2026-01-15T09:41:53.693Z

Allgemeines
– Foto: © Marcel Junghanns

Bier- und tränenreich

Ein echtes emotionales Highlight hielt das Fußballjahr 2023 zum Abschluss bereit. Für die beteiligten Spieler aus der 1. Kreisklasse Ostthüringen Staffel A von der SG Gößnitz/Zehma II und dem SV 1879 Ehrenhain II war es ein Spiel, dass sie nie vergessen werden.

Denn das verlegte Punktspiel wurde zu einem „Groundhopper“-Event. Am Ende reichten weder Eintrittskarten noch Bier auf dem Sportplatz in Zehma. Dennoch gab es nur glückliche Gesichter und die ein oder andere Träne an jenem Samstag, den 30. Dezember 2023.

Zwei Männer - Eine Idee

Die Partie der 1. Kreisklasse Ostthüringen Staffel A zwischen der SG Gößnitz/Zehma II und dem SV 1879 Ehrenhain II war das letzte Punktspiel des Jahres 2023 in ganz Deutschland. Alleine dieser Fakt lockte Groundhopper aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar darüber hinaus auf dem muckeligen Dortsportplatz in Zehma. Strippenzieher dieser ganzen Aktion war Christian Brehmer, der in Personalunion Präsident, Nachwuchsleiter und zudem Spielertrainer - gemeinsam mit Christoph Meyer verantwortlich für das Team - in Zehma ist. Ein Arbeitskollege, der in der Groundhopper-Szene aktiv ist, hatte vor ein, zwei Jahren die Ideen an ihn herangetragen. „Er meinte, dass ein Spiel so kurz vor Silvester ein echtes Highlight wäre. Als Ehrenhain dann zu Saisonbeginn die Partie verlegen wollte, war das die Chance. Erst haben mich alle blöd angeguckt, aber nach einer Woche Klärung hat Ehrenhain zugestimmt“, so Christian Brehmer zum Zustandekommen der Partie.

Als der Spieltermin - Samstag, der 30. Dezember 2023 um 14 Uhr - feststand, lief die „Marketing-Abteilung“ (bestehend aus dem Ein-Mann-Team Christian Brehmer) heiß. „Ich habe einen Flyer gemacht, den ich in der Groundhopper-Szene und im Internet verteilt habe. Einen Tag vor dem Spiel habe ich dann nochmal mit Leuten aus der Szene geschrieben. Man konnte nicht so richtig abschätzen, wie viele Groundhopper wirklich kommen. Gerechnet haben wir mit 250. Sicherheitshalber habe ich mal 300 Tickets bestellt, wobei ich dann auch die Angst hatte, dass diese nicht reichen“, erzählt der Zehmaer Vereinsverantwortliche.

Zu wenig Tickets - Zu wenig Bier

Und der Ansturm auf die Partie sollte die Angst von Christian Brehmer bestätigen. Denn insgesamt kassierte der Verein 668 Zuschauer ab. Die bekannten Gesichter aus der Heimat wurden in weiser Voraussicht nicht mit einer Eintrittskarte bedacht, sodass zumindest die Auswärtigen ihr begehrtes Ticket-Exemplar für das Poesie-Album mitnehmen konnten. Groundhopper von den Thüringer Traditionsvereinen Erfurt und Jena wie auch den anliegenden bekannten sächsischen Klubs aus Chemnitz, Aue, Zwickau und diversen Leipziger Vereinen waren da. Doch auch vom FC Bayern München, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, aus Rostock oder Wismar sowie vom 1. FC Kaiserslautern hatten sich Schlachtenbummler auf den Weg nach Zehma gemacht. Sogar aus Italien, Polen und Tschechien und England sollen Groundhopper per Auto bzw. Flugzeug angereist sein. „Für unseren Grottenkick waren Leute aus Italien insgesamt 24 Stunden unterwegs, wie ich im Nachgang gehört habe. Das ist schon irre“, erzählt Christian Brehmer.

Knapp wurde es aber nicht nur bei den Eintrittskarten sondern zudem in Sachen Versorgung. „Wir hatten 320 Liter Bier, 50 Liter Glühwein, diverse Schnäpse und alkoholfreie Getränke vor Ort. Dazu noch 300 Roster und 200 Hirtenrollen. Die Hirtenrollen waren schnell vergriffen, weil sie schon was besonderes waren. Roster wurden gegen Ende knapp. Beim Bier mussten wir nachholen und hatten vorher über einen Dienstleister die Bereitschaft angefragt. Fußball ohne Bier, wäre auch nur komisch gewesen. Für unseren Verein war das Spiel auch aus dieser Sicht ein Erfolg“, sagt Christian zur Verpflegung der Zuschauer.

– Foto: Groundhopping & Ultra

Emotionales Highlight der Fußballer Laufbahn

Doch das Organisationstalent aus Zehma hatte auch sein persönliches Highlight als Spieler. Zusammen mit seinem Sohn an der Hand führte er seine Mannschaft als Kapitän auf das Feld. „Das war schon absolut emotional für mich. Da floss schon die erste Träne. Und auch nach der Partie hab ich mich ein, zweimal in eine stille Ecke verkrochen. Auch da sind dann ein paar Tränen gepurzelt - aus Freude und aufgrund der abgefallenen Anspannung“, sagt Christian Brehmer. Und nicht nur für ihn wird dieses Spiel unvergessen bleiben - mindestens auch für alle anderen Spieler aus Zehma, Gößnitz und Ehrenhain.

Aufrufe: 03.1.2024, 13:20 Uhr
André HofmannAutor