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"Es ist zu primitiv, 20 Runden auf der Laufbahn zu drehen"

Hagen Keiser, Trainer der neu gegründeten dritten Mannschaft der SSV Buer, ist zu Gast im FuPa-Kabinengespräch

von Andreas Artz · 04.07.2018, 10:00 Uhr · 0 Leser
Hagen Keiser hatte in den vergangenen Wochen viel zu tun: Gespräche mit potenziellen Neuzugängen für die neue dritte Mannschaft der SSV Buer führen, Sichtungstrainings an der Löchterheide leiten und dann auch noch beim Bueraner Kneipenturnier als Spieler auflaufen. Während des Turniers, das am zurückliegenden Samstag auf der Sportanlage der Rothosen stattfand, nahm sich der 28-Jährige Zeit, um sich den Fragen im FuPa-Kabinengespräch zu stellen. Dabei blickt er auf die vergangene Spielzeit mit dem Aufstieg als Co-Trainer der B2 des TSV Marl Hüls zurück und berichtet von seinem neuen Projekt in Buer.

Herr Keiser, Sie übernehmen nun die neu gegründete dritte Mannschaft der SSV Buer. Wie kam es zu diesem Engagment?

Hagen Keiser: Ich war hier ja schon im Vorfeld sechs Jahre lang Jugendtrainer und habe dabei alle Mannschaften begleitet. Im Sommer habe ich dann gesagt, dass ich gerne eine dritte Mannschaft aufbauen würde. Ich habe auch früher in der alten Dritten gespielt. Zuletzt lief es als Spieler aber etwas unbefriedigend, deshalb hatte ich mir vorgenommen, selber Trainer zu sein. Die Dritte ist jetzt nach meinem Engagment als Co-Trainer von Rüdiger Kürschners bei der B2 des TSV Marl-Hüls, mit der wir in der Bezirksliga Meister geworden sind, ein neues Projekt. Wir werden sehen, was dabei herumkommt. Aber bisher bin ich sehr zufrieden.

Nach der Neugründung steigt das Team in der Kreisliga C ein. Welche Ziele peilen Sie in der kommenden Saison und auch längerfrirstig an?

Man muss natürlich sagen, das Problem in der Kreisliga C ist, dass viele Mannschaften sehr schwach sind. Dann gibt es meistens drei, vier Teams, die herausstechen. Wenn du dann ein Spiel verlierst, ist der Aufstieg natürlich weg. Die Zielsetzung für das erste Jahr ist, dass wir unter den ersten fünf stehen wollen. Direkt vom Aufstieg zu sprechen, ist etwas extrem - da muss wirklich alles stimmen. Im zweiten Jahr müssen wir dann oben angreifen und den Aufstieg als Ziel ausgeben. Aber im Vordergrund steht der Fußball. Ich lege großen Wert auf Kurzpassspiel und flache Bälle, dafür ist der Kunstrasen, auf dem wir bei Heimspielen spielen werden, natürlich ein Vorteil.

Sie haben einige talentierte Nachwuchsspieler im Kader, dazu gehören u.a. Michael Will und Florian Brandenburger. Welche Rolle können sie bei den Senioren spielen?

Gerade Mika Will ist ein Spieler, der schon im Jugendbereich sehr hoch gespielt hat - Regionalliga und U-Nationalmannschaft für Rumänien. Einem solchen Jungen musst du natürlich viel Spielzeit geben, denn er war mit seinem bisherigen Verein auch nicht ganz zufrieden. Vom Potenzial her hat er die Möglichkeit, mal höher zu spielen. Daher wollen wir ihn entwickeln und dann nach oben bringen. Auch Florian Brandenbruger und Rene Potthoff, die beide aus der A-Jugend kommen, müssen Spielzeit sammeln. Es ist das erste Jahr in den Senioren, deshalb ist es natürlich etwas Neues. Rene Potthoff hat sich aber schon im Training sehr gut bewiesen und auch Florian Brandenburger hat eine starke Entwicklung gemacht. Das sind echt gute Jungs.

Worauf haben Sie bei der Kaderzusammenstellung neben der Beteiligung der Nachwuchsspieler noch geachtet?

Insgesamt hatten sich bei mir 76 Mann auf die Neugründung der dritten Mannschaft gemeldet, das ist schon extrem für ein Kreisliga-C-Team. So viele Anfragen hatte ich auch nicht erwartet. Das Schöne war, dass wir durch die Sichtungstrainings, die ja auch für solch eine Spielklasse nicht normal sind, einen starken 20-Mann-Kader zusammenstellen konnten. Ich habe mir jeden Spieler, der mich angerufen hat, im aktuellen Vereinen persönlich angesehen, teilweise auch mehrere Male. Man muss halt eine gewisse Technik und Verständnis die für die Grundlagen des Fußballs mitbringen. Meine Übungen im Training sind nämlich teilweise sehr anspruchsvoll, deshalb sollen die Spieler sie auch verstehen. Es ist eine anspruchsvolle dritte Mannschaft.

Wie fühlt es sich an, nach den Jahren in der Jugendabteilung der SSV nun im Seniorenbereich tätig zu sein?

Es ist natürlich etwas Neues. Für mich ist es schön, so eine Erfahrung zu machen. Ich habe damals schon in der Saison 2005/06 im Seniorenbereich beim STV Horst-Emscher gemeinsam mit Rüdiger Kürschners die erste Mannschaft betreut. Bei den Erwachsenen kann ich die Jungs einfach direkt ansprechen und muss nicht über die Eltern gehen. Bei den Herren ist es ein neues Niveau, man kann anders trainieren und muss auch viel auf Kraft gehen. Das macht echt Spaß.

Sie haben zu Beginn schon vom Aufstieg in die Landesliga mit der B2 des TSV Marl-Hüls gesprochen. Was nehmen Sie von diesem Erlebnis für die Zukunft mit?

Auf jeden Fall nehme ich vieles mit. Bei Rüdiger Kürschners konnte ich sehr viel lernen. Ich kenne ihn schon seit 17 Jahren und es macht mit ihm sehr viel Spaß. Er war auch ziemlich traurig, denn ich sollte eigentlich beim TSV bleiben. Er macht die B2 jetzt weiter, aber ich werde versuchen, dienstags auch mal dahin zu fahren und ihn ein bisschen zu unterstützen. Er ist ein sehr ehrgeiziger Typ und hat jetzt eine tolle Truppe zusammen. Aber wie gesagt, bei ihm lernt man echt viel, auch was das ganze Drumherum betrifft. Er hat mir den Ablauf gezeigt und mir Tipps zu den einzelnen Übungen gegeben. Das halbe Jahr war einfach genial. Als Jungjahrgang die Meisterschaft zu holen, war der Wahnsinn. Der Verein war sehr glücklich, nun mit der B2 in der Landesliga zu spielen und damit einen starken Unterbau für den Herrenbereich zu haben, der ja neu aufgebaut wird. Das wird auch eine besondere Aufgabe für den ganzen Club.

Nun gibt es eine kleine Entscheidungsrunde: Sie wählen den Begriff, der am besten zu Ihnen passt und Ihren Vorstellungen vom Fußball entspricht.

- Taktiktafel mit komplizierten Spielzügen oder einfache, lange Bälle nach vorne?

Da nutze ich wohl schon lieber die Taktiktafel. Ich arbeite beim Training viel mit dem Ball, gerade in so einer Liga ist es wichtig, dass der Ball im Mittelpunkt ist. Doof Runden laufen lassen, werde ich wahrscheinlich nicht einmal machen. Für mich ist es zu primitiv, 20 Runden auf der Laufbahn zu drehen. Im Training werden taktische Dinge erarbeitet, beispielsweise Spielsysteme, kreative Lösungen und Kurzpassspiel. Darum eher die Taktiktafel.

- Den letzten Platz im Kader lieber einem talentierten Nachwuchsspieler oder einem erfahrenen Oldie geben?

Den Talentierten würde ich bevorzugen. Du brauchst zwar auch die Erfahrenen, bei uns sind es David Wicher (31 Jahre alt, Anm. d. Red.), Ariel Rothkegel (29 Jahre) und die Jungs, die aus der Zweiten kommen, die die Jugend führen. Es ist geil, wenn ein Spieler lernwillig und heiß ist, zu spielen. Marvin Reuther kommt ja auch aus der A2. Er ist ein talentierter Junge, doch er muss ebenfalls noch viel lernen. Dann ist es natürlich schön, wenn die Jungs aufmerksam sind und Gas geben wollen.

- Flippiger Coachingzonenrenner oder ruhiger Bankdrücker?

Ich hoffe, dass ich mich auf die Bank setzen und das Spiel genießen kann. Wenn es so sein sollte, ist es schön, aber trotzdem bin immer jemand, der mitfiebert und die Linie hoch und runter marschiert. Ich brülle jedoch nicht rein, denn ich sage: Wenn alles funktioniert, was man im Training erarbeitet hat, muss man nichts sagen, dann läuft das Spiel. Wichtig ist die Trainingsarbeit: Wenn die Jungs alles verstehen, was du willst, kannst du als Trainer nur zuschauen und genießen.

Zum Schluss beenden Sie bitte noch diesen Satz:

Wenn ich nicht Fußballcoach geworden wäre und nie mit dem Fußball angefangen hätte, dann würde ich heute...

... wohl American Football spielen, weil das auch ein cooler Kontaktsport ist. Ich mag Zweikämpfe und habe auch längere Zeit selber in der Abwehr gespielt. Es ist schön, wenn es robust zur Sache geht. Es gibt auch filligrane Fußballer, aber ich war einer von der Abräumertruppe. Wenn es keinen Fußball geben würde, würde ich deshalb wahrscheinlich American Football spielen und da Gas geben.