
„Von der Erfahrung profitieren“
Fünf sind es bis zur coronabedingten Unterbrechung schon geworden, zwei in der Liga und drei im Aachener Kreispokal, was durchaus bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass Wosz ein Zweitspielrecht besitzt und im Wechsel auch noch für den Bochumer Stadtteilclub Teutonia Riemke zum Einsatz gekommen ist. Und sieht man vom Kreispokal-Halbfinale ab, das der Fusionsclub mit 1:5 gegen den Bezirksligisten FV Vaalserquartier verloren hat, verließ Wosz mit seiner neuen Mannschaft den Platz nie als Verlierer. „Das sind gute Jungs, es macht Spaß mit ihnen zu kicken“, sagte der Ex-Profi. Und: „Einige von ihnen könnten auch zwei Klassen höher spielen.“ Früher hatte er Mitspieler wie Oliver Kahn, Matthias Sammer oder Jürgen Klinsmann. Heute heißen sie Berat Karapinar, Marcel Abolaji Aliu oder Francesco Alberga. Fußballer, die nie ein Nachwuchsleistungszentrum von innen gesehen haben. Das macht für Wosz keinen Unterschied. Im Gegenteil: „Ich freue mich, wenn ich sehe, dass sie sich voll reinhängen und ich sie unterstützen kann.“
Für Bosko Tomasen ist die Zusage, die Wosz dem Verein gegeben hat, ein „Glücksfall“. Der SG-Coach sagte: „Es ist toll, dass unsere Jungs von seiner Erfahrung profitieren können.“ Was den 39-Jährigen am ehemaligen Bochumer Kult-Kicker fasziniert, sind natürlich auch die fußballerischen Fähigkeiten, die Wosz im Alter von 51 Jahren noch immer besitzt. Vielleicht noch ein bisschen mehr beeindruckt ist er allerdings von dessen Fitness. „Es ist Wahnsinn, was für ein Pensum er abspult.“
Der technisch versierte Mittelfeldspieler sei so fit, dass sich die meisten 30-Jährigen ein Beispiel an ihm nehmen könnten, findet auch Karl-Heinz Dahmen. Über das Gerücht, dass Wosz eine großzügige Aufwandsentschädigung erhalten habe, damit er für die SG spielt, darüber kann der erste Vorsitzende des SV Hoengen nur lachen. „Er hat uns sogar noch drei Bälle geschenkt“, sagt Dahmen. Es sei ein „Freundschaftsdienst“, man könne stolz darauf sein, dass „Dariusz für unseren Verein Spiele bestreitet“. Wie viele in Zukunft noch dazu kommen werden, kann er nicht sagen, weitere Einsätze sind aber auch nach der unfreiwilligen Auszeit im November vorgesehen.
In normalen Zeiten steht Wosz fast täglich auf dem Platz, er leitet seit mehr als zehn Jahren eine eigene Fußballschule und parallel dazu auch die des Zweitligisten VfL Bochum; im Jugendbereich des VfL war er zwischenzeitlich mal als Trainer unterwegs, Wosz hat Ilkay Gündogan, Leon Goretzka und Lukas Klostermann weiterentwickelt, aber dieses Kapitel hat er hinter sich gelassen.
Beruflich verschlägt es ihn immer wieder in die Region, im kommenden Jahr will er auch für den Nachwuchs der Aldenhovener ein dreitägiges Trainingscamp anbieten, wenn die Pandemie es zulässt. Dass er dafür mehr als 120 Kilometer zurücklegen muss, auch um zu den Spielen der SG zu kommen, macht ihm nichts aus. „Als junger Fußballer bin ich teilweise sechs, sieben Stunden unterwegs gewesen, um von Halle nach Bochum zu kommen. Ich fahre gerne Auto.“
Eine der Sachen, die Wosz noch lieber macht, ist Fußballspielen. Die Zeiten der „Zaubermaus“, ein liebevoller Spitzname, den die Anhänger des VfL Bochum ihm verpasst haben, sind vorbei, „in meinem Alter finde ich das nicht mehr so passend“, sagte Wosz. Als „vorderster Sechser“ kann er das Spiel aber immer noch lenken, „ich trenne mich jetzt nur schneller vom Ball als früher“.
An das Karriereende denkt der 51-Jährige noch nicht. „Ich liebe Fußball. Ich habe zu meiner Frau im Scherz gesagt: Es ist wahrscheinlich, dass ich auf dem Fußballplatz begraben werde.“ Er hat viel erlebt in der Fußballbranche, ein Job als Co-Trainer in einem Proficlub würde ihn aber noch reizen – auch wenn das bedeuten würde, dass er dann selbst weniger spielen würde. Aber mit Sicherheit hätten auch die Verantwortlichen bei der SG Hoengen/Aldenhoven-Pattern dafür größtes Verständnis.