Das Vorbild
Obwohl Martin Kress (34) aus Edenstetten kommt, bezeichnet er die Spvgg Ruhmannsfelden als seinen Heimatverein. Eine Geschichte über einen Mann, der mehr Geber als Nehmer ist.
von Helmut Weigerstorfer · 28.08.2020, 10:00 Uhr · 0 Leser
Martin Kress ist bei der Spvgg Ruhmannsfelden der, der immer da ist - und das seit 1999. – Foto: Helmut WeidererDie (Erfolgs-)Geschichte der
Spvgg Ruhmannsfelden mit dem
Höhepunkt Bayernliga wird gerne und oft erzählt im Bayerischen Wald - und erreicht deshalb langsam aber sicher den Status als Mythos. Wohl kein Spieler im aktuellen Kader verkörpert die Philosophie und den damit verbundenen Weg der Lerchenfeld-Kicker so wie Abwehr-Oldie und Bald-Trainer
Martin Kress. Unbedingter Teamgeist, ein fast schon geängstigender Ehrgeiz, eine selbstverständliche, aber umso leidenschaftlichere Bodenständigkeit - alles Eigenschaften, die sowohl auf den aktuellen Bezirksligisten im Allgemeinen zutreffen, aber auch auf den 34-Jährigen im Besonderen.
Die Rolle als Vorbild, als Führungsspieler, als Identifikationsfigur und als Dauerbrenner scheint Kress auf den Leib geschneidert zu sein - und das, obwohl der zweifache Familienvater gar nicht bewusst darauf hingearbeitet hat, bei der Spvgg Ruhmannsfelden zu einem der Gesichter der jüngsten Vergangenheit zu werden. Diese unzertrennliche Zweierkonstellation darf vielmehr als von Gott gegeben, als Schicksal gesehen werden. Doch auch der Zufall braucht ab und an einen Gehilfen. Ihm Falle von Martin Kress ist das sein ehemaliger Jugendtrainer Thomas Seidl.
Der heutige Coach der Spvgg GW Deggendorf war es, der 1999 seinen baldigen Ruhmannsfeldener Kollegen zum Verein in die Marktgemeinde lockte. Der damals 13-jährige Bursche, der bis dahin für seinen Heimatverein FC Edenstetten auflief, war zu dieser Zeit aber noch weit davon entfernt, eine prägende Figur der aktuellen Stern-Truppe zu werden. "Ein komplett Blinder war ich nicht", erinnert sich Kress. "Aber doch weit von einem Bezirks-, Landesliga- oder gar Bayernliga-Spieler entfernt."
»Er ist ein unglaublicher Fighter mit dem Herz am rechten Fleck«
Trotz der ein oder anderen dem Alter geschuldeten Auflehnung, kristallisierte sich relativ schnell heraus, dass der Defensivspieler angesichts seiner Tugenden zur alten Schule gehört. In seinem Fall war die Einstellung maßgeblicher für seine Amateurfußballerkarriere als sein Talent. "Ich war ehrgeizig ohne Ende und dementsprechend angefressen, wenn etwas nicht so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt habe. Für manchen Trainer war das sicher anstregend. Rückblickend muss ich jedoch sagen: Ohne diese Eigenheit hätte ich es nicht soweit geschafft."
Eine Feststellung, die er nicht exlusiv hat, wie frühere Weggefährten bestätigen. Entdecker Thomas Seidl beispielsweise sieht in Martin Kress "ein sehr gutes Beispiel, was man mit Fleiß und Ehrgeiz erreichen kann. Er ist ein unglaublicher Fighter und hat das Herz am rechten Fleck." Ein weiterer langjähriger Wegbegleiter, der inzwischen sogar zu einem Freund geworden ist, formuliert ähnliches. Alois Wittenzellner, sportlicher Leiter der Spvgg Ruhmannsfelden: "Martin ist ein sehr ehrlicher, ehrgeiziger und super Typ, dem es nie an Selbstvertrauen fehlte. Insgesamt ist er ein richtiger Wettkampfspieler."
Ist der Ball im Spiel, kann der Bundespolizist, der eigentlich als Spaßvogel und geselliger Kerl beschrieben wird, ziemlich ungemütlich werden. Seine harte, aber keinesfalls unfaire Zweikampfführung ist berühmt-berüchtigt. Genauso wie sein grimmiger Blick, generell seine kompromisslose Art als Abwehrchef der Spvgg-Kette. Sein Auftreten ist keinesfalls eine bewusste Sache, vielmehr Ausdruck seiner Leidenschaft für das Spiel - und Ursache, für den ein oder anderen blöden Spruch, den sich Kress von seinen Mitspielern bereits anhören musste.
"Ich bin nicht so, wie ich auf dem Platz wirke. Im Gegenteil. Ich denke, mit mir kann man Spaß haben." Selbst zu den vielen jungen Talenten im Kader hat der Routinier einen engen Draht - trotz des immer wieder deutlicher werdenden Generationenkonfliktes im Fußball.
"Ja, das stimmt schon", stellt auch Martin Kress fest.
"Den unbedingten Willen bringen heute nicht mehr so viele Jungs mit wie wir früher. Eine Ausnahme bilden hier unsere Nachwuchskräfte, die echt alte Schule sind." Der 34-Jährige meint damit unter anderem
Tim Weinberger,
Marcel Steinbauer oder
Dennis Edenhofer, in denen er sich ab und an selber sieht. Bestreiten sie einen ähnlichen Weg wie ihr Leitwolf, kann man noch viel erwarten von der Ruhmannsfeldener Truppe - davon ist Kress überzeugt.
Kress ist ein kompromissloser, aber keinesfalls unfairer Zweikämpfer. Zudem ist er aufgrund seiner Torgefährlichkeit gefürchtet. – Foto: Helmut Weiderer Das vorhandene Potenzial ist einer der Hauptgründe, warum der Haudegen mit dem Abschluss dieser Saison seine Karriere beenden wird - und irgendwie auch doch nicht. Der Beamte wird lediglich seine Rollen tauschen. Vom Chef auf zum Chef neben dem Platz.
Gemeinsam mit Erich Hagengruber tritt er zur neuen Spielzeit die Nachfolge von Viktor Stern an. Ein Engagement, das bei vielen Gleichgesinnten im Vorfeld der entsprechenden Entscheidung zu längeren Gedankenspielen führt - nicht so bei Martin Kress. Für ihn ist sein Funktions-Wechsel eine logische Konsequenz, fast schon eine Pflicht. Ruhmannsfelden, der Fußball allgemein bedeuten ihm soviel, dass er sich beinahe dazu verpflichtet fühlt, noch mehr Verantwortung zu übernehmen.
Die Spielvereinigung ist inzwischen nicht nur Ort seiner Fußballsehnsucht geworden, für den er selbst
"ein Angebote von einem Verein über der Bayernliga" abgelehnt hat. Die Marktgemeinde im Landkreis Regen ist mittlerweile generell sein Herzensort - fußballerisch wie privat. Seine Frau, eine Einheimische, hat er natürlich auf dem Lerchenfeld kennengelernt, wie sollte es auch anders sein. Die Familie Kress, zwei kleine Mädchen ergänzen das Glück, lebt (in) Ruhmannsfelden.
Dass seine Identifikation mit der Ortschaft über den Fußball hinaus geht, macht den 34-Jährigen wiederum sinnbildlich für den Ruhmannsfeldener Weg. Erst die gewachsenen Strukturen innerhalb des Vereins, und auch innerhalb des aktuellen Teams, haben dafür gesorgt, dass die Spielvereinigung überregional in Erscheinung tritt.
"Der Teamgeist ist unsere größte Qualität", macht Martin Kress deutlich. Seinen Worten darf man nach der Lektüre dieser Zeilen glauben schenken. Denn man weiß nun: Bei ihm kommen die Worte erst nach den Taten...