
Nidda. Zwei Gesichter des Sparkassen-Futsal-Cups, die unterschiedlicher nicht sein können, spiegeln zurzeit das Bild des Fußballkreises Büdingen in der öffentlichen Wahrnehmung: Hier die mittlerweile weit über die hessischen Landesgrenzen hinaus bekannte Video-Sequenz mit den schier unglaublichen Jagdszenen und Prügelattacken, die zur späten Abendstunde der Futsal-Cup-Zwischenrunde unterm Niddaer Hallendach eine der dunkelsten Phasen des sonst so beschaulichen Beritts in Vogelsberg und Wetterau mit Spielabbruch und sofortigen Ausschlüssen der am Chaos beteiligten Mannschaften des VfB Rodheim/Horloff und der SG 05 Büdingen herauf beschwor.
Auf der anderen Seite müssen logischerweise der FC Alemannia Gedern, der zum dritten Mal in Folge den bisherigen Vorzeige-Budenzauber in souveräner Manier gewann, und die vorbildlich organisierende Crew des Kreisfußballausschusses Büdingen hintanstehen. Genauso wie die planerischen Gedanken an die ersten Partien der in gut vier Wochen beginnenden Restrunde.
Sondierungsgespräche in Reihen aller Beteiligten beschäftigen nicht nur die Mitglieder der Sportgerichtsbarkeit um den Vorsitzenden Manfred Schmidt aus Rinderbügen, der die Schiedsrichter-Sonderberichte analysiert und neutrale Zeugen für die anstehende Verhandlung sucht. Kreisfußballwart Jörg Hinterseher (Hainchen) will mit seiner Funktionärsmannschaft eine gemeinsame Strategie entwickeln. Schwebt über beiden Mannschaften aus Rodheim/Horloff und Büdingen das Damoklesschwert des Ausschlusses vom Spielbetrieb?
„Wir wollen nicht gleich das Handtuch werfen und den Spielbetrieb einstellen“, gibt Lutz Eiser in der Rolle des 1. Vorsitzenden des VfB Rodheim/Horloff auf Anfrage zu Protokoll und erklärt, dass „die beiden an den Auseinandersetzungen beteiligten Spieler mit sofortiger Wirkung auf Dauer vom Spielbetrieb ausgeschlossen sind“. Eiser bekräftigte, dass man nach der ersten Reaktion nun abwarten müsse, denn nun sei die Sportgerichtsbarkeit am Zug.
Am Dienstagabend haben die Verantwortlichen des B-Ligisten während einer Vorstandssitzung eine Stellungnahme verfasst und deutlich gemacht, dass ihr Engagement im Kreis Büdingen seit dem Sommer 2019 auf dem Hintergrund beruhe, dass ein Großteil der Spieler aus Nidda stamme und der Kreis Büdingen die sportliche Heimat für sie darstelle. Die Mannschaft sei von Ali und Haci Duman sowie Sadik und Burak Özkul zusammengestellt worden. Ali Duman fungiere als Trainer. Ziel sei gewesen „eine komplett ortsfremde Mannschaft in einem Rutsch in den Verein zu integrieren und somit auch eigenen Spielern, die seit sechs Jahren ihr Hobby nicht mehr ausüben konnten, eine Möglichkeit zu geben, in Rodheim Fußball zu spielen. Die erste Mannschaft besteht jedoch überwiegend aus den befreundeten Spielern aus Nidda“.
In der Stellungnahme distanziert sich der VfB Rodheim/Horloff von einer Berichterstattung. in der der Terminus „Integrationsexperiment“ im falschen Kontext verwendet worden sei. Lutz Eiser und die VfB-Vorstandskollegen kommen schnell zur wichtigsten Frage: Wie geht es mit dem Spielbetrieb in der laufenden Runde weiter? „Unter Betrachtung der Intensität der Ausschreitungen, die Berichterstattung der mittlerweile gesamtdeutschen Presse über den VfB Rodheim/Horloff, die ausstehende sportgerichtliche Strafe und hiermit verbundenen Kosten sowie die Rücksichtnahme auf die weiteren Abteilungen, die Mitglieder und Werbepartner ist dies keine leichte Aufgabe. Der Vorstand distanziert sich hier nochmals ausdrücklich von jeglicher verbaler und tätlicher Gewalt, die in Nidda unter dem Vereinsnamen des VfB Rodheim/Horloff stattgefunden hat. Dies unabhängig der noch ungeklärten Schuldfrage. Von Schuldzuweisungen gegenüber Spielern der SG Büdingen und des VfB Rodheim möchten wir daher hier absehen. Dies wird das Sportgericht Büdingen klären.“
Abschließend nimmt Lutz Eiser, der nach eigenem Bekunden am vergangenen Freitagabend in der Niddaer Halle anwesend war, noch zum Internetvideo Stellung: „Es ist kein Zuschauer des VfB Rodheim auf dem Spielfeld zu sehen. Die in blau gekleideten VfB-Spieler verhalten sich bis auf die beiden mit roten Karten bestraften Spieler alle passiv.“