2025-12-03T05:51:34.672Z

Allgemeines

Ein echter Vollblutstürmer

Dietmar Jentzsch spielte 155 Mal in der ersten Mannschaft von Stahl Riesa. Heute wird die Fußball-Legende 60.

Die Töppen hat Dietmar Jentzsch noch nicht gänzlich an den berühmten Nagel gehängt. Doch die Glanzzeiten sind - sportlich gesehen - Geschichte. In den 1970er und 80er Jahren war Jentzsch Stürmer bei Stahl Riesa. Heute feiert er seinen 60. Geburtstag.

Seine sportliche Laufbahn begann er in Terpitz, wo er aufwuchs, und in Oschatz. Weil man Anfang der 1960er Jahre erst mit sieben im Wettkampfbetrieb Fußball spielen durfte, schlich sich Dietmar Jentzsch als Sechsjähriger mit dem Trikot unterm Pullover aus dem Haus zum Platz. „Meine Mutter wusste nichts davon“, erzählt er. Sein erster Trainer in Terpitz war Georg Kaiser. Dietmar Jentzschs sportliche Aktivitäten beschränkten sich nicht auf den Fußballplatz, der quasi hinter dem Haus war. „Ich bin auch geritten, war Dritter der Bezirksmeisterschaft im Voltigieren“, erzählt er. In seiner Schulzeit habe er außerdem an vielen Leichtathletik-Wettkämpfen teilgenommen und dabei zahlreiche Medaillen gesammelt.

Da es in Terpitz keine Juniorenmannschaft gab, wechselte Dietmar Jentzsch als 12-Jähriger zu Einheit Oschatz. Mit Zustimmung der Eltern spielte er bereits mit 17 Jahren im Männerbereich. Später tauchten Fritz Lindner und Helmut Berge, damals beide im Trainerstab der BSG Stahl Riesa, im Gehöft der Eltern in Terpitz auf. „Als Elektriker kann er auch im Stahlwerk in Riesa eine Stelle bekommen“, lautete ihr Angebot an Dietmar Jentzsch, der zu dieser Zeit gerade seine Lehre zum Elektroinstallateur/Elektromonteur in der PGH Elektro abgeschlossen hatte. Zum Arbeiten sei er dabei jedoch kaum gekommen. „Einmal pro Woche waren wir Fußballer im Werk“, erinnert sich der Stürmer.

Bevor er für die Riesaer Oberliga-Mannschaft auflaufen konnte, wurde Dietmar Jentzsch zum Armeedienst eingezogen. Wie es der „Zufall“ so wollte, leistete er ihn in Oschatz ab. „Ich durfte die Kaserne zum Fußball verlassen, obwohl ich noch nicht vereidigt war. Ein Offizier hat mich auf der Schwalbe zum Spiel nach Casabra gefahren“, erinnert sich der Stürmer. Eine Zeitlang mischten die Oschatzer sogar im Bezirksmaßstab mit. „Fisch-Leutert war unser Hauptsponsor und größter Fan. Er fuhr immer mit. Meist spielten wir gegen Truppen aus dem Leipziger Raum“, weiß der Dietmar Jentzsch noch.

Torschützenkönig in der Saison 1982/83

In Riesa konnte sich Dietmar Jentzsch nicht auf Anhieb durchsetzen. Er spielte in der 2. Mannschaft. Die stand 1975/76 immerhin in der zweithöchsten Spielklasse, der DDR-Liga. Später verschlug es Dietmar Jentzsch auch mit der ersten Mannschaft der BSG in diese Gefilde. Dort war er in der Saison 1982/83 mit 16 Toren, also knapp einem Viertel der Riesaer Treffer, Torschützenkönig. In der Saison darauf, eine Liga weiter oben, kam er auf acht Tore. Trainer Günther Guttmann hatte den damals 22-Jährigen erstmals am 23. September 1978 in der Oberligamannschaft eingesetzt. Im Heimspiel gegen den Berliner Fußballclub (BFC) Dynamo, das 1:2 verloren ging, wurde er in der 77. Minute eingewechselt. Von 1978 bis 1987 kam Dietmar Jentzsch auf insgesamt 155 Einsätze in Stahls erster Mannschaft. Dabei erzielte der Rechtsfuß 42 Tore. Kurzzeitig wollte Guttmann ihn auch mal zum Abwehrspieler „umschulen“. „Während das mit Wolfram Meinert, der als Rechtsverteidiger doch verkappter Stürmer war und bei den Ecken vorn mit auftauchte, funktionierte, klappte das bei mir nicht“, blickt Dietmar Jentzsch zurück. Als Stürmer in Riesa habe man gut zu Fuß sein müssen. „Als Gegenspieler hatten wir meist Stopperduos, von denen so mancher in der Nationalelf spielte. Die schalteten sich dann mit in den Angriff ein und man musste als Stürmer bis zum eigenen Strafraum mit zurück“, schildert Jentzsch die damalige Taktik.

Bei der Frage nach dem Spiel, an dass er sich am liebsten erinnert, muss Dietmar Jentzsch nicht lange überlegen. „Das war im Pokal, als wir den FC Magdeburg mit 4:3 nach Verlängerung geschlagen haben. Wir waren krasser Außenseiter“, blickt er auf die Partie im November 1979 zurück.

Der Fußball hat Dietmar Jentzsch bis heute nicht los gelassen. Er ist weder Funktionär noch Trainer geworden, spielt aber in einer der Alten-Herren-Mannschaften des Vereines, der nun wieder BSG Stahl Riesa heißt. „Wir versuchen, jede Woche ein Freundschaftsspiel zu bestreiten, vom Frühjahr bis zum Herbst draußen, im Winter in der Halle“, erzählt der fünffache Großvater. Die Mannschaft beteilige sich an Wettbewerben auf Landesebene und hat es auch schon in die Bundes-Endrunde der Ü40-Mannschaften geschafft.

Nach dem Ende seiner Zeit in der Männermannschaft war Dietmar Jentzsch für die Stadt Riesa als Sportstättenverwalter tätig. Mit der Währungsunion war dieser Job Geschichte. Er ging in den Westen und arbeitete als Handelsvertreter für Vervielfältigungspapiere. Seither habe die Firma zwar bereits dreimal den Besitzer gewechselt, er habe aber kürzlich eine Urkunde für die 25-jährige Firmenzugehörigkeit bekommen. Mittlerweile ist er für den Vertrieb von Reproduktionstechnik zuständig.

Aufrufe: 027.11.2015, 11:09 Uhr
Axel KaminskiAutor