
Der aus Regis-Breitingen stammende Stephan Pohlers kennt die DDR-Liga in den 80er Jahren wie seine Westentasche, schließlich kickte er während dieser Zeit bei Chemie Böhlen, Vorwärts Dessau und Wismut Gera. Der heute in Österreich lebende Mittelfeldspieler gibt in einem Interview einige Ausführungen über seine Armeezeit in bei der ASG Vorwärts Dessau (November 1987 bis Juni 1989). Wo er im Vorfeld eigentlich gar nicht hin sollte...
Hallo Stephan,
anlässlich unserer stattgefundenen Traditionsveranstaltung und der baldigen Veröffentlichung der Lektüre über die ASG Vorwärts Dessau liegt es mir am Herzen, nicht nur mit verdienstvollen ehemaligen Spielern zu sprechen, die über einen extrem langen Zeitraum die Knochen für Vorwärts hingehalten haben, sondern auch mit Akteuren, die nur kurz in Dessau waren. Daher freue ich mich sehr, Dir ein paar Fragen über deine Zeit bei der ASG Vorwärts stellen zu können.
FuPa: „Stephan, Anfang November 1987 bist Du von Chemie Böhlen nach Dessau gewechselt. Was waren Deine ersten Eindrücke?“
Stephan Pohlers: „Ich fand eine extrem spielstarke Mannschaft und ein super Umfeld vor. Ich fühlte mich vom ersten Tag an sehr wohl, obwohl man sagen muss, dass es mir die Truppe auch sehr leicht gemacht hat.“
FuPa: „Zunächst war allerdings geplant, dass Du Deine NVA-Zeit bei Vorwärts Delitzsch verbringst. Wie kam die kurzfristige Änderung mit dem Wechsel nach Dessau zustande?“
Stephan Pohlers: „Das stimmt, eigentlich sollte ich zuerst nach Delitzsch in die Bezirksliga. Doch dann habe ich mit meinem ehemaligen Böhlener Mitspieler Roland Sauer gesprochen, der in dieser Zeit Libero bei Vorwärts Dessau spielte. Er war letztlich dafür verantwortlich, dass ich an die Mulde gewechselt bin. Eine Woche vor der Einberufung zum NVA-Wehrdienst traf ich mich mit ASG-Leiter Klaus Lindner und Trainer Jürgen Piepenburg, die dann alles weitere regelten. Dann ging alles sehr schnell.“
FuPa: „In Böhlen spieltest Du auch schon über Jahre hinweg in der Liga. Was war in Dessau anders als in Böhlen?“
Stephan Pohlers: „Eigentlich gab es diesbezüglich für mich keine großen Unterschiede. Beide Vereine waren zur damaligen Zeit schon sehr professionell.“
FuPa: „Gleich in Deinem ersten Spiel für die ASG erzieltest Du gegen Chemie Buna Schkopau ein Tor. Allerdings ging das Heimspiel mit 1:2 verloren. Hast Du noch Erinnerungen daran?“
Stephan Pohlers: „Stimmt, das war für mich persönlich ein recht guter Start, obwohl wir verloren hatten. Danach wurde ich sofort Stammspieler.“
FuPa: „Die Mannschaft damals war gespickt mit erstklassigen Ligaspielern. Wie wurdest Du damals aufgenommen? Kanntest Du einige Spieler?“
Stephan Pohlers: „Ich bin wirklich sehr gut von allen aufgenommen worden. Da kam es mir natürlich zu passe, dass ich natürlich die meisten Spieler aus den Duellen Böhlen gegen Dessau kannte. Ich hatte mich ja auch schon vorher oft mit dem Wechsel zu Vorwärts auseinandergesetzt. Der Kader war damals gespickt von sehr guten Spielern. Demzufolge war das für mich noch einmal eine zusätzliche Motivation sich dem Verein anzuschließen.“
FuPa: „Hast Du mit einigen Dessauer Mitspielern von damals heute noch Kontakt?“
Stephan Pohlers: „Die ganzen Jahre eher nicht. Aber durch unser Traditionstreffen im Oktober des vergangenen Jahres sowie bei den Vorbereitungen zum Treffen ist alles wieder ins Rollen gekommen – es war unglaublich schön, nach fast 35 Jahren die Meisten mal wiedergesehen zu haben. Da kamen echt sehr viele schöne Erinnerungen wieder hoch. Jetzt habe ich zu sehr vielen Spielern von damals wieder Kontakt. Vorher hatte ich einzig mit Michael Reimer mal telefoniert. Dies ist aber schon Jahre her. Weiterhin hatte mich Sven Weigang mal hier in Österreich besucht. Demzufolge freue ich mich schon sehr auf Gründonnerstag 2023, wenn wir uns alle zum zweiten Vorwärts-Treffen wiedersehen.
FuPa: „Du hast in Dessau zwei Trainer erlebt – Jürgen Piepenburg und Harro Miller. Durch was haben sich die Beiden unterschieden?“
Stephan Pohlers: „Beide sind für mich sehr gute Trainer gewesen, wobei ich von jedem etwas lernen konnte. Harro Miller blieb auch in hektischen Phasen sehr ruhig, wobei Jürgen Piepenburg da schon mal eher laut geworden ist.“
FuPa: „Du hattest Dich damals für drei Jahre verpflichtet. Allerdings wurde die ASG Vorwärts im Sommer 1989 aufgelöst, wodurch Du anschließend zu Wismut Gera gewechselt bist. Wie schwer war es damals, den Vereinswechsel durchzusetzen?“
Stephan Pohlers: „Durch die bevorstehende politische Wende und der Auflösung der ASG war es möglich, dass ich eher aus Dessau gehen durfte. Zuerst wollte ich nach Böhlen zurück, doch dann entschied ich mich für Gera. Der Wechsel an sich wurde von Wismut damals ohne Probleme abgewickelt.“
FuPa: „Nach der Wende hast Du Deinen Wohnsitz in die alten Bundesländer verlegt. Nichtsdestotrotz spieltest Du weiter Fußball. Bei welchen Vereinen?“
Stephan Pohlers: „Mich hatte es damals nach Rheinland-Pfalz, in die Nähe von Koblenz, verschlagen. Dort absolvierte ich ein Probetraining beim heutigen Bundesligisten Mainz 05. Leider verletzte ich mich in der Woche vor der Vertragsunterzeichnung und ich schloss mich dann einem kleineren Verbandsligisten, dem TSV Emmelshausen, an. Dort blieb ich knapp zwei Jahrzehnte und beendete meine fußballerische Laufbahn im Alter von knapp 40 Jahren.“
FuPa: „Wünschst Du Dir manchmal, zehn Jahre jünger gewesen zu sein, wodurch Du mit dem Profi-Fußball hättest groß Karriere machen zu können?“
Stephan Pohlers: „Nein, ich habe viele schöne Erlebnisse durch den Fußball gehabt. Mir geht es noch gut und ich komme auch ganz gut klar, ohne das große Geld verdient zu haben.“
FuPa: „Wenn wir das Traditionstreffen im letztjährigen Oktober mal ausklammern – wann warst Du zum letzten Mal in Dessau?“
Stephan Pohlers: „Davor ewig nicht mehr. Ich denke im Mai oder Juni 1989 – kurz vor meinem Wechsel nach Gera.“
FuPa: „Wie oft hast du die Kaserne in Dessau-Alten von innen gesehen?“
Stephan Pohlers: „Jetzt muss ich ja die Wahrheit sagen. Durch den Fußball bin ich da nie gewesen.“
Stephan, vielen lieben Dank für das Gespräch! Wir freuen uns, Dich am 06.04.2023 zu sehen!
Steckbrief Stephan Pohlers
Geburtsdatum: 19.06.1963
Geburtsort: Regis-Breitingen
Wohnort: St. Pantaleon (Österreich)
Familienstand: verheiratet
Kinder: 2 Töchter
Vereine: BSG Aktivist Haselbach
BSG Aktivist Regis-Breitingen
BSG Chemie Böhlen (74 DDR-Liga-Spiele, 7 Tore)
ASG Vorwärts Dessau (36 DDR-Liga-Spiele, 6 Tore)
BSG Wismut Gera (6 DDR-Liga-Spiele, kein Tor)
TSV Emmelshausen
