2025-12-03T05:51:34.672Z

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Shkemp Miftari hatte in der Jugend Angebote aus Italien und vom FC Bayern München. Jetzt Spielt er in der Landesliga. Foto: Yavuz Dural
Shkemp Miftari hatte in der Jugend Angebote aus Italien und vom FC Bayern München. Jetzt Spielt er in der Landesliga. Foto: Yavuz Dural

Calcio: Berger und Miftari im Portrait

Denis Berger und Shkemb Miftari berichten von ihrem bisherigen sportlichen Werdegang

Denis Berger und Shkemb Miftari sind die prominentesten Zugänge beim Landesligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen. Beide waren zuvor Berufsfußballer und haben sich nun an andere Verhältnisse zu gewöhnen. Ihr Ziel: der Aufstieg.

Kein anderer Verein in der Staffel 2 der Fußball-Landesliga hat in dieser Saison personell so aufgerüstet wie Calcio Leinfelden-Echterdingen. Gleich 13 Neue stehen im Kader des Trainers Cataldo Diletto, darunter die Ex-Profis Denis Berger und Shkemb Miftari. Dass die beiden mit dem Filderclub aufsteigen wollen, daraus machen sie kein Geheimnis. Und letztlich ist just dieses sportliche Ziel ja auch der Grund, warum die Verantwortlichen besagte Akteure in die Goldäcker geholt haben.

„Ich will immer den größten Erfolg, also den Aufstieg“, sagt Denis Berger. Der 32-jährige gebürtige Wiener, der mit drei Jahren bei Austria zu kicken begann, ist im Herbst seiner Karriere angekommen. Und weil er jene jetzt ruhiger gestalten wolle, habe er sich für den Wechsel vom Drittligisten Großaspach auf die Filder entschieden. Hier passe alles, hier kickt er wieder mit Sandro Villani und Torsten Smolcic zusammen, mit denen er schon beim VfB Stuttgart in der Jugend gespielt hat. Mit 18 hat Berger seinen ersten Vertrag am Wasen unterschrieben, seither war er immer Vollzeitprofi. Einen anderen Beruf als Fußballspielen hat der Vater eines eineinhalbjährigen Buben nicht erlernt.

Großer Durchbruch blieb verwehrt

Mit seiner Karriere ist der Mittelfeldmann Berger „recht zufrieden“ - auch wenn ihm der ganz große Durchbruch verwehrt geblieben ist. Gerade mal 14 Jahre war er alt, als ihn der VfB seinerzeit aus Österreich holte. In der Nachwuchsabteilung der Schwaben feierte er einen seiner größten Erfolge: den deutschen Meistertitel mit den B-Junioren. Zu den weiteren Highlights zählt er seine Zeiten beim VfL Bochum (zweite Bundesliga) und beim SV Ried (erste Bundesliga in Österreich).

Shkemb Miftari, der in Niederbayern geboren wurde und seine Wurzeln im Kosovo hat, war 17, als er sich das Trikot mit dem roten Brustring überstreifte. Davor kickte er bei Wacker Burghausen. Seinen ersten Profivertrag unterschrieb er beim Drittligisten Stuttgarter Kickers, wo er im Oktober 2013 beim 2:0-Heimsieg gegen Hansa Rostock seine Premiere auf dem Rasen feierte – 16 Minuten, als Einwechselspieler. 38 weitere Male stand er im Kader, kein einziges Mal indes in der Startelf. „Leider habe ich kein Tor gemacht. Hätte ich zehn gemacht, würde ich jetzt wahrscheinlich nicht bei Calcio kicken“, sagt der Youngster. Dabei hätte seine Karriere schon zuvor einen ganz anderen Verlauf nehmen können. Noch in Burghausen spielend, hatte Miftari Angebote von Lazio Rom und dem FC Bayern. Vor allem der deutsche Rekordmeister habe ihn „unbedingt verpflichten wollen“. Michael Tarnat und Hermann Hummels seien vorstellig geworden. Auf Empfehlung seines damaligen Beraters Maurizio Gaudino landete der Angreifer dann aber im U-19-Team des VfB.

"Zug für die Bundesliga ist abgefahren"

Dass er jetzt, mit gerade mal 22 Jahren, seine Karriere „weghaut“, wie es der neue Mitspieler Denis Berger ausdrückt, findet selbiger schade. „Er ist ein kompletter Stürmer; er hat alles, was man als Torjäger braucht“, sagt Berger, der vor einem halben Jahr eine Firma gegründet hat und sich als Spielerberater vor allem junger Talente annimmt – „damit denen nicht die gleichen Fehler passieren wie mir.“ Das Einzige, das dem 1,87 großen Miftari fehle, sei „vielleicht das entscheidende Quäntchen Ehrgeiz“. Andererseits spreche es für ihn, dass er nicht weiter nur auf den großen Durchbruch hoffe, sondern sich finanziell für die Zukunft absichern möchte. „In meinem Alter ist der Zug für die Bundesliga eigentlich abgefahren. Deshalb will ich im September 2016 eine Ausbildung beginnen“, sagt der Pasta-Liebhaber, der drei ältere Brüder hat und seine Freizeit am liebsten an der Playstation verbringt – wie Denis Berger auch.

In dieser Saison konzentriert er sich aber erst einmal nur auf den Landesligisten Calcio. Mit „25 bis 30 Toren“ will der Bayern-München-Fan Miftari, der in Zlatan Ibrahimovic sein Vorbild hat, seinen Beitrag zum Aufstieg leisten. Zwei Treffer sind ihm bis jetzt gelungen. In Sachen Vorlagen setzt er dabei stark auf Denis Berger, dessen Sympathien immer noch beim VfB Stuttgart liegen. „Er hat die Übersicht und die Technik, um mich perfekt bedienen zu können“, sagt Miftari. Einen weiteren Ex-Profi neben sich im Team zu haben, darüber ist er froh. Schließlich sei es eine extreme Umstellung, so weit unten zu spielen. Das gelte nicht auf dem Platz, sondern fange schon in der Kabine an. „Seit ich denken kann, musste ich noch nie etwas zum Spiel mitbringen. Es lag alles schon im Spind. Jetzt vergesse ich ständig etwas und muss Strafe zahlen“, sagt Denis Berger und lacht. „Und meine Mutter muss das erste Mal meine Sportklamotten waschen“, fügt Shkemb Miftari an.

Auch in Sachen Schiedsrichterentscheidungen gelte es sich umzugewöhnen und die Ruhe zu bewahren. Doch wie sagt Denis Berger und lacht erneut? „Zum Glück bin ich Österreicher, die sind ja schon cooler.“

Aufrufe: 016.9.2015, 13:00 Uhr
Filder-Zeitung / Susanne DegelAutor