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Ligabericht

Der Schattenmann

Seit Jahren ist Markus Lichtenauer unumstrittener Stammspieler bei Bezirksligist Perlesreut. Im Rampenlicht stehen jedoch andere.

von Helmut Weigerstorfer · 10.03.2020, 08:00 Uhr · 0 Leser
Der eine, der immer spielt: Markus Lichtenauer ist beim SV Perlesreut praktisch unersetzlich.
Der eine, der immer spielt: Markus Lichtenauer ist beim SV Perlesreut praktisch unersetzlich. – Foto: Karl-Heinz Hönl
Markus Lichtenauer fühlt sich im Schatten, also fernab des Rampenlichtes pudelwohl. Der 35-Jährige leidet aber nicht an einer Sonnenallergie, keine Sorge. Und die folgenden Zeilen sollen auch keine medizinische Abhandlung sein, sondern vielmehr ein Porträt über einen Fußballspieler, der eigentlich immer spielt und das auch noch gut, aber dennoch nur wenig beachtet wird bzw. keine Schlagzeilen-produzierte Offensivkraft ist. Lichtenauer ist vielmehr die Verlässlichkeit in Person in der Defensive von Bezirksligist Perlesreut. Er ist da, wenn er gebraucht wird - mit Leidenschaft, Ehrgeiz und Willen.

Der Außendienstmitarbeiter im Anwendungstechnik-Bereich ist nicht nur auf dem Platz praktisch unverzichtbar für seinen Verein, sondern ist auch außerhalb mittlerweile zu einer Identifikationsfigur aufgestiegen. Markus Lichtenauer gilt als Perlesreuter Urgestein, als einer, der schon immer da war und eines der Gesichter des Bezirksligisten ist - und das, obwohl er eigentlich gebürtiger Hauzenberger ist und auch dort seine ersten Stehversuche im Herrenbereich machte.

Die Liebe zu seiner heutigen Frau führte ihn allerdings ins Ilzer Land, wo er sogleich seine zweite große Liebe, den SV Perlesreut, entdeckte. "Ich wohne inzwischen zwölf Jahre hier und fühle mich deshalb heimisch. Das ist ein Grund dafür, dass mich viele als Einheimischen sehen", berichtet Lichtenauer. Sein Umzug nach Perlesreut und sein einhergehender Wechsel zum dortigen SV war gleichbedeutend mit dem tatsächlichen Start seiner Amateurfußballer-Karriere.

In Hauzenberg noch war Lichtenauer lediglich Ergänzungsspieler der damaligen Kreisliga-Truppe und eher in der Reserve aktiv, auch in Perlesreut war er zunächst für die Zweitvertretung vorgesehen. Der "Überfußballer" sei er noch nie gewesen, schätzt sich der Familienvater in seiner gewohnt zurückhaltenden Art selbst ein. "Ich bin eher der Spieler, der durch Kampf und Leidenschaft auffällt." Fußballerische Eigenschaften, die zwar gefragt sind, aber wohl eher erst auf den zweiten Blick deutlich werden. Eigenschaften, die die Trainer beim SVP jedoch von Anfang an schätzten.


"Ich tue nur das, was ich wirklich kann"

Lichtenauer spielt immer. Egal, ob Josef Wagner, Josef Seidl, Franz Hackl, Oliver Aigner oder Georg Süß. Alle Trainer, unter denen der 35-Jährige bisher im gelben Trikot aufgelaufen ist, haben stets auf den Defensivmann gesetzt - zunächst als Rechts- oder Innenverteidiger, zuletzt auch vermehrt im Zentrum der Abwehr. Das soll aber nicht heißen, dass er praktisch einen Freifahrtsschein hat und sich darauf ausruhen kann. Im Gegenteil. Der Stammplatz ist der verdiente Lohn: Die Nummer 6 überzeugt regelmäßig, eigentlich immer.

Während Offensivspieler mit Toren und Tricks auf sich aufmerksam machen, ist das große Talent des 35-Jährigen seine absolute Zuverlässigkeit. Eine Gabe, die ihm praktisch in die Wiege gelegt worden ist. "Ich kenne meine Stärken einfach. Ich tue nur das, was ich wirklich kann", beschreibt Lichtenaue seine Fähigkeiten als wäre es das normalste der Welt über Jahre hinweg konstant gute Leistungen zu bringen. Gesegnet ist er zudem mit einem scheinbar unverwüstlichen Körper, weshalb er seit einer gefühlten Ewigkeit ohne Verletzungen ist.

"Ihn hat man lieber als Mit- wie als Gegenspieler."
"Ihn hat man lieber als Mit- wie als Gegenspieler." – Foto: Karl-Heinz Hönl

"Die Bezeichnung Dauerbrenner passt wie die Faust aufs Auge bei ihm", erzählt Maxi Göttl, sportlicher Leiter beim SV Perlesreut und langjähriger Teamkollege von Markus Lichtenauer. Er berichtet von einem sehr bescheidenen Familienmenschen, der für den Fußball lebt. Mit diesen Eigenschaften hätte er sich seinen Heldenstatus als Legende beim SV Perlesreut nach und nach grundehrlich erarbeitet, wie Göttl deutlich macht. "Als Mr. 100 Prozent haut er sich in jedem Spiel und Training immer voll rein und ist absolut unverzichtbar für die Mannschaft. Ihn hat man lieber als Mit- wie als Gegenspieler."

Viel Lob, was der Angesprochene eigentlich nicht gewohnt ist und was ihn fast etwas verlegen werden lässt. "Ich brauche eigentlich keine Bestätigungen von außen. Weil ich meine Leistungen selber relativ gut einschätzen kann, bin ich selbst mein größer Kritiker - und eigentlich nie zufrieden." Wunschlos glücklich nach einer Partie ist er nicht, wenn er im Mittelpunkt des Geschehens gestanden ist, sondern vielmehr, wenn sein Team gesiegt und er einen großen, wenn auch eher unspektakulären Teil dazu beitragen hat.


"Es ist geplant, dass ich nach der Saison aufhöre"

"Wenn ich zurückblicke und unser Aufstiegsjahr sehe, bin ich schon der Meinung, dass in diesem Jahr mit nur 20 Gegentreffer unsere Defensive sehr viel zur Bezirksliga-Rückkehr beigetragen hat. Deshalb ist es nicht immer fair, wenn nur die Offensive im Mittelpunkt steht", lässt sich Lichtenauer dann doch zu einer leichten Kritik bzw. Selbstbeweihräucherung verleiten. Nicht jedoch aus egoistisch-individuellen Gründen. Er möchte eher, dass die gewürdigt werden, die es auch verdient haben.

Die Geschichte über Markus Lichtenauer ist auch ein Rückblick auf eine lange Karriere auf den Sportplätzen Niederbayerns, die sich langsam aber sicher ihrem Ende zuneigt. "Insgesamt hätte nicht gedacht, Bezirksliga-Spieler zu werden", resümiert er. Im vergangenen Sommer wollte er eigentlich seine aktive Karriere bereits beenden, ließ sich aber von seinen Teamkameraden überreden, noch eine Spielzeit dran zu hängen. "Es ist geplant, dass ich nach dieser Saison aufhöre", bekräftigt er nun mit Nachdruck, lässt sich aber gleichzeitig ein Hintertürchen offen: "Aber sag niemals nie..."

Fest steht, dass Markus Lichtenauer als Mensch und vor allem als Spieler eine große Lücke hinterlassen wird, sollte er seine Karriere tatsächlich im kommenden Sommer beenden. "Wir hoffen natürlich, dass uns Markus noch lange Zeit erhalten bleibt - auch wenn seine Pokerkollegen sich wegen seiner Glückssträhne schon längst ein Karriereende herbeisehnen", erzählt Maxi Göttl mit einem Schmunzeln. Die Erfolge als Fußballer sprechen für sich. Hinzu kommt ein Händchen am Kartentisch: Lichtenauer - der Schattenmann des SV Perlesreut und die Sonnenseiten des Lebens...