
Der Fußball lebt von seinen Rivalitäten. Ein Wechsel zum ewigen Rivalen ist aus diesem Grund immer eine heikle Sache und läuft nur selten geräuschlos ab. Marco Eickschen ließ sich davon aber nicht beirren und verabschiedete sich vor rund vierzehn Jahren von seinem Jugendverein BSV Bönninghardt, um für den Nachbarklub Borussia Veen aufzulaufen.
„Das war nicht ganz einfach, weil es zwischen Bönninghardt und Veen eine Rivalität wie zwischen Gladbach und Köln oder Dortmund und Schalke gibt“, sagt Eickschen.
Er sei deshalb auch kaum überrascht von dem einen oder anderen Spruch gewesen, den er sich damals im Zuge seines Wechsels anhören musste. „Das war mir natürlich von Anfang an klar, aber da muss man dann auch einfach mal drüberstehen“, sagt der 49-Jährige.
Mittlerweile ist Marco Eickschen schon 14 Jahre lang Teil von Borussia Veen. Das Krähendorf ist ihm ans Herz gewachsen. „In Veen wird der Zusammenhalt und die Kameradschaft nochmal ganz anders gelebt. Das hat man nicht zuletzt bei der digitalen Büttensitzung gesehen. Da sind einfach alle auf den Beinen und ziehen an einem Strang.“
Dass er den Schritt zur Borussia im Jahr 2007 überhaupt wagte, hatte zunächst einmal rein sportliche Gründe. „Mein eigentliches Zugpferd, war die Tatsache, dass der Fußball in der Bönninghardt zu diesem Zeitpunkt fast tot war“, sagt der 49-Jährige.
Marco Eickschen brachte deshalb auch gleich seinen Sohn Yannik zum Sportplatz am Halfmannsweg mit, der inzwischen wieder zum BSV Bönninghardt zurückgekehrt ist und dort das Tor in der neu formierten Senioren-Mannschaft hütet.
Zusammen mit Thomas Fürtjes und Jens Meier trainierte Marco Eickschen damals seinen Nachwuchskicker in der F- und auch in der E-Jugend. Im zweiten Jahr wurden sie gemeinsam Kreismeister. Gleichzeitig spielte er selbst in der A-Liga-Mannschaft der Borussia unter Trainer Thomas Dörrer, welcher in seiner zweiten Spielzeit von Thomas Fürtjes abgelöst wurde. „Den Aufstieg haben wir damals nur knapp verpasst“, sagt Marco Eickschen.
Zu dieser Zeit wurde der Elektriker, der außerdem seiner Frau Ruth in der Gaststätte Thiesen in der Bönninghardt unter die Arme greift, oft als Libero eingesetzt. Eine Position, die es im modernen Fußball gar nicht gibt und schon damals langsam durch die Viererkette ersetzt wurde. Der Systemwechsel war für ihn eine echte Herausforderung. „Da ich jahrelang nur als letzter Mann gespielt habe, fiel mir die Umstellung sehr schwer. Der Blick auf das Spiel ist ein anderer.“
Zu Beginn seiner dritten Spielzeit bei den „Krähen“, entschied sich Marco Eickschen dazu, etwas kürzerzutreten. Nachdem er noch ein Jahr in der zweiten Mannschaft seine Fußballschuhe schnürte, schloss er sich im Jahr 2010 den Alten Herren an. Es dauerte nicht lange, bis er das Kapitänsamt von Rainer Dierkes übernahm. Zusammen mit dem damaligen Kassenwart Dirk Kirschfeld erfüllte er diese verantwortungsvolle Position und kümmerte sich mehrere Jahre um alle Belange der Mannschaft, bis er die Führungsrolle an Peter Terlinden weitergab.
Aktuell fiebern die Altherren-Fußballer vor allem dem 14. August entgegen. Dann soll das Spiel gegen die Weisweiler-Elf, welches im vergangenen Jahr Corona-bedingt abgesagt wurde, nachgeholt werden. Marco Eickschen und seine Teamkollegen drücken sich selbst die Daumen, dass das Spiel gegen die Traditionsmannschaft von Borussia Mönchengladbach nicht erneut ins Wasser fällt. „Das wäre nämlich ein echtes Highlight für uns. Natürlich auch, weil es hier sehr viele Borussia-Fans gibt“, sagt Marco Eickschen. Auch er selbst ist ein langjähriger Anhänger der Fohlen. Den Abgang von Coach Marco Rose zu Borussia Dortmund sieht er nicht so kritisch wie viele seiner Freunde und Bekannten.
„Einige schrieben sofort, dass er nun dahin gehen soll, wo der Pfeffer wächst. Für mich ist das einfach der Lauf der Dinge. Natürlich werden wir damit einen sehr guten Trainer verlieren, aber das ist der nächste Sprung auf der Karriereleiter“, sagt der 49-Jährige.
Den Wechsel zum Konkurrenten kann Marco Eickschen also durchaus nachvollziehen, vielleicht auch, weil er selbst damit schon ganz gute Erfahrungen gemacht hat.