
Wer gedacht hatte, die ohnehin schon drollige Oberliga-Saison habe bereits alle Kuriositäten präsentiert, sah sich getäuscht. Am „Grünen Tisch“ hat der Wuppertaler SV die Punkte aus dem Auswärtsspiel beim VfB Speldorf zugesprochen bekommen, das eigentlich Sonntag um 15 Uhr hätte angepfiffen werden sollen. Speldorf sagte die Partie am Donnerstag „aus Sicherheitsgründen“ ab, der Verband wertete die Partie mit 2:0 zu Gunsten des WSV.
„Der Spielplan wird im Sommer erstellt und nicht erst eine Woche vor dem Anstoß“, schüttelt WSV-Sportvorstand Achim Weber den Kopf. Verband und Polizei hatten das Mülheimer Stadion nach eigenen Angaben als geeignet eingestuft, der VfB („nach einer ausführlichen Risikoanalyse“) scheute aber offenbar die erhöhten Kosten für den Sicherheitsdienst. Und das, obwohl der WSV wie immer eigene Ordner mitbringen und sich an den Auslagen beteiligen wollte. Und so reagierte Wolfgang Jades, Obmann des Fußballverbandes Niederrhein, dann auch ungewohnt deutlich: Andere Vereine hätten viel größere logistische Probleme bewältigt, er sei vom VfB enttäuscht...
Der muss nun ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro zahlen – und beharrt auf der Feststellung, dass sich „Polizei, Sicherheitsdienst, Stadt Mülheim und der VfB Speldorf als verantwortlicher Veranstalter“ einig gewesen seien. Den Tausch des Heimrechts hatte der FVN abgelehnt – eben weil das Stadion tauglich sei.
Jades wies auf das grundsätzliche Problem hin: In der Oberliga treffen Traditionsteams mit relativ großem Anhang und lupenreine Amateurvereine aufeinander. Das birgt Konflikte. Lösen will der Verband sie dadurch, dass er nun doch ein offizielles Zulassungsverfahren einführt. Bislang muss lediglich eine Bürgschaft über 35.000 Euro nachgewiesen werden. Aus gutem Grund: Mit dem KFC Uerdingen könnte 2014/15 ein weiterer Zuschauermagnet in der hiesigen Oberliga auftauchen.
WSV-Trainer Thomas Richter („Ich gewinne lieber auf dem Rasen“) hat seiner Mannschaft ein freies Wochenende gegönnt. „Es ist bis Ende Mai die letzte Möglichkeit.“ Gleichzeitig will er damit seine Spieler belohnen, „die in Kray Leidenschaft und Einsatz gezeigt und gut trainiert haben“.
Sportvorstand Achim Weber bleibt derweil mit Blick auf die gestoppten Vertragsverhandlungen („Das haben wir ja nicht von einer Niederlage abhängig gemacht, sondern von der Gesamtentwicklung“) gelassen. In Kray standen neun Spieler in der Startformation, die auch für die Saison 2014/15 einen gültigen Kontrakt besitzen. Nur Christian Hausmann und der erstarkte Eric Yakhem (Thomas Richter: „Bei ihm ist es alles eine Sache der Psyche“) sind noch offen.