
Nidda. Zur späten Stund’ am Zwischenrundenspieltag des großen Sparkassen-Futsal Masters schien die überaus heile (Fußball-)Welt des Kreises Büdingen noch in bester Ordnung zu sein: 400 Zuschauer sorgten auf der proppenvollen Tribüne der Niddaer Mittelstufenhalle für eine prima Stimmung, doch um kurz nach 22 Uhr war es vorbei mit der Budenzauber-Herrlichkeit. Nach den unrühmlichen und abstoßenden Prügelattacken zwischen Mitgliedern aus den Lagern des VfB Rodheim/Horloff und der SG 05 Büdingen blieb den Verantwortlichen überhaupt keine Wahl, die alternativlose Entscheidung zu treffen und die beiden Klubs nach dem Spielabbruch vom Turnier auszuschließen.
Kreisfußballwart Jörg Hinterseher stellte sich am gestrigen Sonntag immer wieder die Frage: Wie konnte aus einer Lappalie überhaupt so ein Chaos, das so bitter endete, entstehen? Nach dem sogenannten Fairplay-Anstoß, bei dem sich die Protagonisten am Mittelkreis den Ball meist per Kurzpass zukommen lassen, erhitzten sich urplötzlich die Gemüter und es kam zu Tumulten. „Wir sind alle ratlos, warum das alles so extrem eskaliert ist. Die Ad-hoc-Entscheidung, das Spiel abzubrechen, war die einzig richtige Entscheidung“, gab der Büdinger Fußball-Chef sichtlich ergriffen ob der Brutalität, die an den Tag gelegt wurde, zu Protokoll. Schließlich hat das Turnier seinen weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannten guten Ruf zu verteidigen. „Die Sonderberichte der Schiedsrichter gehen jetzt an den Kreisausschuss und dann wird wohl das Kreissportgericht tätig werden, um die Schuldfrage zu klären“, so Hinterseher: „Es tut weh zu sehen, wie eine Super-Veranstaltung in Mitleidenschaft gezogen wird.“
Als Hessischer Verbandsfußballwart richtete Jürgen Radeck gestern einen flammenden Appell an alle Beteiligten im weiten Rund und deutete auf das große Fairplay-Banner an der Hallenwand: „Wenn Fairplay nur auf den Plakaten gelesen und nicht gelebt wird, dann ist das der Untergang des Fußballs.“ Alle sollten beherzigen und dazu beitragen, dass die Vorkommnisse des Freitagabends ein großer Einzelfall bleiben. „Es ist beschämend, dass der Respekt gegenüber Rettungskräften, der Polizei, anderen Institutionen und dem Gegenüber in anderen Sportmannschaft abhandengekommen ist.“ Das sei nicht zu akzeptieren. Als Vorsitzender des Kreissportgerichts kündigte Manfred Schmidt an, nach Eingang aller Unterlagen zeitnah einen Termin für eine öffentliche mündliche Verhandlung zu finden. In den nächsten zwei, drei Wochen werde auch der Verhandlungsort feststehen „Im Vorfeld emotional über den Fall zu diskutieren bringt nichts“, mahnte der Rinderbügener. Außerdem müsse er noch eruieren, welche Protagonisten geladen würden und welche Zeugen es gäbe: „Sachdienliche Hinweise zu den Geschehnissen sind willkommen und neutrale Zeugen können sich ebenfalls melden.“ In der Zeitspanne des nun schwebenden Verfahrens werden sich in Bälde die Mitglieder des Kreisfußballausschusses Büdingen zu einer internen Beratung treffen. „Es ist sehr schade, dass sich bei mir bisher kein Vertreter der SG Büdingen und des VfB Rodheim/Horloff gemeldet hat“, machte Kreisfußballwart Jörg Hinterseher aus seiner großen Enttäuschung gestern Abend keinen Hehl.