht nur für die SpVgg Feldmoching ein großer Gewinn, sondern auch für den gesamten bayerischen Amateurfußball.
Indonesischer Volksheld - ein Video aus Patrick Ghiganis Zeit in Asien