
Es ist Samstag der 10. Juli 2021, gegen dreiviertel sechs am späten Nachmittag: Das Wetter im Ellwanger Waldstadion ist gut, die Stimmung – mehr als 300 Zuschauer sind gekommen – noch besser und das Spiel ist packend. Es steht 2:2, die Nachspielzeit ist gerade angebrochen, und plötzlich steht Milena Aufheimer frei vor dem Tor – kurz darauf zappelt der Ball im Netz und der FC Härtsfeld ist Bezirkspokalsieger.
Gänsehaut beschleicht die Spielerinnen, wenn sie an diesen Samstagnachmittag zurückdenken. Und was die Lust am Erin nern momentan nur noch mehr anfacht: Am kommenden Donnerstag kann Härtsfeld den erneuten Coup landen. Finalgegner ist diesmal nicht Ellwangen, sondern der 1. FC Stern Mögglingenm(13.30 Uhr, Röser-Arena in Dorfmerkingen, bei einem Unentschieden nach 90 Minuten gibt es keine Verlängerung).
„Wir freuen uns sehr auf das Pokalspiel“, schwärmt Kapitänin und Torfrau Nina Schwarz. Es soll ein möglichst runder und auch versöhnliche Abschluss einer Saison werden, die problematisch verlaufen ist.
Frustrierender Saisonverlauf
Vor allem Ende der Hinrunde und Anfang der Rückrunde erlebte die Mannschaft in der Frauen-Regionenliga 3 einen gehörigen „Leistungsknick“, wie Schwarz schildert: „Wir hatten Verletzungspech, mit jeder weiteren Niederlage ist die Lust gesunken“. Folgenschwer auch die Entscheidung, mit zwei Mannschaften in die Saison zu gehen: Von einer Kaderstärke von 40 Spielerinnen zu Saisonbeginn waren im Winter kaum mehr 25 übrig, die zweite Mannschaft musste wieder abgemeldet werden.
In den letzten Partien lief es wieder besser für Härtsfeld, der fast sichere achte Platz bedeutet den Klassenerhalt – und im letzten Spiel gab es einen 2:1-Erfolg gegen Finalgegner Mögglingen. „80 Minuten haben wir dominiert, hintenraus fiel dann der Anschlusstreffer. Dann wurde es hektisch“, schildert Trainer Markus Voitl.
Dieser ist die Konstante in der Damenmannschaft des FC Härtsfeld. Seit 20 Jahren trägt er in verschiedenen Funktionen maßgeblich zum Aufbau der Frauenfußballabteilung des Vereins bei, seit 2008 ununterbrochen als Trainer der Aktiven. Die wundersame Entwicklung der Härtsfelderinnen in den vergangenen Jahren mit Aufstieg in die Regionenliga 3, souveränem Klassenerhalt und Pokalsieg im vergangenen Jahr ist ohne Voitls Akribie sicherlich undenkbar.
Die Stärken beider Teams
Die eindeutige Stärke der Mögglinger ist die Offensive: Nur Ellwangen ist in der Liga mehr Treffer gelungen. Demgegenüber warten die Härtsfelderinnen mit einer der besten Abwerreihen auf: „Wir haben eine gute Abwehr und eine geschlossene Mannschaft“, so Voitl, und, ergänzt Schwarz, „keinen Qualitätsverlust, wenn wir wechseln. 15 Leute spielen hier auf dem gleichen Niveau.“
Die gute Stimmung im Team, der kürzlich gefeierte Sieg gegen Mögglingen und die einmalige Chance, eine schwierige Spielzeit noch in eine Erfolgsgeschichte umzuschreiben, stimmen den FC Härtsfeld optimistisch. Ganz Besonders die vielzählige Unterstützung von Seiten der Herrenmannschaft und des restlichen Härtfelder Anhangs bezeichnen Schwarz und Voitl als Schlüssel für den Pokalerfolg 2021 – eine noch größere Unterstützung scheint jetzt an Christi Himmelfahrt möglich.
Bleibt noch zu klären, wie gefeiert werden wird, wenn es wirklich mit der Titelverteidigung klappt. „Ziemlich wild“, lässt Nina Schwarz schonmal durchblicken, „mit dem ganzen Anhang und unserem Lieblingsgetränk ‚Goiß’“.