
RÜDESHEIM. Null zu fünf nach 33 Minuten. Der Käse im Derby der Fußball-Bezirksliga zwischen dem VfL Rüdesheim und dem TSV Langenlonsheim/Laubenheim in der Fußball-Bezirksliga war gegessen, bevor ihn die Hausherren hatten überhaupt erst probieren können. Gegen den Zweitletzten des Tableaus schoss sich der Zweite warm für das Topduell in der kommenden Woche gegen die SG Hoppstädten und hievte sich selbst am Ende mit 6:2 auf den Platz an der Sonne. „Bis Dienstag nehmen wir die Freude mit, dann richten wir aber den Fokus aufs Spitzenspiel, auf das wir uns riesig freuen“, machte Gästetrainer Lulzim Krasniqi nach dem Abpfiff klar.
Eine gute halbe Stunde lang spielten sich seine Farben in einen wahren Rausch. Ein Rädchen griff beim TSV ins andere. „Da klappt dann alles“, gewährte TSV-Kapitän Sascha Richter Einblick ins Langenlonsheimer Innenleben: „Es war das Ziel, von Anfang an aggressiver zu sein. Ich bin schon stolz darauf, dass wir so ein Feuerwerk abbrennen.“ Die Pressingmaschinerie lief in vorderster Front auf vollen Touren. „Das war absolut das, was wir uns vorgestellt haben“, war Krasniqi hellauf begeistert „es ist wichtig, dass wenn man sowas spielt, die Balance hält.“ Sie hielt.
Die Hausherren wirkten dagegen wie narkotisiert, ließen sich zu haarsträubenden Fehlern hinreißen und machten es Langenlonsheim leicht. „Wenn wir es schaffen, über den Kampf reinzukommen, schaffen wir es auch Lalo zu ärgern“, war der Plan von VfL-Spielertrainer Patrick Rusch gewesen. Sie schafften es nicht. „Die erste Halbzeit muss man so einfach abhaken. Beim Gegner ist sehr, sehr viel gelaufen“, resignierte Rusch.
Zweimal luchste Marcel Espenschied Rüdesheim auf der rechten Außenbahn den Ball ab. Zweimal kam der Ball mit Schnitt vors Tor der Hausherren. Zweimal stand der Abnehmer glockenfrei: Daniel Secker eröffnete den Torreigen (11.)., Philipp Graffe setzte ihn fort (19.). Letzterer bewegte sich im Anschluss passend zum Gästerausch wie in Trance. Obwohl kurz zuvor hart am Bein getroffen und kurzzeitig draußen behandelt, markierte der Stürmer innerhalb von nur elf Minuten einen lupenreinen Hattrick (25./30.). „Ich hatte Bock drauf, Tore zu schießen, da habe ich den Schmerz ein bisschen ausgeblendet“, schilderte der Schütze, „nach dem ersten Tor war es dann ein Lauf.“ Krasniqi, der den gelernten Defensivspieler zum Stürmer umgepolt hat, freute sich über seinen Coup: „Wir wissen, dass er Tore machen kann.“
Einer grandiosen Langenlonsheimer beziehungsweise rabenschwarzen Rüdesheimer Anfangsphase setzte dann wiederum Secker per Fernschuss die Krone auf (33.). „Normalerweise kommen wir aus einer kompakten Defensive“, waren damit vollends alle Prinzipien von Rusch über den Haufen geworfen. Das Spiel trotz des Anschlusstreffers durch Arash Sadeghi (42.) zur Pause entschieden.
„Wenn man zur Halbzeit 5:1 zurückliegt, muss man bei 0:0 anfangen“, sagte der VfL-Coach, dessen Team im Tabellenkeller in immer ärgere Not gerät, „da ist schon eine Lücke, wir müssen jetzt punkten, am besten schon jetzt gegen die Eintracht.“ Mut für das Duell gegen die Kreuznacher Reserve spendete immerhin der zweite Abschnitt. „Wir haben dann den Reset-Knopf gedrückt und eine gute Moral gezeigt“, unterstrich der Rüdesheimer. In der Tat bemühten sich die Gastgeber nach dem Seitenwechsel um Schadensbegrenzung, die durch den eingewechselten Andreas Bauer auch gelang (70.). Die Gäste ließen sie gewähren, agierten zuweilen etwas lässig. „Das ist völlig normal, dass man dann unbewusst einen Gang zurückschaltet“, begründete Krasniqi den Schlendrian, machte seinem Team aber keinerlei Vorwürfe. Abschließend ließ Matthias Schier dann doch noch einmal die Qualitäten des neuen Ligaprimus‘ aufblitzen, hämmerte die Kugel zum Endstand aus 20 Metern in den Giebel (78.) und manifestierte damit den dargebotenen Klassenunterschied.
VfL Rüdesheim: Reekers – Duran, Walheim, Ceylan, Loritz – Dadjan, Poppitz, Sadeghi (68. Bauer), Rusch, Knauf – Jasaraj.
TSV Langenlonsheim: Hirt – Haas, Petry, Richter – Espenschied, Horst, Secker, Czarnecki, Schmitt – Graffe, Schier.