
FuPa: Sie gehen jetzt in fünfte Saison als Torwarttrainer bei Dynamo. Was macht den Verein für Sie so besonders?
Brano Arsenovic: Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich so lange hierbleibe. (lacht.) Ich habe damals bei meiner Unterschrift gedacht, dass ich erst einmal die zwei Jahre meines Vertrages erfüllen möchte und wir dann weitersehen. Es ist eine einmalige Chance, bei Dynamo Dresden zu arbeiten. Dresden war auch schon im ehemaligen Jugoslawien bekannt und wenn ich jetzt nach Hause nach Bosnien komme, sind die Leute schon begeistert, dass ich für Dynamo Dresden arbeite. In Dresden sind die Stadt, die Unterstützung von den Zuschauern, der ganze Verein und das ganze Umfeld einfach wahnsinnig toll. Es macht viel Spaß, hier zu arbeiten!
Was unterscheidet die Station hier von der in Ingolstadt?
Ingolstadt war meine erste Station im Profifußball. Ich bin für die Zeit dankbar, weil ich dort sehr viel Erfahrung mitnehmen durfte. Davor bin ich bei Jahn Regensburg fast alle Jahrgänge im Nachwuchs durchgegangen, was auch eine sehr wertvolle Zeit war. Der Schritt nach Dresden war dann der nächste wichtige, weil ich mich hier auch als Torwarttrainer noch einmal weiterentwickeln konnte. Mit Uwe Neuhaus hatten wir in den ersten drei Jahren eine Spielphilosophie, wo der Torwart einen sehr großen Anteil am Spielaufbau hatte. Ich muss mich in meiner Rolle immer an den Cheftrainer anpassen. Genauso wie bei Neuhaus ist es jetzt mit Cristian Fiel. Es geht von hinten bis vorne auf dem Platz darum, dass wir in allen Mannschaftsteilen uns aktiv am Fußballspielen beteiligen. Diese Denkweise hat mir auch dabei geholfen, um den Fußball noch einmal von einer ganz anderen Seite zu sehen.
Wie gingen Sie damals mit den Trainerwechseln um? Hat sie das beeinflusst?
Jeder Trainer hat natürlich seine eigenen Ideen und du musst dich als Torwarttrainer auch anpassen und unterordnen können. Wenn der Trainer gewechselt wird, dann schaut natürlich erst einmal jeder im Trainerstab, wie es für ihn persönlich weitergeht. Es kann in diesem Job auch schnell vorbeisein, wenn ein neuer Cheftrainer kommt. Ich bin froh, dass auch bei „Fielo“ weiterhin zum Trainerstab gehören darf, denn die Arbeit macht mir in dieser Konstellation richtig Spaß.
Es sind ja nach Dresden in den letzten Jahren nicht nur neue Spieler gekommen, sondern auch neue Torhüter. Wie gehen Sie damit um?
Janis Blaswich, Marvin Schwäbe oder zuletzt Markus Schubert waren allesamt tolle Torhüter, mit einer außergewöhnlichen Begabung. Mir hat die Arbeit mit allen Spaß gemacht, die bei uns waren oder aktuell bei uns sind. Jetzt gilt mein ganzer Fokus in der tagtäglichen Arbeit Patrick Wiegers, Tim Boss und Kevin Broll. Ich will als Torwarttrainer einen Torhüter immer besser machen, jeden Tag ein Stückchen weiterentwickeln und ihn optimal auf das vorbereiten, was ihn am Wochenende in der 2. Bundesliga auf dem Platz erwartet.
Müssen Sie die Trainingsmethoden an die Spieler anpassen oder müssen sich die Spieler an die Trainingsmethoden anpassen?
Ich habe meine Gedanken über das Torwartspiel und es braucht ganz sicher auch etwas Zeit, bis sich ein neuer Torwart an die Philosophie anpasst, die wir als Trainerteam vorleben. Aber die Grundlage für den Erfolg eines Torhüters war immer schon eins, dass er besonders gut Bälle fangen und festhalten muss. Ich bin ein Torwarttrainer, der viel korrigiert, der sehr viel coacht, sehr viel Feedback gibt, und nie zufrieden ist. Ich arbeite an Kleinigkeiten – wie ich mich drehe, wie ich einen Ball annehme, wie ich mir einen Blick verschaffe, wie ich sehe, wie sich Gegner bewegen, wie viel Raum ich Gegnern gebe. Die Arbeit am Detail nimmt bei uns viel Raum im Training ein.
Wie hat die UEFA-Torwarttrainer-A-Lizenz Ihr Training oder Ihre Herangehensweise verändert?
Im Großen und Ganzen hat sich meine Arbeit sicher nicht verändert. Aber in kleinen Teilen habe ich selbstverständlich verschiedene Dinge übernommen und in meine Arbeit einfließen lassen. Wie ich zum Beispiel eine neue Woche im Training mit den Torhütern starten kann. Es gibt ja Unterschiede in der Belastung zwischen dem Torwart, der gespielt hat, und den anderen beiden, die nicht gespielt haben. Auch wenn wir allgemein denken, dass ein Torhüter körperlich nicht viel zu tun hatte, sollte man nicht vergessen, wie sehr Torhüter mental gefordert werden. Deswegen sage ich gerne auf meine Art zu den Jungs: ‚Ich will, dass du nach dem Spiel Kopfschmerzen hast, weil du dich permanent auf das Spielgeschehen konzentriert hast!‘
Was macht für Sie den modernen Torhüter aus?
Yashin hatte mal vor ganz langer Zeit gesagt: ‚Was ist schon modernes Torwartspiel? Wir durften früher ja auch keine Tore kassieren.‘ Das Spiel hat sich sicher in den zurückliegenden 50 Jahren ganz deutlich in bestimmten Bereichen verändert. Du darfst aber als Torhüter immer noch keine einfachen Treffer kassieren, wenn du gut sein willst.
Wie läuft bei Dynamo Dresden der Transfer eines neuen Torhüters ab? Haben sie da ein Mitspracherecht?
Ja, Ralf Minge fragt mich immer auch nach meiner Meinung. Wir setzen uns mit den Scouts und dem Trainerteam zusammen und besprechen ausführlich unsere Analysen, bevor wir einen neuen Torhüter verpflichten.
Mit Kevin Broll ist dieses Jahr ein neuer Keeper zu Dynamo gekommen. Was sind seine Stärken?
Er passt in unsere Spielphilosophie, das war erst einmal Grundvoraussetzung für seine Verpflichtung. Kevin ist ein spielerisch starker Torhüter, der schon über 100 Drittliga-Spiele absolviert hat aber sicher mit seiner Entwicklung noch nicht am Ende ist.
Was können sich denn die beiden anderen Torhüter von ihm abschauen?
Ich habe drei gute Torhüter und jeder ist eine eigene Persönlichkeit. Ich mag es nicht, wenn man da versucht, Vergleiche zu ziehen. Patrick Wiegers ist schon lange im Verein. Er arbeitet jeden Tag hart und ist da, wenn man ihn braucht. Tim Boss hat eine unglückliche Saison hinter sich, auch weil er immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. Wir werden mit allen Torhütern weiter jeden Tag im Training daran arbeiten, dass sie sich Stück für Stück immer weiter verbessern und ihr Potential ausschöpfen. Das ist als Torwarttrainer mein Auftrag.
Ist es auch für Kevin Broll und Tim Boss hilfreich, wenn sie mit Patrick Wiegers so einen erfahrenen Keeper an seiner Seite haben?
Patrick Wiegers arbeitet ja auch schon seit einigen Jahren nebenbei bei uns in der Nachwuchs Akademie mit talentierten Torhütern. . Ich erkenne ihn ihm schon, dass er auch als Torwarttrainer versucht zu denken. „Wiege“ ist ein sehr kollegialer Typ, der auch mit seiner Erfahrung seine Kollegen auf eine positive Art versucht zu pushen.
Was macht einen Tim Boss, der in der letzten Saison keinen einzigen Pflichtspieleinsatz hatte, so besonders, dass man bei Dynamo völlig abgeneigt ist, ihn zu verkaufen?
Tim hat Vertrag bei uns und gehört wie jeder andere auch zum Team. Tim ist vor einem Jahr mit dem Anspruch zu uns gekommen, hier die Nummer 1 zu werden und muss sich auch in der kommenden Saison dem Konkurrenzkampf stellen. Aber das ist im Profi-Fußball ganz normal, denn Garantien gibt es auf diesem Niveau nicht.
Wer hat für Sie die Nase vorn im Kampf um den Stammplatz?
Das ist sicher kein Thema für die Öffentlichkeit und viel zu früh, denn wir befinden uns mitten in der Sommervorbereitung. Alle drei sind auf dem gleichen Level. Alle ziehen gut mit. Alle arbeiten sehr gut. Ich mache mir zum jetzigen Zeitpunkt noch gar keine Gedanken darüber, wer am ersten Spieltag im Tor stehen wird. Jetzt konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Trainingsarbeit.
Wie weit sind die drei Torhüter momentan? Liegt noch viel Arbeit vor ihnen?
Ja, sehr viel. Wir haben aber auch noch sehr viel Zeit, die wir intensiv nutzen werden. Wir sind gerade dabei, die Grundlagen und Grundtechniken des Torwartspiels weiter zu verfeinern. Später in der Vorbereitung stellen wir dann um und werden dynamischer trainieren.
Wie würden Sie das Torwart-Trio im Vergleich zu den anderen Zweitligisten einordnen?
Ich sehe unser Trio im Liga-Vergleich sehr ausgeglichen. Jeder bringt seine Stärken und Schwächen mit. Wir haben keine klare Nummer 1 wie beispielsweise in Nürnberg mit Mathenia. Wir haben ein gutes Torwartteam und aus diesem Team kann etwas Positives wachsen.
Inwiefern fehlt momentan ein Markus Schubert?
Die Entscheidung von Markus Schubert war für uns alle sehr hart, aber wir müssen seinen Weg akzeptieren. Die Enttäuschung im gesamten Verein war natürlich riesig, weil es meiner Meinung nach auch andere Lösungen gegeben hätte, wo alle Seiten gewonnen hätten. Zu diesem emotionalen Thema wurde meiner Meinung nach aber bereits alles gesagt. „Schubi“ ist ohne Wenn und Aber ein sehr großes Talent im deutschen Fußball. Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, dann wird er eine tolle Zukunft vor sich haben. Unser Plan war es seit Jahren – und daraus haben wir nie ein Geheimnis gemacht, dass wir ihn im Dynamo-Trikot zu einem Top-Torwart in Deutschland ausbilden wollten. Dass sich die Wege bereits jetzt getrennt haben, ist bitter, aber nicht mehr zu ändern. Der Blick ist bei uns aber längst wieder nach vorn gerichtet und wir arbeiten daran, dass wir auf der Position eine neue erfolgreiche Geschichte schreiben.
In der Dynamo-Jugend gibt es einige talentierte Torhüter. Wer von ihnen hat das Zeug, der nächste Markus Schubert zu werden?
Das ist schwer zu sagen und für eine seriöse Prognose noch zu früh. Wir haben einige Jungs, die Talent mitbringen, aber sich in Ruhe und ohne den großen Druck weiterentwickeln sollen. Wir schauen sehr genau hin, arbeiten mit den Jungs und sind natürlich auch davon überzeugt, dass in den kommenden Jahren wieder einer der Jungs den Sprung zu uns schaffen wird. Lassen Sie sich einfach überraschen.
Das Interview wurde geführt von Oscar Jandura.