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Der Fußballverrückte, der Stabilität bringen soll

Marcel Radecker ist der Neue auf der Trainerbank des Kreisoberligisten Grün-Weiß Blankenhain. Er hinterlässt bei den Spielern einen positiven ersten Eindruck

von Stephan Klaus · 30.06.2021, 09:00 Uhr · 0 Leser

Absolutes Neuland ist der Posten des Chef-Trainers bei einem Fußball-Kreisoberligisten für Marcel Radecker nicht. „In den sieben Jahren als Co-Trainer in Bad Berka bin ich ja schon ein paarmal eingesprungen, als Trainer Hans-Jürgen Gehre unpässlich war“, sagt der Neue auf der Bank beim Bad Berkaer Liga-Konkurrenten Grün-Weiß Blankenhain. Gleichwohl ist der Fußballverrückte, wie er sich selbst beschreibt, nach seiner Zeit als Übungsleiter beim Isserodaer SV in der Kreisklasse nun erstmals Dauerchef auf dieser Ebene geworden.

Mit einer üppigen Anlaufzeit. „Die Entscheidung brauchte einige Monate, um zu reifen. Die Arbeit mit der jungen Mannschaft in Isseroda hat Spaß gemacht. Und wenn die Pandemie einem zweimal einen Strich durch die Rechnung macht, geht man nicht über Nacht weg. Zudem leben Blankenhain und Bad Berka eine gesunde sportliche Rivalität. Die meisten Leute hier im Weimarer Land wissen von meiner Zeit dort.“

Jede Menge der Wochen nach dem Anruf von Grün-Weiß-Vize Riccardo Bartholmeß haben aber gleichwohl einen anderen Gedanken wieder und wieder in den Mittelpunkt gerückt: „So viele Chancen bei einem Verein dieser sportlichen Größe bekommt man in dieser Region nicht. Es ist ja auch nicht so, als könnte man hier nichts bewegen. Zudem kenne ich die Vorstandsmitglieder aus der Vergangenheit persönlich gut.“

Unisono mit Vorstand Volker Anding erklärt Radecker, dass sich die Blankenhainer mitten im sportlichen Umbruch befinden. „Das ist nicht mehr die Landesklasse-Mannschaft vergangener Jahre. Viele haben aufgehört“, sagt der Trainer. „Der Kader braucht jetzt Stabilität und gerade die jungen Spieler eine ausgeglichene Persönlichkeit“, legt Anding nach. „Man kann es nicht jedem Recht machen, Marcel bringt pädagogisch aus unserer Sicht in der aktuellen Situation eine guten Charakter mit.“

Bereits drei Wochen befindet sich das Team nun mit ihm im Training. „Er hinterlässt einen sehr positiven Eindruck, erklärt Spielformen und unterbricht, um zu korrigieren“, sagt einer der Gestandenen im Team, Kapitän Lucas Sorge. „Man merkt schnell: Er weiß, wovon er spricht. Klar, er verbringt gefühlt ja auch das ganze Wochenende auf sämtlichen Sportplätzen.“

„Fußball liegt in unserer DNA“, pflichtet Radecker dem Spielführer bei. „Unter meinem Vater habe ich mit 17 Jahren selbst in Blankenhain gespielt. Mein Bruder ist auch Trainer. Nun gilt es auch ein wenig, die Erblinie fortzuführen“, sagt er schmunzelnd. Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist es, die beiden Generationen im Team zu verbinden. Die von Lucas Sorge jenseits der 30, die der etlichen A-Junioren, die eifrig mittrainieren. „Sieben von ihnen haben das Alter, um bei den Männern spielen zu dürfen. Normal, dass wir hier am Körperlichen richtig viel machen müssen. Das fehlt bei den Jungen fast noch vollständig. Aber fußballerisch haben sie einiges drauf.“

Rückschläge in der angehenden Kreisoberliga-Saison werden darob nicht ausbleiben, meint der Coach: „Sicher werden wir nicht 17 Spiele am Stück gewinnen. Aber mit einer entsprechenden Weiterentwicklung wäre es schön, wenn wir die Playoffs statt die Playdown erreichen würden.“ Der Wunsch ist also, in der oberen Tabellenhälfte nach der ersten Serie zu landen. „Dann kannst du im zweiten Saisonabschnitt nicht nur die schönen Derbys gegen starke Mannschaften wie Bad Berka spielen, sondern auch ohne Ergebnisdruck vieles probieren und den jungen Spielern umso mehr Einsatzzeiten geben. Auch für die Attraktivität des Spiels wäre es gut, weniger Druck zu haben.“

Lust am Fußball und an der Schönheit des Spiels vermittelt Marcel Radecker indes nicht als Alleinunterhalter im Kreisoberligateam. Jochen Wedekind, der zuletzt die Geschicke der Elf von der Seitenlinie aus gelenkt hatte, bleibt auch künftig als Co-Trainer dicht am Geschehen. „Er ist mit seiner B-Lizenz nicht wegzudenken“, sagt Vorstand Anding. „Allerdings kann er mit seinen Arbeitszeiten nicht jede Trainingseinheit absichern. Er bleibt aber selbstverständlich ein ganz wichtiger Teil der Mannschaft.“