
Die Oberliga-Partie des FV Ravensburg gegen den SSV Ulm 1846 Fußball (3:2) am vergangenen Samstag war zweifellos ein fesselndes Fußballspiel. Doch die hässlichen Begleiterscheinungen, die Krawalle und Ausschreitungen im Gästeblock sorgen zwei Tage danach noch immer für Aufregung.
In einer ersten Stellungnahme distanzierte sich der Verein deutlich von dem Verhalten. "Wir werden den Vorgängen mit Kompetenz und Konsequenz nachgehen und hart reagieren", beteuert Anton Gugelfuß. Der Unternehmer soll mit seinen beiden Kollegen, dem Landtagsabgeordneten Thomas Oehlmayer und Roland Häußler, Leiter der Bürgerdienste der Stadt Ulm, bei der Mitgliederversammlung am 23. September offiziell als gleichberechtigtes Vorstandstrio inthronisiert werden.
Für den heutigen Dienstagabend ist zunächst aufgrund der Vorfälle in Ravensburg eine außerordentliche Vorstandssitzung einberufen worden, an der Insolvenzverwalter Dr. Holger Leichtle und Notvorstand Tobias Sorg und die designierten Vorstandsmitglieder teilnehmen werden sowie neben weiteren Funktionären Gerhard Guschlbauer.
Der Leiter der Geschäftsstelle war als Vereinsvertreter in Ravensburg anwesend und hatte das Geschehen verfolgen können. "Es wird alles auf den Tisch kommen. Keiner von uns will, dass so etwas passiert und wir als Verein wollen ein ordentliches Bild abgeben. Da sprechen wir alle eine gemeinsame Sprache", sagt Gugelfuß, der allerdings einräumt: "In solchen Dingen habe ich überhaupt noch keine Erfahrung. Da müssen wir uns Kompetenz dazuholen."
Nach Schilderungen von Anwesenden hatte ein Fahnenschwinger im Ulmer Block beim Kreisen einer relativ großen Flagge einen weiblichen Fan verletzt, worauf sich deren Freund zu einer Auseinandersetzung hinreißen ließ. Darauf betraten Polizisten den Fanblock und es entwickelten sich mit ebenfalls im Block stehenden anwesenden Hooligans heftige Krawalle. Die Polizei hat von mehreren gewaltbereiten schwarz-weiß bekleideten Zuschauern die Personalien aufgenommen.
Eine größere Gruppe von Ulmer Fans war bereits am Samstagvormittag mit der Bahn nach Oberschwaben angereist und in der Ravensburger Fußgängerzone alkoholisiert aufgefallen. Dass im dortigen Stadion entsprechende Strukturen wie strikte Fantrennung, getrennte Versorgungsstände sowie Sanitär-Anlagen (WC) nur unzureichend vorhanden waren, beeinflusste die Situation zusätzlich. Ganz zu schweigen vom Ausschank alkoholischer Getränke an bereits angetrunkene Gäste. "Doch das sind alles keine Entschuldigungen", stellt Gugelfuß klar und bedauert: "Die Geschehnisse werfen uns zurück."
In der Schlussphase der Partie setzte zudem nach einigen strittigen Schiedsrichterentscheidungen ein Hagel von Plastikflaschen in Richtung Spielfeld ein, und zwar aus dem nur wenige Meter von der Außenlinie entfernten Gäste-Block. Ein unverbesserlicher Anhänger stürmte sogar den Platz. Das designierte Vorstandmitglied Gugelfuß gibt immerhin zu verstehen, dass "wir in der Oberliga mit so etwas nicht gerechnet haben und wir geglaubt haben, dass uns das erspart bleibt". Bis auf weiteres müssen die Verantwortlichen des SSV 46 die offiziellen Stellungnahmen des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) beziehungsweise der Polizei abwarten.